Wehrhahn-Prozess

Angeklagter aus Untersuchungshaft entlassen

Düsseldorf-Wehrhahn: Bei dem Anschlag im Juli 2000 wurden zehn jüdische Sprachschüler durch eine Rohrbombe schwer verletzt. Foto: ullstein bild - AP

Der wegen des Anschlags auf den S-Bahnhof Düsseldorf-Wehrhahn vor Gericht stehende Angeklagte kommt auf freien Fuß. Wie das Landgericht Düsseldorf am Donnerstag mitteilte, wird der Haftbefehl gegen den Mann aufgehoben und seine Entlassung aus der Untersuchungshaft angeordnet.

Die 1. große Strafkammer des Landgerichts sieht nach 25 Prozesstagen sowie der Anhörung von 60 Zeugen und drei Sachverständigen keinen dringenden Tatverdacht mehr. Die Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft sei damit nicht mehr »erforderlich«.

Bombenanschlag
Maßgebend für den entsprechenden Beschluss (AZ.: 1 Ks 17/17) des Gerichtes war vor allem, dass sich die Angaben mehrerer Zeugen, denen der Angeklagte den Bombenanschlag angekündigt oder gestanden haben soll, als »nicht hinreichend belastbar« erwiesen hätten. Gegen die Entscheidung kann die Staatsanwaltschaft Düsseldorf Beschwerde beim dortigen Oberlandesgericht einlegen. Der zuständige Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück erklärte, man prüfe derzeit eine Beschwerde.

Der Angeklagte hatte seit Ende Januar 2017 in Untersuchungshaft gesessen, zum Auftakt des Prozesses Ende Januar dieses Jahres hatte er die Vorwürfe bestritten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann versuchten Mord in zwölf Fällen und die Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion aus rechtsextremen Motiven vor. Am 27. Juli 2000 war eine mit TNT gefüllte Rohrbombe am S-Bahnhof Wehrhahn explodiert.

Dabei wurden zehn Menschen, überwiegend jüdische Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion, die Schüler einer nahe gelegenen Sprachschule waren, zum Teil schwer verletzt. Ein ungeborenes Baby wurde im Mutterleib getötet.

neonazi-szene Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte die Tat aus rechtsextremen Motiven beging. Der ehemalige Bundeswehrsoldat war schon kurz nach dem Anschlag ins Visier der Fahnder geraten. Zum Tatzeitpunkt hatte der Mann der Neonazi-Szene angehört und im Stadtteil Flingern einen Militaria-Laden betrieben. Doch der Verdacht ließ sich damals nicht erhärten, Beweise blieben aus.

Erst Anfang 2017 wurde der Mann festgenommen, nachdem er zuvor während des Absitzens einer Gefängnisstrafe mit der Tat geprahlt haben soll. Ein Mithäftling informierte die Polizei, woraufhin der Fall 2014 neu aufgerollt worden war. epd

www.lg-duesseldorf.nrw.de/behoerde/presse/pressemitteilungen_2018/08-18.pdf

Untersuchung

ADL: Manipulierte Wikipedia-Einträge über Israel immer noch nicht korrigiert

Die Anti-Defamation League wirft den Betreibern der Online-Enzyklopädie vor, zu wenig gegen die Manipulation von Einträgen zu unternehmen, die sich mit Themen wie dem Nahostkonflikt und dem 7. Oktober befassen

 15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

Berlin

Trotz vieler Hürden: Berliner Parteien sondieren weiter

»Kommunikationsdesaster« oder heilsamer Weckruf? Nach dem Streit um das Vorgehen gegen Antisemitismus sprechen Linke, Grüne und SPD weiter über eine Regierung. Aber es bleibt schwierig

von Andreas Heimann, Torsten Holtz  15.10.2026

Mitglieder der JSUD vor dem Eingang zum Synagogenhof der Jüdischen Gemeinde Halle

Nach Eklat von Halle

Polizei ermittelt gegen jüdische Studenten

Aktivisten der Jüdischen Studierenden Union hatten sich dem rechtsextremen AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider in den Weg gestellt, als dieser an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des rechtsextremen Anschlags teilnehmen wollte. Das hat ein juristisches Nachspiel

 15.10.2026

Rechtsterrorismus

Zwickau gedenkt NSU-Opfern

Der »Nationalsozialistische Untergrund« ermordete zehn Menschen aus rassistischen und rechtsextremistischen Motiven. Zuletzt lebte die Terrorzelle in Zwickau. Die Stadt gedenkt der Terroropfer

 15.10.2026

Hamburg

Attentate auf Josef Schuster und Volker Beck geplant: Iranische Spione müssen ins Gefängnis

Zwei Männer haben im Auftrag Teherans jüdische und proisraelische Ziele in Deutschland für Anschläge ausgespäht. Das Oberlandesgericht hat sie deshalb nun zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

von Nils Kottmann  15.10.2026 Aktualisiert

Golf von Oman

US-Militär: Schiff mit Iran-Verbindungen zerstört

Immer wieder greifen der Iran und die USA gegenseitig Handelsschiffe und Tanker an. Was ist nun passiert?

 15.10.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD verhandeln wieder

Das von den Sondierern beschlossene Antisemitismus-Papier soll auch in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden

 15.10.2026

Debatte um Erklärung

Hickhack bei Rot-Grün-Rot: Das steht in den Antisemitismus-Papieren

Die Berliner Regierungsbildung stockt, nachdem die Linke im Abgeordnetenhaus ein eigenes Papier zum Kampf gegen Antisemitismus gebilligt hat. Wo sich die zwei Erklärungen unterscheiden

 14.10.2026