Berlin

Ben Salomo ausgezeichnet

Ausgezeichnet in Berlin: Ben Salomo (2.v.l.) Foto: © Bernd Lammel

Er gilt als eine der wichtigsten Stimmen der Pop-Kultur und als Inbegriff des Engagements gegen Antisemitismus in Deutschland – der Musiker Ben Salomo. Geboren als Jonathan Kalmanovich in Rechovot und aufgewachsen in Berlin-Schöneberg, wurde ihm am 23. Mai in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einem Festakt zum Tag des Grundgesetzes der mit 10.000 Euro dotierte Preis »Botschafter/-innen für Demokratie und Toleranz« verliehen.

Während der Preisverleihung im Berliner Ensemble erzählte Ben Salomo von seiner langsam gewachsenen Erkenntnis, dass Ausgrenzung und Diskriminierung innerhalb der Rap-Szene in Deutschland Teil des Selbstverständnisses dieser Musik seien. Stereotype wie »Die Juden haben doch alle Geld« oder Juden bereiteten geheime Verschwörungen vor, habe er oft in seiner Laufbahn gehört. Irgendwann sei es ihm trotz Hunderttausender Follower auf seinem YouTube-Kanal zu viel geworden und er habe sich von der regulären Hip-Hop-Szene verabschiedet.

Buch Damit begann eine neue Karriere des 1977 geborenen Künstlers. Er besuchte Schulen, um junge Menschen über subtile und offensichtliche Formen des Judenhasses aufzuklären, unter denen er selbst viele Jahre gelitten hatte. Er schrieb das Buch Ben Salomo bedeutet Sohn des Friedens und setzte sich für den interreligiösen Dialog ein.

»Antisemitismus ist ein Chamäleon. Er tarnt sich in immer neuen Formen.«

Ben Salomo

Zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland schrieb er den viel gespielten Titel »Deduschka«. Seit der Protestbewegung im Iran ist es ihm ein besonderes Anliegen, auf die Unterdrückung der Menschen unter dem Mullah-Regime hinzuweisen. Ben Salomos deutsche Coverversion »Ich träume« des während der iranischen Proteste viel gesungenen Liedes »Baraye« wurde 2022 über eine Million Mal in sozialen Netzwerken wie Instagram angeklickt.

Trotzdem zog Ben Salomo im Berliner Ensemble eine ernüchternde Bilanz. »Antisemitismus ist ein Chamäleon. Er tarnt sich in immer neuen Formen. Die Straßen in Deutschland sind leider immer noch alles andere als diskriminierungsfreie Zonen.« Er sprach davon, dass er nicht aufhören wolle, sich Deutschland als Heimat vorzustellen, in der er keine Angst haben müsse, wenn er sich öffentlich mit einer Kippa zeige. Auch die vielen Klischees über den Staat Israel, die nach wie vor kursierten, machten ihm Sorgen.

Versuch Während des Festaktes sprachen auch die Innenministerin Nancy Faeser sowie der Bundespräsident davon, dass es in Deutschland eine »klare Kante gegen Hetze« geben müsse. Die Geschichte der Demokratie in Deutschland werde allzu oft als eine Geschichte des Scheiterns erzählt. Der von der Bundeszentrale für politische Bildung gestiftete Preis »Botschafter für Demokratie und Toleranz« sei hingegen der Versuch, Menschen in den Vordergrund zu rücken, welche durch ihr Handeln die Stärke demokratischer Werte sichtbar machten. Dafür stünden auch die Musik und das Engagement von Ben Salomo.

Zum Abschluss der Preisverleihung spielte die israelisch-iranische Band »Sistanagila« das hebräische Lied »Osse Shalom«. Die Musiker erinnerten daran, dass durch Musik politische Grenzen überwunden werden können. Man müsse versuchen, solche Formationen, wie sie die Band abbilde, in allen Teilen der Gesellschaft zu integrieren. »Man muss nur damit beginnen«, riefen die Musiker dem Publikum zu.

Zu den weiteren Preisträgerinnen und Preisträgern der Verleihung zählen die somalische Anti-Rassismus-Aktivistin Halima Gutale, die aus Syrien stammende Flüchtlingsbetreuerin Hamida Taamiri, die Bonner Sozialarbeiterin Saloua Mohammed und Thomas Jakob vom Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra.

Kommentar

Mit schwerem Koffer zurück aus Berlin

Wie ein deutscher Holocaust-Überlebender auf die sich abzeichnende Koalition von SPD und Grünen mit Antisemiten, Terror-Relativierern und anderen Genozid-Schreiern blickt

von Roman Haller  11.10.2026

Schwerin/Rostock

Kurs Rot-Rot-Grün: Verhandlungen starten am Montag

SPD, Linke und Grüne wollen in Mecklenburg-Vorpommern über eine Koalition verhandeln. Dafür stimmten alle drei Parteien. Für die Grünen wäre eine Regierungsbeteiligung dort eine Premiere

 11.10.2026

Franziska Giffey

Nach der Wahl in Berlin

Franziska Giffey spricht sich gegen Koalition mit Linkspartei aus

Die noch amtierende Wirtschaftssenatorin sieht keine Basis für eine Koalition mit der Linken in Berlin. Die SPD-Politikerin fordert klare Positionen im Kampf gegen Antisemitismus. Unterdessen verteidigt Thüringens Ex-Ministerpräsident Ramelow die Sondierer gegen Kritik aus den eigenen Reihen

 11.10.2026

Nahost

Abbas verschiebt Parlaments- und Präsidentenwahl

Der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, vertagt die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen bis in den Herbst 2027. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gab es keine Parlamentswahl mehr

 11.10.2026

Frachtschiffe vor Anker in der Straße von Hormus bei Bandar Abbas (Iran)

Nahost

Bericht: Iran kann noch immer Raketen und Drohnen produzieren

Teheran soll demnach weiterhin gut ausgestattet mit Raketen sein und schnell nachproduzieren können. Die USA sollen zudem Israel gedrängt haben, Iran erneut anzugreifen – alleine

 11.10.2026

Teilnehmer einer Demonstration »United4Palestine« halten Palästinenserflaggen, auch eine Flagge der Linken und eine Queer-Flagge sind zu sehen.

Berlin

Israelfeindliche Demonstration durchs Regierungsviertel

Rund 3.500 Menschen nehmen an der Demonstration unter dem Motto »United4Palestine« teil. Auch Politiker und Aktivisten der Linkspartei waren dabei. Einige Demonstranten wurden festgenommen

 11.10.2026

Feuer am Flughafen von Riad

Saudi-Arabien

Mindestens zwölf Tote bei Angriff auf Flughafen in Riad

Der Konflikt zwischen den vom Iran unterstützten Huthi im Jemen und Saudi-Arabien eskaliert. Bei dem Angriff auf den Flughafen King Chalid gibt es Tote und Hunderte Verletzte. Wie reagiert Washington?

 11.10.2026

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  10.10.2026

Hans-Georg Lindenau in seinem Ladengeschäft »M99 Gemischtwaren mit Revolutionsbedarf«

Deutschland

Berlin-Kreuzberg: Aushänge gegen Judenhass - Jugendliche greifen Geschäftsinhaber an

Der Staatsschutz ermittelt

 10.10.2026 Aktualisiert