Gaza

Angeblicher Beschuss von Zivilisten: Israel weist Vorwürfe der Hamas zurück

Gazaner tragen am Dienstag Säcke mit Hilfsgütern, die sie an einer Verteilungsstelle der amerikanisch-israelischen Organisation GHF erhielten. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Am Sonntag veröffentlichte die »Washington Post« eine Erklärung: »Wir haben den nachstehenden Beitrag gelöscht, da er und frühere Versionen des Artikels nicht den Fairness-Standards (...) entsprachen.« Viele weitere Publikationen – inklusive der britischen BBC – mussten ebenfalls zurückrudern, nachdem sie eine Falschangabe der Hamas verbreitet hatten.

Die palästinensische Terrororganisation hatte am Sonntag erklärt, israelische Soldaten hätten »mehr als 30 Menschen« in der Nähe einer Hilfseinrichtung in Gaza getötet. Das israelische Dementi fehlte in vielen Berichten ebenso wie der Zusatz, dass die Beschuldigung Israels aus dem Gesundheitsministerium der Hamas in Gaza kam. Dort wird mit der Wahrheit nicht gewissenhaft umgegangen, wie seit Beginn des Krieges am 7. Oktober 2023 immer wieder klar wurde.

Am Sonntag äußerten sich zunächst die israelischen Streitkräfte (IDF) zu den von vielen Medien verbreiteten Hamas-Angaben: »In den letzten Stunden wurden Falschmeldungen verbreitet, darunter auch schwerwiegende Anschuldigungen gegen die IDF bezüglich des angeblichen Beschusses von Bewohnern des Gazastreifens in der Nähe einer Verteilungsstelle für humanitäre Hilfe in Gaza.«

Vorsichtiger Umgang

»Die Ergebnisse einer ersten Untersuchung zeigen, dass die IDF in der Nähe oder neben der Verteilungsstelle der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) nicht auf Zivilisten geschossen haben und dass die Berichte falsch sind«, hieß es.

»Die IDF arbeiten mit der GHF und internationalen Hilfsorganisationen zusammen, um die Verteilung von Hilfsgütern an die Bewohner des Gazastreifens zu ermöglichen - an der Hamas vorbei«, so die Armee. Die Terrororganisation hatte bislang große Teile der Hilfsgüter gestohlen, um sie zu horten und teuer an die hilfebedürftigen Bewohner zu verkaufen. Deshalb ändert Israel die Verteilungsstrategie. Die Gazaner erhalten nun an mehreren Verteilungszentren in Gaza Nahrungsmittel direkt.

Erneut appellierten die IDF an die Medien, »mit Informationen, die von der Terrororganisation Hamas veröffentlicht werden, vorsichtig umzugehen«. Viele frühere Vorfälle hätten bereits gezeigt, dass dies sinnvoll sei.

Bedrohung identifiziert

Am Dienstag beschuldigte die Hamas Israels Streitkräfte erneut, Zivilisten an einer Verteilungsstelle getötet zu haben. Den Angaben der Terroristen zufolge kamen bei dem angeblichen Vorfall in Rafah 29 Menschen um. Auch dieser Beschuldigung widersprachen die IDF. Brigadegeneral Effie Defrin sagte, eine Untersuchung laufe jedoch.

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Ebenfalls am Dienstag äußerte sich der israelische Regierungssprecher David Mencer zu einem angeblich tödlichen Vorfall im Norden: »Heute früh, als große Menschenmengen auf einem für sie vorgesehenen Weg in Richtung eines Verteilungszentrums in Nord-Gaza liefen, identifizierten IDF-Soldaten mehrere Personen, die vom Weg abwichen.«

Einen halben Kilometer vor der Verteilungsstelle hätten Soldaten Warnschüsse abgefeuert. »Als einige der Verdächtigen trotz der Warnschüsse weiterhin auf die Soldaten zuliefen und die Soldaten dadurch bedrohten, feuerten Armeeangehörige in ihre Nähe«, erklärte Mencer.

»Falsch und haltlos«

Er stellte klar: »Die IDF tun alles in ihrer Macht Stehende, um Gazanern zu erlauben, an humanitäre Hilfe heranzukommen. Die IDF versuchen nicht, Bewohner daran zu hindern, diese Verteilzentren aufzusuchen. Wir ermutigen die Leute sogar, dort hinzugehen.«

Die Warnschüsse seien vom Hilfezentrum weg abgegeben worden, als Reaktion einer von Soldaten erkannten Bedrohung. »Die IDF hat in oder in der Nähe der Hilfe-Verteilzonen nicht auf Zivilisten gefeuert.«

Auch David Mencer sagte, »ernste Vorwürfe« an die IDF vom Sonntag, die von »so vielen Medien« wiedergegeben worden seien, basierten auf Hamas-Propaganda. Die Armee habe Material verteilt, mit dem belegt werde, dass die Vorhaltungen »falsch und haltlos« seien.

Keine Belege

In Washington D.C. erklärte Karoline Leavitt, die Sprecherin des Weißen Hauses, die Administration sei dabei, den Wahrheitsgehalt von Berichten über den angeblichen Beschuss von Zivilisten durch die IDF zu prüfen. »Im Gegensatz zu einigen Medien sehen wir Erklärungen der Hamas nicht als die totale Wahrheit an«, sagte sie.

Leavitt hielt im Presseraum des Weißen Hauses einen Ausdruck eines Online-Artikels der BBC mit der Schlagzeile »Israelischer Panzer tötet 26 Menschen« hoch. Dieser Beitrag sei später entfernt worden – mit einem Hinweis der BBC, wonach Belege für den Inhalt des Berichts nicht hätten gefunden werden können.

Am heutigen Tag sind die Verteilungszentren der GHF geschlossen. Der Grund: Die Einrichtungen sollen für den erwarteten großen Ansturm hilfebedürftiger Gazaner besser ausgerüstet werden.

Washington D.C.

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