Berlin

Baerbock muss sich für UN-Enthaltung rechtfertigen

Der Auftritt von Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) begann erst sehr freundlich. Als Zentralratspräsident Josef Schuster lobte, dass die Außenministerin ausgerechnet an ihrem Geburtstag zum Gemeindetag gekommen war, sangen die Mitglieder spontan ein Ständchen für sie.

Doch statt Kuchen gabs danach Kritik vom Zentralratspräsidenten. Nach den Massakern der Hamas sei Baerbocks Empathie für Israel zwar spürbar gewesen, aber: »Wir brauchen nicht verschweigen, dass ich mir und mit mir viele andere ein anderes Abstimmungsverhalten der Bundesregierung zur relativierenden UN-Resolution gewünscht hätte. Es wäre, glaube ich, die richtige Konsequenz aus den Worten gewesen«, sagte Schuster unter großem Applaus der Gemeindetagsteilnehmer.

Außenministerin Annalena Baerbock betonte in ihrer Rede, dass Israels Sicherheit deutsche Staatsräson sei. »Diese Verantwortung ergibt sich aus unserer Geschichte. Sie ist unverrückbar und deswegen ist das unsere klare Haltung, überall in der Welt«, so Baerbock. Das Publikum hörte es, wollte es aber nicht glauben. »Warum enthalten Sie sich dann immer wieder bei den UN?«, rief eine Zuhörerin dazwischen.

»Genau darauf möchte ich eingehen«, erwiderte die Außenministerin. Denn Verantwortung heißt aus meiner Sicht, nicht einfach nur in die Welt hinauszuposaunen, das ist unsere Haltung und wer die nicht versteht, hat offensichtlich die Welt nicht verstanden. Ich glaube mit so einer Haltung kommt man keinen Millimeter weiter. Sondern, wenn ich wirklich überzeugen will, muss ich bereit sein, zuzuhören. Ich muss bereit sein, mich einmal in die Situation des anderen hineinzuversetzen, auch wenn ich sie absolut nicht teile. Weil ich ansonsten nie verstehen werde, woher die Gedanken kommen.»

Deswegen sei es ihr wichtig, dort hinzugehen, wo die heftigen Diskussionen geführt werden, nicht mit Israel, sondern über Israel - beispielsweise am Rande der Klimakonferenz in Dubai. «Ja, die Haltung, die ich dort gehört habe, die ist, um es diplomatisch zu sagen, mehr als herausfordernd gewesen», sagte Baerbock. «Aber diese Debatten und dort zu sein, war wichtig.» Ansonsten hätte sie die arabischen Partner nicht fragen können, warum sie die Hamas nicht dazu aufrufen, die Waffen niederlegen. Baerbock sei es nicht leicht gefallen, eine Resolution abzulehnen, in der stehe, dass Kinder in Gaza auf brutale Art und Weise leiden.

Militärsprecher Shalicar: «Manchmal muss man klare Kante zeigen»

Israels Militärsprecher Arye Sharuz Shalicar äußerte in seiner anschließenden Rede erst Verständnis für die Außenministerin. «Ich kann nachvollziehen, was die Denke dahinter ist, wenn man sich enthält. Man will alle Kanäle offenhalten. Man will im Austausch sein, man will ja mit denen reden, die über uns reden», sagte Shalicar.

Dann wurde aber auch er sehr deutlich: «Wie ich vorhin gesagt habe, hat sich sehr vieles auf den Kopf gestellt seit dem 7. Oktober. Und manchmal muss man auch klare Kante zeigen. Deutschland darf sich hier nicht unterschätzen. Deutschland muss aus einer Position der Stärke kommen, nicht der Schwäche.»

Shalicar forderte auch von Deutschland, genau darauf zu achten, keine Entwicklungsgelder in die Hände der Hamas-Terroristen gelangen zu lassen. «Wir müssen uns nichts vormachen: Wenn in den letzten zweieinhalb Monaten 11.000 Raketen auf Israel abgefeuert wurden, kostet das Geld. Wenn 500 Kilometer Tunnel gegraben wurden, kostet das Geld. Wenn 50.000 Hamas-Mitglieder dort und im Ausland ein gutes Leben genießen, kostet das Geld.»

Washington

Trump: Iran muss sofort seine Stellvertreter im Libanon stoppen

Der Iran muss seine Proxys im Libanon unter Kontrolle bringen, fordert Trump. Andernfalls müsse Teheran mit harten Konsequenzen rechnen

 21.06.2026

Potsdam

Linke sucht Kontakt mit Juden im Kampf gegen Antisemitismus

Der Partei wird immer wieder Antisemitismus vorgeworfen. Nun heißt es in einem Beschluss, dass der Parteivorstand mit jüdischen Verbänden in den Austausch gehen soll

 21.06.2026

Iran-Verhandlungen

US-Vizepräsident Vance sieht »große Fortschritte«

In der Schweiz wird über ein Ende des Iran-Kriegs verhandelt. US-Vizepräsident Vance bewertet den Auftakt der Gespräche offenbar als Erfolg

 21.06.2026

Teheran

Iran: Verhandlungen mit USA auf einen Tag begrenzt

Die Verhandlungen zwischen Teheran und Washington in der Schweiz wurden mit Spannung beobachtet. Nun dämpft der Iran die Erwartungen

 21.06.2026

Meinung

Die Linkspartei ist für Juden unwählbar geworden

Jede Hoffnung, »Die Linke« könnte ein vernünftiger Partner werden, wurde enttäuscht. Die Partei unterstützt konsequent die Kräfte, die jüdisches Leben unmöglich machen wollen

von Sigmount A. Königsberg  21.06.2026

Berlin

Mann mit Kippa beleidigt und bespuckt

Laut eines Medienberichts kam es am Samstag in Berlin-Charlottenburg zu einem antisemitischen Vorfall

 21.06.2026 Aktualisiert

Kiew

Selenskyj schickt polnischen Orden zurück

Weil er eine Einheit ehrt, die im Zweiten Weltkrieg Massaker an Polen und Juden begangen hat, entzieht Polens Präsident Nawrocki dem ukrainischen Staatschef Selenskyj die höchste Auszeichnung des Landes. Der schickt den Orden jetzt per Post zurück

 21.06.2026

Potsdam

Neuer Linken-Chef: Kein Unterschied zwischen CDU »und den Faschisten selbst«

Luigi Pantisano sorgte am Wochenende auf dem Linken-Parteitag in Brandenburg mit einer Aussage für Empörung. Kurz darauf wurde er mit lediglich 53 Prozent zum Co-Vorsitzenden der Partei gewählt

 21.06.2026

Luzern

Gespräche zwischen Iran und USA starten

Es geht um Teherans Atomprogramm und ein Ende der Kämpfe zwischen der Terrormiliz Hisbollah und Israel: Heute wollen Vertreter der USA und des Irans in der Schweiz Lösungen für diese heiklen Probleme näherkommen

 21.06.2026