Nach dem Tod des langjährigen iranischen Machthabers Ali Khamenei verdichten sich Berichte, wonach sein Sohn Mojtaba als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge gehandelt wird. Mehrere amerikanische Medien melden, der 56-Jährige liege in den internen Abstimmungen der einflussreichen Expertenversammlung vorn.
Offiziell bestätigt ist die Entscheidung bislang nicht. Während oppositionelle iranische Kanäle und israelische Medien bereits von einer Festlegung sprechen, schweigen staatliche Stellen in Teheran. Die 88-köpfige Expertenversammlung ist formal für die Wahl des obersten Führers zuständig.
Unmittelbar nach dem schweren Luftschlag vom Wochenende, bei dem zahlreiche Spitzenvertreter des Regimes getötet worden sein sollen, kursierten Gerüchte, auch Mojtaba Chamenei sei ums Leben gekommen. Dass sein Name nun als Favorit auftaucht, deutet darauf hin, dass er lebt – und im Machtpoker eine zentrale Rolle spielt.
Linie des Vaters
Der zweitälteste Sohn des getöteten Revolutionsführers hatte bislang kein offizielles Staatsamt inne, galt jedoch seit Jahren als einflussreich im Hintergrund. 2019 belegten ihn die USA mit Sanktionen. Beobachter beschreiben ihn als ideologisch eng an der Linie seines Vaters orientiert und gut vernetzt mit den Revolutionsgarden.
Ein Iran-Experte der Johns-Hopkins-Universität sagte der »New York Times«: »Wenn er gewählt wird, deutet das darauf hin, dass ein deutlich härterer, revolutionsgardennaher Flügel die Kontrolle übernommen hat.« Andere Analysten halten ihn gerade wegen seiner engen Kontakte in Militär- und Sicherheitskreise für handlungsfähig. »Er ist mit der Führung und Koordinierung der Sicherheits- und Militärstrukturen bestens vertraut«, wird der Politikwissenschaftler Mehdi Rahmati zitiert.
Eine mögliche Ernennung Mojtabas würde mit einem Grundsatz brechen, der die Islamische Republik seit 1979 geprägt hat: Die neue Führung wollte sich bewusst von der erblichen Monarchie absetzen, die sie einst stürzte. Eine familiäre Nachfolge gilt deshalb vielen Funktionären als problematisch.
Religiöse Qualifikationen
Zudem verfügt Mojtaba nicht über ausgeprägte religiöse Qualifikationen, die für das Amt des obersten Rechtsgelehrten traditionell erwartet werden. Neben der Wahl durch die Expertenversammlung müsste auch der Wächterrat zustimmen, der Kandidaten auf ihre Übereinstimmung mit den religiösen Prinzipien prüft.
Derzeit wird der Iran von einem dreiköpfigen Übergangsgremium geführt, dem zwei enge Vertraute des getöteten Revolutionsführers angehören. Parallel dauern militärische Auseinandersetzungen im In- und Ausland an, was die Unsicherheit über die künftige Machtarchitektur zusätzlich verstärkt.
Wie groß der tatsächliche Einfluss eines Nachfolgers wäre, bleibt offen. Ali Chamenei hatte seine Herrschaft über 37 Jahre hinweg konsolidiert und ein engmaschiges Netz aus Loyalisten aufgebaut. Experten gehen davon aus, dass künftige Macht stärker verteilt sein könnte. Der Religionswissenschaftler Mehdi Khalaji sagte dem »Wall Street Journal«: »Wir können mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die Führung nicht mehr in einer Person konzentriert sein wird. Der nächste oberste Führer wird überwiegend zeremoniell sein.«
Unklar ist, ob ein israelischer Angriff auf ein Gremium, das einen Nachfolger für Ali Chamenei bestimmen sollte, Implikationen für die künftige Führung in Teheran hat. im