Berlin

Antisemitische Beschimpfung vor Synagoge

Die Neue Synagoge an der Oranienburger Straße Foto: dpa

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Antisemitische Beschimpfung vor Synagoge

Der Staatsschutz hat Ermittlungen wegen Volksverhetzung aufgenommen

 27.09.2019 15:39 Uhr

Vor der Neuen Synagoge in Berlin-Mitte hat ein unbekannter Radfahrer nach Polizeiangaben am Donnerstagnachmittag laut antisemitische Beschimpfungen gerufen.

Der Mann sei vor der Synagoge in der Oranienburger Straße mit dem Fahrrad im Kreis gefahren, habe zwei Mal laut geschrien und sich dann unerkannt entfernt, teilte die Polizei am Freitag mit. Der Staatsschutz hat Ermittlungen wegen Volksverhetzung aufgenommen.

ATTACKEN In Berlin kommt es immer wieder zu judenfeindlichen Zwischenfällen und Angriffen. Ende Juli war in Berlin der Berliner Gemeinderabbiner Yehuda Teichtal Opfer einer antisemitischen Attacke geworden. Zwei Männer beschimpften Teichtal auf Arabisch und bespuckten den Rabbiner, der in Begleitung eines seiner Kinder war und zuvor einen Gottesdienst im Bezirk Wilmersdorf geleitet hatte.

Im Jahr 2018 verzeichnete die Berliner Polizei deutlich mehr antisemitische Straftaten als in den Vorjahren.

Wenig später, Mitte August, wurde ein jüdischer Mann in Berlin-Charlottenburg von zwei Unbekannten attackiert. Die Polizei geht nach wie vor von einem antisemitischen Hintergrund aus. Der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz ermittelt wegen Hasskriminalität.

RIAS »Wir stellen seit einigen Jahren fest, dass Personen, die öffentlich als Juden wahrnehmbar sind, einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, angefeindet zu werden«, sagt Alexander Rasumny, Projektmitarbeiter des Bundesverbandes der Recherche‐ und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS). Dort können Betroffene und Zeugen antisemitisch motivierte Übergriffe melden – auch unterhalb der Schwelle von Straftaten. Die jüngste Reihe mit Vorfällen gegen die Rabbiner bestätige die genannte Entwicklung, betont Rasumny.

Allein in der Bundeshauptstadt seien bei RIAS‐Berlin in diesem Jahr bisher mehr als 300 antisemitische Vorfälle gemeldet worden, davon über zehn Angriffe. Die Dunkelziffer ist ungleich höher. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr wurden RIAS für Berlin 46 Angriffe und 1083 antisemitische Vorfälle gemeldet, wie Rasumny erläutert.

Im Jahr 2018 verzeichnete die Polizei in Berlin deutlich mehr antisemitische Straftaten als in den Vorjahren. Die Zahl der Gewalttaten gegen Juden stieg um 60 Prozent. Bundesweit registrierte die Polizei 1646 Straftaten. Das sind knapp zehn Prozent mehr, als die Bundesregierung für 2017 gemeldet hatte, damals waren es 1504. Insgesamt stellte die Polizei im vergangenen Jahr 62 Gewaltdelikte fest, im Jahr zuvor waren es 37. epd/dpa/ja

Shelly Meyer

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