Atomkraft

Auf Nummer sicher

Die Ereignisse im japanischen Fukushima haben die Diskussion um Nutzung von Atomenergie wieder entfacht. Vertreter von Parteien, Gewerkschaften und Kirchen in Deutschland fordern einen Ausstieg. Der Kölner Rabbiner Jaron Engelmayer, Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, gibt zu bedenken: »Ressourcen der Natur und der menschlichen Erfindungs- und Entdeckungsgabe sind neutral und appellieren in ihrer Nutzungsweise an die Vernunft des Nutzers. Risiken und Gefahren gilt es von vornherein nach Möglichkeit zu verhindern.

Jedoch können sie beim Fortschritt nicht immer vollständig ausgeklammert werden und gehören zum Leben bis zu einem gewissen Grade dazu.« Der Berliner Gemeinderabbiner und Dozent des Abraham-Geiger-Kollegs, Tovia Ben-Chorin, sagt, er beginne, die Argumente der Anti-Atomkraft-Bewegung zu verstehen: »Wenn man sieht, wie gefährlich das ist, muss man alles dafür tun, dass sich solche Katastrophen nicht wiederholen können.«

Bedrohung Ein erklärter AKW-Gegner ist der bekannte amerikanische Umweltaktivist Rabbi Arthur Waskow. Der Direktor des Shalom Centers in Philadelphia streitet für die Idee der Öko-Kaschrut und nennt vier Gründe dafür, warum er die Nutzung der Kernenergie für falsch hält. Erstens seien Atomkraftwerke trotz aller Beteuerungen ihrer Betreiber niemals sicher. »Wer etwas anderes behauptet, der lügt. Denken wir nur an terroristische Bedrohungen – davor ist kein Kraftwerk gefeit. Und alle Versuche, sie gegen die Naturgewalten zu schützen, sind bislang gescheitert.«

Zweitens wisse niemand, was mit dem radioaktiven Müll geschehen soll, der bei der Produktion anfällt. Drittens sei es von der friedlichen Nutzung der Atomenergie stets nur ein kurzer Schritt zur Produktion von Nuklearwaffen. »Der vierte Grund lautet, dass der Bau eines Kernkraftwerkes eine immens hohe Investition erfordert. Dieses Geld sollte eher in die Entwicklung erneuerbarer Energien und die Bekämpfung der Klimakatastrophe gesteckt werden.« Es gäbe, so Rabbi Waskow, nur ein Argument für die Kernenergie, und das sei die Gewinnmaximierung der Betreiber.

Fossiler Brennstoff Rabbi Julian Sinclair ist Mitbegründer der »Jewish Climate Initiative« in Israel. Er meint, dass Atomstrom derzeit noch im Mix mit fossilen Brennstoffen unverzichtbar zu sein scheint, die Entwicklung von Projekten der Wind- und Sonnenenergie müsse gleichwohl schnellstens vorangetrieben werden.

»Nur scheinen die Ereignisse in Japan zu zeigen, dass die Risiken der Kernenergie nicht kalkulierbar sind. Und wenn die Betreiber solcher Anlagen die Konsequenzen nicht beherrschen können, dann widerspricht das dem Maß an Verantwortlichkeit, die durch jüdisches Recht und jüdische Ethik eingefordert wird.«

Gerald Schroeder befürwortet Atomenergie. Der in Jerusalem lebende renommierte Autor ist Professor der Nuklearphysik und war Mitglied der US-Atomenergie- kommission. Seiner Auffassung nach ist eine Energiequelle jenseits fossiler Brennstoffe unabdingbar.

»Wir dürfen nicht vom Öl abhängig sein, dies ist allein schon aus politischer Sicht gefährlich«, sagt der jüdisch-orthodoxe Wissenschaftler. »Und dass Solarenergie oder Windkraft eine Alternative darstellen können, ist lediglich eine Fantasie. Aus erneuerbaren Quellen können wir nie mehr als zehn Prozent unseres Energiebedarfes decken.« Doch es gäbe auch Alternativen. »Derzeit nutzen wir die Kernspaltung, doch ist die Kernfusion die ideale Möglichkeit, Energie zu produzieren«, sagt Schroeder. Der Vorteil sei, dass die Gefahren radioaktiver Strahlung auf ein Minimum reduziert und Katastrophen wie die in Japan somit vermeidbar wären.

Zusammenfassung

Hubschrauber-Absturz von Irans Präsident Raisi: Was bisher bekannt ist

Der 63-jährige war zusammen mit Irans Außenminister auf der Rückreise von einem Treffen in Aserbaidschan

 19.05.2024

Israel

Proteste gegen Regierungschef Netanjahu

Wütende Demonstrationen gegen den Ministerpräsidenten und für die Rückholung aller Geiseln

 19.05.2024

Antisemitismus

»Bild« kritisiert FU Berlin wegen Beschwerde beim Presserat

»Bild«-Sprecher: Bedauerlich, dass eine Universität Berichterstattung über antisemitische Aktionen unterbinden und sanktionieren möchte

 18.05.2024

Jubiläum

Wehrhaft, aber keineswegs unüberwindbar

Vor 75 Jahren trat das Grundgesetz in Kraft, eine Verfassung, in die viele Elemente der wehrhaften Demokratie eingebaut sind. Doch verteidigt werden muss die Republik letztlich von den Bürgern

von Christoph Driessen  18.05.2024

Internationaler Gerichtshof

»Wie tief ist Südafrika doch gesunken!«

Das Weltgericht verhandelte erneut über einen Antrag Südafrikas gegen Israel - und es hagelte gegenseitige Vorwürfe

von Michael Thaidigsmann  17.05.2024

Berlin

Opferberatung zählt 355 rechte und antisemitische Angriffe

Betroffene rassistischer Gewalt würden häufig nicht als Opfer anerkannt und mit den Folgen der Angriffe alleingelassen

 17.05.2024

Madrid

Spanien will Schiffen mit Waffen für Israel die Hafeneinfahrt verweigen

Außenminister José Manuel Albares: »Das Letzte, was der Nahe Osten derzeit braucht, sind mehr Waffen«

 17.05.2024

Ehrung

Margot Friedländer erhält Mevlüde-Genç-Medaille

Die 102-Jährige wird für ihre besonderen Verdienste im Kampf gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus geehrt

 17.05.2024

Bangkok

FIFA: Keine Abstimmung über Ausschluss Israels

Der Fußball dürfe niemals die Geisel der Politik werden, sagt der Vorsitzende des Fußball-Weltverband Gianni Infantino

 17.05.2024