Washington

Attentat in Washington: Eines der beiden Opfer war Deutscher

Die beiden Ermordeten Yaron Lischinsky und Sarah Milgrim waren ein Paar. Foto: Israeli Embassy Washington

Washington

Attentat in Washington: Eines der beiden Opfer war Deutscher

Bei dem in der US-Hauptstadt getöteten israelischen Diplomaten handelte es sich Informationen der Jüdischen Allgemeinen zufolge um den Deutsch-Israeli Yaron Lischinsky

von Michael Thaidigsmann  22.05.2025 09:04 Uhr Aktualisiert

Eine der beiden am Mittwochabend in Washington getöteten israelischen Diplomaten war nach Informationen der Jüdischen Allgemeinen auch deutscher Staatsbürger.

Es handelt sich um den 28-jährigen Yaron Lischinsky. Er wuchs in Fürth bei Nürnberg auf und siedelte als 16-Jähriger mit seiner Familie nach Israel über. Nach Aussagen einer Bekannten war er Mitgründer des Jungen Forums (JuFo) der Israelisch-Deutschen Gesellschaft (IDG), der Partnerorganisation der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG). Nach einer Tätigkeit im israelischen Innenministerium kam er 2022 an die diplomatische Vertretung nach Washington.

Dort war Lischinsky als Mitarbeiter für Nahost- und Nordafrika-Angelegenheiten in der politischen Abteilung der israelischen Botschaft in Washington tätig. Zu seinen Aufgaben gehörte es auch, Kontakte zu anderen diplomatischen Vertretungen und Nichtregierungsorganisationen zu knüpfen und Delegationsbesuche verschiedener israelischer Ministerien in der US-Hauptstadt zu organisieren.

Lesen Sie auch

Er sei fest von der Vision der Abraham-Abkommen überzeugt, betonte Lischinsky in einem Text auf seiner LinkedIn-Seite. Er glaube, dass die Ausweitung der Friedensabkommen mit Israels arabischen Nachbarn und die Förderung der regionalen Zusammenarbeit im Interesse des Staates Israel und des gesamten Nahen Ostens sei. Er setze sich auch für den interreligiösen Dialog ein, schrieb er weiter, und verfolge aufmerksam die politischen Entwicklungen in den USA, Europa und Asien.

Die Münchnerin Antonia Pfeifer, die Yaron Lischinsky aus gemeinsamer Zeit beim JuFo kannte, beschrieb ihn im Gespräch mit dieser Zeitung so: »Er war sehr engagiert, hat viele Events mit jungen Israelis und Deutschen organisiert und sich für den Austausch sehr eingesetzt. Als er 2022 nach Washington ging, um seine Stelle bei der israelischen Botschaft anzutreten, hat er das als Riesenehre beschrieben und sich wirklich sehr gefreut.« Sie nannte den Getöteten einen »herzlichen und lieben Menschen«.

Angaben des israelischen Botschafters in Washington zufolge wollte Lischinsky seiner Freundin Sarah Milrim, die bei dem Anschlag ebenfalls getötet wurde, kommende Woche einen Heiratsantrag machen. »Der junge Mann hatte einen Ring gekauft und wollte nächste Woche in Jerusalem um ihre Hand anhalten. Sie waren ein reizendes Paar«, sagte Yechiel Leiter. Er habe mit US-Präsident Donald Trump gesprochen. » der mir versichert hat, dass seine Regierung alles in ihrer Macht Stehende tun wird, um Antisemitismus und die Delegitimierung Israels zu bekämpfen.«

Sarah Milrim war Amerikanerin und arbeitete in der Abteilung für öffentliche Diplomatie. »Meine Leidenschaft liegt an der Schnittstelle von Friedensförderung, religiösem Engagement und Umweltarbeit«, schrieb sie auf ihrer LinkedIn-Seite.

Die beiden Ermordeten waren auch privat ein Paar und wollten sich verlobenFoto: Israeli Embassy Washington

»Während meiner Arbeit bei Tech2Peace in Tel Aviv, Israel, habe ich umfassende Forschungen zur Friedensförderungstheorie durchgeführt, wobei ich den Schwerpunkt auf Basisinitiativen in der israelisch-palästinensischen Region legte. Meine vielfältigen Erfahrungen, darunter die Moderation aufschlussreicher Diskussionen über Geopolitik in Israel und Palästina als jüdische Pädagogin und die Erforschung einer Reihe von Umweltthemen in Indien und Mittelamerika, spiegeln mein Engagement für die Förderung des Verständnisses zwischen verschiedenen Völkern wider«, so Milrim weiter.

Milgrim schloss 2021 ihr Studium an der University of Kansas ab und erwarb zwei Master-Abschlüsse, in internationalen Angelegenheiten an der American University und an der University for Peace der Vereinten Nationen, bevor sie 2023 eine Stelle in der Abteilung für öffentliche Diplomatie der Botschaft antrat, wie ihrem LinkedIn-Profil zu entnehmen ist.

