England

Aus Liebe zum Fußball

David Bernstein Foto: dpa

Am Ende bleibt David Bernstein der Stolz. »Einige hatten mir geraten, mich nicht so zu verhalten«, schreibt der 68-jährige Präsident der englischen Football Association (FA) in einem Zeitungsbeitrag. »Aber ich wäre nicht ehrlich zum englischen Fußball, wenn ich dieses Thema unterdrückt hätte.«

Dieses Thema, das ist der Kampf gegen Korruption im Fußballweltverband FIFA. Bernstein, der »gebildete, bescheidene Mann« (Guardian) aus jüdischem Hause, hatte Anfang Juni beim FIFA-Kongress in Zürich vergeblich dafür gekämpft, dass die anstehende Wahl des Präsidenten Sepp Blatter verschoben würde. Der einzige Gegenkandidat des Schweizers, Mohamed Bin Hammam aus Katar, dem Land, das 2022 die WM ausrichtet, war einen Tag zuvor geschasst worden. Korrupt sei er, hieß es. Und Blatter, dem zumindest ähnlich gut begründete Vorwürfe der Bestechlichkeit gemacht wurden, blieb übrig.

häme Als einziger Kandidat ließ Blatter sich wählen und schüttete Häme über seine Kritiker. »Die Apotheose war«, so gab der FIFA-Boss seinem Schmierentheater im Schweizer »Tages-Anzeiger« eine dramaturgische Note, »dass der englische Verbandspräsident fast weinerlich sagte: ›Ich muss jetzt etwas sagen, und es tut mir fast weh, dass ich das sagen muss.‹ Warum sagt er es dann?«

Vielleicht, weil David Bernstein den Fußball liebt. Als Elfjähriger begann seine Liebe zum Klub Manchester City, als 13-Jähriger ging er zum FA-Cup-Final zwischen Manchester und Birmingham City – obwohl an diesem Tag seine Barmizwa anstand. Als sein geliebter Klub im Jahr 1998 den Tiefpunkt der Vereinsgeschichte erleben musste, den Abstieg in die dritte Liga, übernahm David Bernstein das Amt des Vorsitzenden. Es folgte der sofortige Wiederaufstieg.

FCUK In seinem anderen, seinem nichtfußballerischen Leben kann Bernstein als Geschäftsmann ziemlich dicke Erfolge aufweisen. Die Modekette »French Connec- tion«, die heute mit über 1.500 Läden in der ganzen Welt vertreten ist, verdankt ihren Aufstieg ganz wesentlich ihrem früheren Chef Bernstein.

Das Label »French Connection United Kingdom« wurde als F.C.U.K. abgekürzt. Die Nähe zum Wort »fuck« zahlte sich aus. »Der Absatz und die Gewinne der Gruppe erreichten bis 1998 Rekordergebnisse«, ließ sich ein stolzer Bernstein damals zitieren. Auch in anderen Branchen engagierte er sich erfolgreich, und bald orientierte sich sein Interesse am Sport auch über Manchester hinaus.

stadion Seit Jahren ist er ebenfalls Präsident der »National Association of Disabled Supporters«, einer Vereinigung von behinderten Fußballfans. Und 2008 übernahm Bernstein den Vorsitz der »Wembley National Stadium Ltd.«, die nach dem kompletten Umbau das legendäre Wembley-Stadion in London betreibt.

Aus dem Engagement bei seiner großen Liebe, Manchester City, hatte sich Bernstein schon 2003 zurückgezogen. Der Guardian vermutet, dass es seine Warnungen vor zu hohen Ausgaben waren, die ihn scheitern ließen. Dass der Klub seit 2007 in Privatbesitz ist, hat jedenfalls mit Bernstein nichts mehr zu tun. 2007 übernahmen der frühere thailändische Premier Thaksin Shinawatra, 2008 dann der in Abu Dhabi sitzende Scheich Mansour bin Zayed al-Nahyan mit Millionen den Verein.

verlierer David Bernstein schaut sich das mit der Distanz eines FA-Präsidenten an. Dieses Amt hat er seit Januar 2011 inne. Ob er mit seiner Attacke gegen den FIFA-Präsidenten Sepp Blatter dem englischen Fußball mehr geschadet oder genutzt hat, ist auf der Insel umstritten. Nachdem Englands Bewerbung um die WM 2018 erfolglos blieb – der Zuschlag ging an Russland – entschied er sich, die FIFA nicht länger bedingungslos zu unterstützen.

Nach seiner Zürcher Rede, in der er die Verschiebung von Blatters Wahl gefordert hatte, erhielt Bernstein viele Buhrufe. DFB-Chef Theo Zwanziger, der sich für Blatter ausgesprochen hatte, sagte sogar über die englische Delegation: »Es riecht ein wenig danach, als seien sie schlechte Verlierer.« Bernstein ficht das nicht an: »Die Korruptionsvorwürfe beschädigen unser Spiel schwer, und ich bin davon überzeugt, dass unsere Ansichten einen Wandel beschleunigen werden.«

Golf von Oman

US-Militär: Schiff mit Iran-Verbindungen zerstört

Immer wieder greifen der Iran und die USA gegenseitig Handelsschiffe und Tanker an. Was ist nun passiert?

 15.10.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD verhandeln wieder

Das von den Sondierern beschlossene Antisemitismus-Papier soll auch in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden

 15.10.2026

Debatte um Erklärung

Hickhack bei Rot-Grün-Rot: Das steht in den Antisemitismus-Papieren

Die Berliner Regierungsbildung stockt, nachdem die Linke im Abgeordnetenhaus ein eigenes Papier zum Kampf gegen Antisemitismus gebilligt hat. Wo sich die zwei Erklärungen unterscheiden

 14.10.2026

Umfrage

66 Prozent der Unionswähler für Prüfung von AfD-Verbot

Eine Campact-Umfrage zeigt, dass die Wähler der Unionsparteien mehrheitlich für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens sind. Auch eine Koalition mit der AfD wird von Anhängern der Mitte-Parteien deutlich abgelehnt

 14.10.2026

Sachsen-Anhalt

Eine Woche voller Eklats

Nach der Wahl des Landtagspräsidiums bröckelt die »Brandmauer« in der CDU weiter. Das Gedenken in Halle bot einen Vorgeschmack auf ein Land unter AfD-Regierung

von André Anchuelo  14.10.2026

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU)

Landtag von Sachsen-Anhalt

Ministerpräsidenten-Wahl: CDU will im dritten Wahlgang im Plenarsaal sein

Bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt will die CDU den Plenarsaal zunächst verlassen. Für einen möglichen dritten Wahlgang kündigt Fraktionschef Sven Schulze ein anderes Vorgehen an. AfD und BSW beschließen derweil einen Antrag zur Ukraine

 14.10.2026

Berlin

»Eine gute Wahl«: Bundesregierung ernennt von Schnurbein zur Beauftragten für jüdisches Leben

Die 52-jährige EU-Beamtin ist am Mittwoch offiziell zur Nachfolgerin von Felix Klein bestellt worden. Aus den jüdischen Verbänden und Gemeinden kamen unisono positive Reaktionen

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Banaszak: Emdes Fraktions-Aus war Grundlage für Sondierungen

Die Grünen-Landesvorsitzende Stahr betont hingegen, dass ihre Partei weiter »am Tisch sitzt« und auf eine Erklärung der Linken wartet

 14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Schwerdtner bedauert Gesprächspause in Berlin

Die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung in Berlin liegen auf Eis. Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner hält die Erklärung ihrer Fraktion zu Antisemitismus dennoch für ausreichend

 14.10.2026