Meinung

Am rechten Ufer der Seine

Im Jahr 2012 stimmt Frankreich darüber ab, wer Präsident werden soll. Die aktuellen Regionalwahlen lassen jedoch nichts Gutes erahnen: Die Rechtsradikalen, 2007 von Nicolas Sarkozy für tot erklärt, sind auf dem Vormarsch. Jean-Marie Le Pen, Chef der Front National (FN), hat in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur spektakuläre 20,3 Prozent eingefahren. In mehr als der Hälfte der Wahlkreise sprang die Partei über die Zehnprozenthürde. Auf die Frage nach dem Warum gibt es keine einfache Antwort. Klar ist aber: Sarkozys Partei UMP hat sich mit der Diskussion um nationale Identität, Immigration und »Islamisierung« selbst ein Bein gestellt. Diese Themen locken vor allem Sympathisanten der FN in die Wahllokale. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise haben es Rechtsextreme leicht, Einwanderer und Muslime zu Sündenböcken der Nation zu machen. Mit seinen schwachen 26 Prozent hat Sarkozy jetzt den Beweis, dass er von derartigen Kampagnen lieber die Finger lassen sollte. Es sei denn, er will Le Pen noch stärker machen.

Die Autorin ist Frankreich-Korrespondentin der Jüdischen Allgemeinen.

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