»Meine Leidenschaft liegt an der Schnittstelle von Friedenskonsolidierung, religiösem Engagement und Umweltarbeit«, schrieb sie auf LinkedIn und wies darauf hin, dass sie im Auftrag einer gemeinnützigen Organisation, Tech2Peace, die Palästinenser und Israelis für die Zusammenarbeit im Technologiesektor ausbildet, Forschungen durchgeführt hat.

Milgrim wuchs in einem Vorort von Kansas City auf, und ihre Familie war der Reformsynagoge verbunden. Sie war noch ein Teenager, als ein weißer Rassist drei Menschen in jüdischen Einrichtungen ihrer Stadt erschoss, schreibt »JTA«. In ihrem letzten Highschool-Jahr habe sie sich gegen Antisemitismus engagiert, nachdem in ihrer Schule Hakenkreuz-Schmierereien aufgetaucht waren. »Ich mache mir Sorgen, wenn ich in meine Synagoge gehe. Und jetzt muss ich mir Sorgen um die Sicherheit an meiner Schule machen. Das sollte so nicht sein«, zitiert »JTA« aus einem damaligen Interview Milgrims mit einem Lokalsender.

»Worte können nicht ansatzweise den Kummer und die Trauer beschreiben. Gerade heute Morgen haben wir noch gemeinsam beim Kaffee gelacht - und jetzt bleibt nur noch ein Bild«, twitterte Milgrims und Lischinskys Vorgesetzte, Botschaftssprecherin Tal Naim. »Anstatt euch zum Traualtar zu begleiten, gehen wir mit euch zu euren Gräbern. Was für ein unerträglicher Verlust.«

Das junge Paar hatte gerade eine Veranstaltung des American Jewish Committee (AJC) im Jüdischen Museum in Washington verlassen, als Elias Rodriguez das Feuer auf sie eröffnete. Nach den Schüssen habe der Täter das Museum betreten, wo er von privaten Sicherheitskräften festgenommen worden sei, heißt es. Er habe bei seiner Festnahme »Free, free Palestine« skandiert. Bei Rodriguez handelt es sich Polizeiangaben zufolge um einen 30-jährigen Aktivisten aus Chicago.

Berlin

Jüdische Kulturtage müssen Hauptausstellung absagen

Wegen einer Finanzierungslücke fällt die Ausstellung aus. Die Jüdische Gemeinde kritisiert die Förderentscheidung des Senats

 12.10.2026

Mitglieder der JSUD vor dem Eingang zum Synagogenhof der Jüdischen Gemeinde Halle

Sachsen-Anhalt

So instrumentalisiert die AfD den Eklat von Halle

AfD-Rechtsaußen Hans-Thomas Tillschneider geriert sich als Opfer »fanatisierter Studenten«. Eine Einordnung

von André Anchuelo  12.10.2026

Hintergrund

Katharina von Schnurbein wird neue Antisemitismusbeauftragte

Die EU-Antisemitismusbeauftragte wechselt von Brüssel nach Berlin und folgt auf Felix Klein. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  12.10.2026

Berlin

Merz fordert SPD und Grüne auf, nicht mit Linken zu koalieren

Gibt es in Berlin eine rot-rot-grüne Koalition? Der Kanzler appelliert an SPD und Grüne

 12.10.2026

Kommentar

Vereint unter dem Dach eines Rechtsextremen

Der Verleger Jürgen Elsässer hat die Fraktionen von AfD und BSW für ein Kennenlernen in sein Magdeburger TV-Studio eingeladen. Dabei soll es auch um eine strategische Zusammenarbeit gegangen sein

von Ralf Fischer  12.10.2026

Berlin

120 Linke kritisieren Antisemitismus-Papier

Linke, Grüne und SPD haben sich vor dem Beginn von Sondierungsgesprächen zum Vorgehen gegen Antisemitismus verständigt. Daran gibt es aus der Linke nun deutliche Kritik

 12.10.2026

Kommentar

Die Linke hat ihren eigenen Antisemitismus nicht verstanden

Nein, wir sind natürlich keine Antisemiten, schallt es aus der Linken, wir kritisieren nur die israelische Regierung! Diese Formel wird immer wieder als Rechtfertigung herausgeholt

von Frank Schmiechen  12.10.2026

Washington D.C.

21 US-Soldaten im Iran-Krieg gestorben

Die meisten US-Amerikaner sind nicht vom Krieg im Iran überzeugt. Eine Anpassung der Todeszahlen könnte den Unmut noch vergrößern

 12.10.2026

Kommentar

Mit schwerem Koffer zurück aus Berlin

Wie ein deutscher Holocaust-Überlebender auf die sich abzeichnende Koalition von SPD und Grünen mit Antisemiten, Terror-Relativierern und anderen Genozid-Schreiern blickt

von Roman Haller  11.10.2026