Sachsen

Antisemitische Taten besser erkennen

Polizeistreife vor der Neuen Synagoge im sächsischen Chemnitz Foto: imago images/STAR-MEDIA

157 antisemitische Straftaten wurden im Freistaat Sachsen im vergangenen Jahr erfasst. Die meisten davon seien sogenannte Propagandadelikte gewesen, sagte der Leiter der Abteilung Staatschutz im Landeskriminalamt (LKA), Dirk Münster, bei einer Online-Pressekonferenz am Mittwoch.

DUNKELFELD Die Strafverfolgungsbehörden wollen aber noch besser werden und Taten mit judenfeindlichem Hintergrund noch besser erkennen. »Wir bekommen immer wieder Beschwerden, oder lesen in den Medien, dass bei Straftaten der antisemitische Hintergrund bei den Ermittlungen nicht erkannt oder nicht ausreichend gewürdigt wurde«, sagte Dresdens Generalstaatsanwalt Hans Strobl. Zudem gebe es ein großes Dunkelfeld. Außerdem würden judenfeindliche Vorkommnisse oft von den Betroffenen gar nicht zur Anzeige gebracht, weil sie Angst vor negativen Konsequenzen hätten.

Strobl hat bereits im eigenen Haus einen Antisemitismusbeauftragten installiert, der intern für das Thema sensibilisieren soll, und des weiteren einen regelmäßigen Austausch mit dem Landesverband Sachsen der jüdischen Gemeinden initiiert.

Ein weiteres Ergebnis dieser Kooperation ist nun auch ein neuer Handlungsleitfaden für die Polizei, den die Generalstaatsanwaltschaft und das LKA gemeinsam mit den jüdischen Gemeinden vor Ort erarbeitet haben. Dieser soll es künftig vor allem Polizisten erleichtern, antisemitisch motivierte Taten zu erkennen und so ihre konsequente strafrechtliche Ahndung zu ermöglichen.

FAKTOREN In der Pressekonferenz skizzierte Generalstaatsanwalt Strobl die Eckpunkte des Papiers, das seinen Worten zufolge nur für den Dienstgebrauch vorgesehen ist und nicht veröffentlicht werden soll. »Wir wollen, dass die Polizeibeamten, die zuerst am Tatort sind, wissen, auf welche Indikatoren es ankommt bei einer möglichen antisemitischen Tat«, betonte Strobl. Der Leitfaden solle zudem »Signalwirkung haben für Jüdinnen und Juden, die Opfer von Straftaten werden«.

Wenn Antisemitismus als Motiv »nicht absolut ausgeschlossen werden kann«, so Strobl weiter, müsse dieser mögliche Zusammenhang in die Ermittlungsakten aufgenommen und von der Staatsanwaltschaft näher geprüft werden. Auch Faktoren wie die Identität von Opfer und Täter, der Ort der Tat oder ein möglicher Zusammenhang einer Tat zu einem jüdischen Feiertag müssten von der Polizei erkannt und in Betracht gezogen werden.

Wenn ein antisemitischer Bezug gegeben sei, leite die Staatsanwaltschaft das Verfahren fast immer an das Gericht zur Entscheidung weiter und stelle es nicht wegen Geringfügigkeit ein, sagte der Chef der Dresdner Generalstaatsanwaltschaft.

LOB Sachsens Antisemitismusbeauftragter Thomas Feist und die Vorsitzende des Landesverbands Sachsen der jüdischen Gemeinden, Nora Goldenbogen, betonten unisono, dass der Leitfaden in enger Zusammenarbeit zwischen den staatlichen Stellen und den Betroffenen in den Gemeinden ausgearbeitet worden sei. »Es war das erste Mal, dass eine Behörde präventiv auf uns zuging und uns fragte, was wir gemeinsam tun könnten«, so Goldenbogen. Sie sprach von einem »ermutigenden Schritt«. Das Wissen zum Antisemitismus müsse man sich oft erst aneignen.

Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, war voll des Lobes. »Dieser Leitfaden sucht in Deutschland seinesgleichen«, sagte Schuster bei der Pressekonferenz. Er empfahl den anderen Bundesländern, das Papier zu übernehmen. »Auch wenn es immer mal wieder Hinweise gab, dass die Justiz auf dem rechten Auge eine Sehschwäche hat, sehe ich in diesem Leitfaden die Brille, die diese Schwäche zum Teil oder vielleicht auch ganz auszumerzen vermag«, meinte Schuster.

Beirut

Unruhe im Libanon: Protest gegen Gespräche mit Israel

Die libanesische Regierung hat seit langem Gespräche mit Israel gefordert. Nun soll es bald so weit sein. Anhänger der Terrormiliz Hisbollah gehen dagegen auf die Straße

 11.04.2026

Pakistan

USA und Iran verhandeln in Islamabad

Die Delegationen aus den USA und dem Iran sind mit langen Wunschlisten in die pakistanische Hauptstadt gekommen. Die Gespräche über ein dauerhaftes Ende des Iran-Kriegs versprechen, schwierig zu werden

 11.04.2026

Armin Laschet im Deutschlandfunk

»Jetzt kommt wieder Ihre Israelphobie«

Im Interview wies der CDU-Politiker mit harschen Worten DLF-Moderator Thielko Grieß zurecht, welcher zuvor Israel scharf kritisiert hatte

von Michael Thaidigsmann  10.04.2026

Washington

Warum jetzt? Melania Trumps rätselhafter Epstein-Auftritt

Melania Trump tritt kaum allein vor die Presse. Doch jetzt spricht sie über ein Thema, das ihr Ehemann so gern umschiffen wollte: den Epstein-Skandal

 10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 10.04.2026

Kiew

Selenskyj: Haben Drohnen über Golfstaaten zerstört

Vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs hat die Ukraine Drohnenexperten in die Region geschickt. Dort hat Kiew laut Präsident Selenskyj seine Erfahrung in der Abwehr iranischer Drohnen demonstriert

 10.04.2026

Video

Aufruf zur Solidarität nach Angriff auf Restaurant

Nach dem Anschlag auf das israelische Restaurant »Eclipse« ist ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Münchens vor Ort und appelliert an die Gesellschaft

von Jan Feldmann  10.04.2026

Halle

Fall Liebich: Tschechische Polizei will Auslieferungsantrag

In Deutschland und später auch europaweit war seit August 2025 nach der verurteilten Rechtsextremistin gesucht worden. Nun wurde sie in Tschechien gefasst. Wie es jetzt weitergehen soll

 10.04.2026