Hagen

Austritt wegen Antisemitismus

Das Ehepaar Schlegel hat seine Mitgliedschaft in der SPD beendet. Foto: dpa

Nach 40 Jahren Mitgliedschaft hat Erika Schlegel die SPD verlassen, ihr Mann Martin Schlegel war sogar 45 Jahre in der Partei, doch das Ehepaar aus Hagen ist nun aus Protest gegen einen antisemitischen Artikel auf einer Facebook-Seite des Ortsvereins der Partei ausgetreten.

»Wenn es nur der eine Text gewesen wäre, hätte man sagen können: Das wollen wir nicht, das löschen wir«, sagt Erika Schlegel der Jüdischen Allgemeinen. Aber der Ortsverein hätte den Artikel, der unter der Überschrift »Volksverhetzung, durch die Zionistischen Medien und Presse Mächte in Deutschland« (Orthografie im Original) erschienen war, ganze sechs Wochen stehen lassen. Und als es hieß, er sei gelöscht, stellte sich heraus, dass er nur für einen eingeschränkteren Personenkreis lesbar gemacht worden war.

»Auf einem Parteitag hat mein Mann einen Initiativantrag gestellt, dass das verschwinden muss«, erzählt Erika Schlegel. Der wurde auch angenommen, aber die Partei habe seine Durchsetzung verschleppt. Dann seien sie aus Protest ausgetreten.

kampagne Bei der SPD Hagen ist man empört – allerdings nicht darüber, dass es Antisemiten in ihren Reihen gibt, sondern über die, wie es auf der Website heißt, »geschmacklose Kampagne einiger Ex-Mitglieder, welche aktuell versucht haben, die gesamte Hagener SPD für die verfehlten Äußerungen eines einzelnen Genossen auf Facebook in eine antijüdische Ecke zu stellen«.

Hagens SPD-Vorsitzender Timo Schisanowski sagt: »Es ist schon bitter, in welche Schubladen manche frustrierten Ex-Mitglieder nunmehr greifen, um ihrem unrühmlichen Abgang möglichst viel Theaterdonner zu verleihen.« Die Schlegels, behauptet Schisanowski, hätten zunächst versucht, »den SPD-Kommunalwahlerfolg zu sabotieren« und, nachdem ihnen das nicht gelungen sei, hätten sie die »Antisemitismuskeule« herausgeholt.

Zuspruch erhalten die Schlegels auch aus der Partei, aber er wird nicht öffentlich formuliert. »Für mich ist die SPD immer noch die Partei des Otto Wels und des Kniefalls von Willy Brandt«, sagt Erika Schlegel. »Aber man kann doch nicht sagen: Weil wir das sind, sind wir so erhaben und können uns so etwas erlauben.« Ein SPD-Politiker hat sich immerhin mit einem Brief an das Paar gewandt, er hoffe, dass sie bald wieder eintreten.

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  15.07.2026 Aktualisiert

Justiz

Schweizer Comedian Hamza Raya wegen Rassismus angezeigt

Ein muslimischer Comedian und ein jüdischer Gastronom loten die Grenzen der Satire aus. Nun droht dem einen von beiden eine juristische Auseinandersetzung

von Nicole Dreyfus  15.07.2026

Magdeburg

AfD-Veranstaltung: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Steimle

Ein Auftritt des Kabarettisten Uwe Steimle auf einer AfD-Veranstaltung in Dessau-Roßlau hat die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Zudem gab es Kritik wegen des Singens der DDR-Nationalhymne

 15.07.2026

Kalenderblatt

Der Marschall war vieles, aber kein Judenretter: Philippe Pétain taugt auch 75 Jahre nach seinem Tod für einen Skandal

Marschall Pétain, Verdun, Vichy-Regime - war da was? Über einen Mann, der im Nachbarland Frankreich vom Helden zum Verfemten wurde und über das Schicksal von Tausenden Juden im Zweiten Weltkrieg mitbestimmte

von Joachim Heinz  15.07.2026

Wahlen

Friedrich Merz: Werde alles tun, damit AfD nicht in Verantwortung kommt

Viele sorgen sich vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern vor möglichen Wahlsiegen der AfD. Kanzler Merz hingegen gibt sich zuversichtlich, dass das zu verhindern sei

 15.07.2026

Meinung

Die Fußball-WM war ein voller Erfolg

Schon jetzt steht fest, dass die Weltmeisterschaft 2026 unvergesslich bleiben wird. Zumindest, wenn man die Kriterien des Fußballphilosophen Nick Hornby zugrunde legt

von Elke Wittich  15.07.2026

Kommentar

Sichere Hochschule auch für Jüdinnen und Juden!

Sicherheit ist zentral, aber auch Respekt vor Arbeitsruhegeboten. Wer Prüfungen auf hohe jüdische Feiertage legt, verlangt von Juden, für ihre Religionsausübung Nachteile beim Studienfortschritt in Kauf zu nehmen

von Volker Beck  15.07.2026

Iran

Propagandaplakat in Teheran zeigt Trump im Sarg

Auf dem Plakat wird Vergeltung gefordert. Doch viele Iranerinnen und Iraner stehen den Racheaufrufen kritisch gegenüber

 15.07.2026

Chemnitz

Neonazi Liebich nach Deutschland gebracht

Schon Ende August 2025 sollte er die Haft antreten, floh jedoch stattdessen. Einige Monate später wurde der Neonazi gefasst, nun ist er wieder in Deutschland. Wo kommt Liebich nun hinter Gitter?

 15.07.2026