KZ Buchenwald

»Auch zu heutigem Unrecht nicht schweigen«

Kränze liegen in der Gedenkstätte Buchenwald vor der Gedenkfeier zur Befreiung des einstigen NS-Konzentrationslagers vor 77 Jahren. Foto: picture alliance/dpa

Überschattet vom russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist am Sonntag im ehemaligen NS-Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar an dessen Befreiung am 11. April 1945 erinnert worden. An der Gedenkfeier nahmen auch 16 KZ-Überlebende teil - unter ihnen die 96-jährige Anastasia Gulej aus der Ukraine. Die Überlebende der Lager Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen war nach dem russischen Angriff auf ihre Heimat nach Deutschland geflohen, sie lebt jetzt in Sachsen-Anhalt.

BORIS ROMANTSCHENKO Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, bezeichnete es in seiner Rede als eine »Schande«, dass »ausgerechnet auch Überlebende der Schoa am Ende ihres schweren Lebens jetzt erneut so leiden müssen«. Der Buchenwald-Überlebende Boris Romantschenko war im März bei einem russischen Bombenangriff auf Charkiw getötet worden.

Zum Krieg in der Ukraine sagte Schuster laut Redemanuskript: »Wir werden Zeugen von Kriegsverbrechen und fühlen uns ohnmächtig.« Auch heute »sehen wir wieder auf der Welt – und derzeit nicht weit entfernt von uns – wozu der Mensch fähig ist«. Das Gedenken in Buchenwald sei »mit dem Versprechen verbunden, zu heutigem Unrecht nicht zu schweigen«.

Ohne heutige Gräuel mit den NS-Verbrechen gleichzusetzen, könne man auch von anderen Überlebenden sprechen: »Menschen, die Folter in syrischen Gefängnissen überlebt haben. Menschen, die der Hölle von Mariupol entkommen sind«, erklärte der Zentralratspräsident weiter laut dem Manuskript. »Wir müssen ihnen zuhören! Wir müssen unsere Herzen für sie öffnen!«

MEMORIAL Offizielle Vertreter Russlands und aus Belarus hatte die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora wegen des Kriegs von der Feier ausgeladen. Vertreter der belarussischen Opposition und der in Russland verbotenen Menschenrechtsorganisation »Memorial« nahmen teil.

Ins Lager Buchenwald hatten die Nazis 280 000 Menschen aus ganz Europa verschleppt, rund 56 000 wurden ermordet oder starben an Hunger, Krankheiten und medizinischen Experimenten. Am 11. April 1945 befreiten US-Truppen das Lager. Tausende Häftlinge waren zuvor noch auf sogenannten Todesmärschen ums Leben gekommen. ag/dpa

Lesen Sie mehr in der kommenden Printausgabe der Jüdischen Allgemeinen.

London

Sie »fischten« mit Geld nach Juden: Zwei Männer verurteilt

»Fishing for Jews« mit einer Angel, an der ein Geldschein hängt: Im Stadtteil Stamford Hill, in dem viele Charedim wohnen, werden die Verdächtigen von den Shomrim gestellt und später festgenommen

 13.05.2026

Teheran

Weitere Hinrichtung im Iran nach Spionagevorwürfen

Die iranische Justiz hat in den vergangenen Wochen viele Männer exekutieren lassen. Nun wird wieder ein Todesurteil vollstreckt

 13.05.2026

Bern

Mengele-Akten endlich öffentlich

Der Schweizer Nachrichtendienst blockierte den Zugang zu diesen Unterlagen jahrzehntelang. Nun wird diese Sperre aufgehoben

von Nicole Dreyfus  13.05.2026

New York

Jüdische Gruppen planen Demonstration gegen »New York Times«

Die Organisatoren sprechen von »antizionistischen Verleumdungen«, für die das Blatt verantwortlich sei

 13.05.2026

Washington D.C./New York

Bericht: Iran hat weiterhin erhebliche Raketenkapazitäten

Neue Einschätzungen der US-Geheimdienste zeichnen ein deutlich anderes Bild der militärischen Lage Irans, als es die US-Regierung öffentlich vermittelt

 13.05.2026

Harrisburg

US-Richter verlässt Demokratische Partei wegen Judenhass

David Wecht warnt zudem vor einer zunehmenden Verharmlosung antisemitischer Tendenzen im gesamten linken Spektrum

 13.05.2026

Wien

Jüdische Hochschüler können ESC nicht öffentlich übertragen

Die Studentenorganisation JöH warnt vor einer angespannten Sicherheitslage für Jüdinnen und Juden und plant eine Protest- und Solidaritätsveranstaltung

 13.05.2026

Washington D.C.

Trump droht Iran mit vollständiger Niederlage

Die Vereinigten Staaten würden den Konflikt »friedlich oder eben auf andere Weise« gewinnen, sagt der amerikanische Präsident vor seiner Abreise nach China

 13.05.2026

Barcelona

Flick distanziert sich von Yamals Palästina-Flaggen-Aktion

Jungstar Yamal sorgt meistens auf dem Platz für Aufsehen. Bei der Meisterparty des FC Barcelona setzt er nun auch abseits des Rasens ein Zeichen - ein politisches, das aber nicht allen gefällt

 13.05.2026