In der Regierung von US-Präsident Donald Trump wird nach Angaben aus dem Umfeld des Weißen Hauses darüber beraten, jüdischen Bürgern aus Großbritannien Schutz in den Vereinigten Staaten zu gewähren. Anlass seien wachsende Sorgen über Antisemitismus im Vereinigten Königreich. Das berichtet der »Telegraph« unter Berufung auf den persönlichen Anwalt Trumps, Robert Garson.
Garson erklärte der Zeitung, er habe mit dem US-Außenministerium Gespräche darüber geführt, ob britischen Juden, die das Land wegen antisemitischer Bedrohungen verlassen wollten, Asyl angeboten werden könne. Eine offizielle Stellungnahme des Weißen Hauses lag zunächst nicht vor.
Der 49-jährige Jurist sagte, Großbritannien sei »kein sicherer Ort mehr für Juden«. Ausschlaggebend seien unter anderem ein islamistischer Anschlag auf eine Synagoge in Manchester sowie ein deutlicher Anstieg antisemitischer Vorfälle nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Diese Entwicklungen hätten ihn zu der Überzeugung gebracht, dass Juden aus Großbritannien zumindest die Option auf Schutz in den USA erhalten sollten.
»Keine Zukunft«
Garson hatte Ende 2023 in einem US-Fernsehinterview israelfeindliche Demonstranten in New York und Los Angeles als »plündernde Mobs« bezeichnet, die sich als Protestierende tarnten, um »antisemitische Parolen zu brüllen und nach jüdischem Blut zu schreien«.
In dem aktuellen Interview machte Garson den britischen Premierminister Keir Starmer mitverantwortlich. Er warf ihm vor, Judenhass nicht entschieden genug entgegenzutreten. Für Juden sehe er »keine Zukunft« mehr im Vereinigten Königreich.
Garson, der 2008 aus England in die USA zog, sagte: »Das Vereinigte Königreich ist kein sicherer Ort mehr für Juden. Ich habe mit dem Außenministerium darüber gesprochen, ob der Präsident britischen Juden Asyl in den USA anbieten sollte.« Ein solches Vorgehen sei auch deshalb attraktiv, weil es sich um »eine hochgebildete Gemeinschaft« handele. Es gehe um Menschen, »die Englisch als Muttersprache sprechen, gut ausgebildet sind und keinen hohen Anteil an Kriminalität aufweisen«.
»Besonders traurig«
Weiter sagte er dem »Telegraph«: »Wenn ich mir ansehe, was derzeit mit Juden in Großbritannien geschieht, und wenn ich mir die demografischen Veränderungen ansehe, glaube ich nicht – und das habe ich auch mit Personen in der Trump-Regierung besprochen –, dass es eine Zukunft für Juden im Vereinigten Königreich gibt. Für mich ist das besonders traurig.«
Nach Angaben des Blattes brachte Garson die Idee eines US-Schutzprogramms auch bei Yehuda Kaploun vor, dem Sondergesandten der US-Regierung zur Bekämpfung von Antisemitismus. Garson ist zudem Mitglied des Kuratoriums des US Holocaust Memorial Council, in das ihn Trump im Mai berufen hatte, nachdem zuvor mehrere Mitglieder aus der Amtszeit von Joe Biden entlassen worden waren.
Eine im Jahr 2025 veröffentlichte Umfrage des Institute for Jewish Policy Research unterstreicht die wachsenden Sorgen in der jüdischen Gemeinschaft Großbritanniens. Demnach fühlten sich 35 Prozent der britischen Juden im Jahr 2025 nicht sicher – gegenüber neun Prozent im Jahr 2023, also vor dem Hamas-Angriff und den anschließenden israelfeindlichen Protesten. Fast die Hälfte der Befragten bewertete Antisemitismus als »sehr großes« Problem, verglichen mit lediglich elf Prozent im Jahr 2012.
Unklar bleibt allerdings, wie ein mögliches Asylangebot für britische Juden mit der insgesamt restriktiven Flüchtlingspolitik der Trump-Regierung vereinbar wäre. Im Oktober hatte die US-Regierung angekündigt, die Zahl der im Jahr 2026 aufgenommenen Flüchtlinge auf 7500 zu begrenzen. Diese Plätze sollten überwiegend »weißen Südafrikanern« vorbehalten sein. Ob und in welchem Umfang Juden aus Großbritannien darunterfallen könnten, ist offen. im