Hanau

»Auf Toleranz hinweisen«

Oliver Dainow Foto: pr

Hanau

»Auf Toleranz hinweisen«

Oliver Dainow zum Jahrestag des rassistischen Anschlags und zum Gedenken in der Gemeinde

von Eugen El  18.02.2021 08:40 Uhr

Herr Dainow, vor einem Jahr berichteten Sie, das Attentat von Hanau habe die Gemeindemitglieder schockiert und bedrückt. Wie ist die Stimmung in der Gemeinde heute?
Jetzt zum Jahrestag wird es noch einmal präsenter. Das merkt man auch im Stimmungsbild. Wegen der Pandemie geht die Bewältigung nur relativ schleppend voran. Der Anschlag war am 19. Februar. Wenige Wochen später haben wir die Gemeinde geschlossen. Bis Anfang Juni hatten wir keine Präsenzveranstaltungen. Der Anschlag war immer wieder Thema in unseren Online-Treffen. Aber es fehlt der persönliche Kontakt – gerade bei solchen Schockmomenten, wie das hier bei vielen vor der Haustür passiert ist. Da fehlt die persönliche Nähe.

Wie gedenkt Hanau am 19. Februar, dem ersten Jahrestag des Anschlags?
Im Congress-Park wird es eine kleine Veranstaltung mit 50 Personen geben. Das Rathaus hat die Prämisse herausgegeben, dass es ein städteweiter Gedenktag mit vielen kleinen, lokalen Veranstaltungen werden soll – ob analog oder digital.

Wie geht die Stadt insgesamt mit den Geschehnissen um?
Man versucht, wo es nur möglich ist, das Thema Alltagsrassismus und den Anschlag zum Thema zu machen. Aber es fehlt das große Ganze. Das letzte große Gedenktreffen fand sechs Monate nach dem Anschlag auf dem Freiheitsplatz in Hanau statt. Es waren nicht so viele Menschen dort, wie es hätten sein können oder sein wollen.

Wie gedenkt die Gemeinde?
Zum ersten Jahrestag veranstalten wir und die Wallonisch-Niederländische Kirche gemeinsam mit der katholischen Stadtpfarrei eine Gedenkstunde. Sie wird unter dem Titel »Zeitansage – das Erbe verpflichtet« vor dem Denkmal für Graf Philipp Ludwig II. stattfinden. Um 1600 ermöglichte er den Wallonen und der jüdischen Gemeinde die Ansiedlung in Hanau und sicherte ihnen freie Religionsausübung und Sicherheit zu.

Wofür steht dieser historische Bezug?
Wir wollen auf Toleranz hinweisen – also darauf, dass ein Leben miteinander möglich ist und möglich sein muss. Wir wollen in Erinnerung rufen, dass ein gemeinsames friedliches Zusammenleben die Normalität sein muss.

Wie kann der künftige Beitrag aussehen?
Als jüdische Gemeinde haben wir leider Erfahrung damit, wie es ist, Alltagsantisemitismus zu erleben und Gottesdienste unter Polizeischutz zu führen. Wir sind es gewohnt und haben eine gewisse Expertise im Umgang damit. In der Stadtgesellschaft gibt es das Interesse, den »Anderen« kennenzulernen. Trotz der Pandemie erreichen uns immer mehr Anfragen von Schulen für Synagogenführungen. Wir möchten digitale Synagogenführungen anbieten. So könnten wir einen Beitrag dazu leisten, das Judentum näher kennenzulernen.

Mit dem Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hanau sprach Eugen El.

Auszeichnung

Ehrenamtspreis für jüdisches Leben geht nach Köln und Berlin

Bereits zum vierten Mal wird der Ehrenamtspreis für jüdisches Leben verliehen. In diesem Jahr werden Projekte geehrt, die vor allem auf einen niederschwelligen Zugang setzen

von Birgit Wilke  14.07.2026

Medien

Wechsel im ARD-Studio Tel Aviv: Sophie von der Tann wird abgelöst

Während der BR seine Korrespondentin in höchsten Tönen lobt, wurde extern immer wieder heftige Kritik geübt. Von der Tanns Nachfolgerin in Israel ist Pia-Marie Steckelbach

 14.07.2026

Kommentar

Wenn Studenten wieder anfangen, Juden auszugrenzen

Es sind Beschlüsse wie der Boykott-Beschluss des Studierendenparlaments der Humboldt-Uni, bei denen man sich unwillkürlich fragt, ob die zukünftige sogenannte deutsche Bildungselite noch zu retten ist

von Leeor Engländer  14.07.2026

München

Bayerns 180-Grad-Restitutionswende

Der Freistaat hat sich entschieden, eine Bronze von Picasso zurückzugeben und dabei gleich seinen Umgang mit NS-Raubkunst zu reformieren

von Michael Thaidigsmann  14.07.2026

Faktencheck

Henry Kissinger wollte die »weiße Rasse« nicht beseitigen

Dem früheren US-Außenminister Henry Kissinger werden immer wieder völlig frei erfundene Zitate zugeschrieben. Etwa, dass er die »weiße Rasse« durch multikulturelle Gesellschaften habe ersetzen wollen

 14.07.2026

Washington D.C.

Trump droht mit Angriff: Was über »Pickaxe Mountain« bekannt ist

Den Berg, der eine Atomanlage beherbergt, bezeichnet der US-Präsident als mögliches Ziel für einen »großen, fetten« Angriff

 14.07.2026

Osnabrück/Doha

Iron-Dome-Deal zwischen Israel und VW droht an Katar-Veto zu scheitern

Ein Verteidigungsdeal mit Israel und Hunderte Arbeitsplätze am VW-Standort Osnabrück sind in Gefahr, da der katarische Staatsfonds blockiert

 14.07.2026

Washington D.C.

USA-Iran-Rahmenabkommen: Was hat Trump überhaupt erreicht?

Groß war der Jubel des US-Präsidenten, als er mit der Führung im Iran ein vages Rahmenabkommen erzielte. Knapp einen Monat später stellt sich jedoch die Frage: Was ist davon noch übrig?

von Franziska Spiecker, Khang Mischke  14.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  14.07.2026 Aktualisiert