Redezeit

»Alle Optionen liegen auf den Tisch«

Ehud Olmert Foto: Flash 90

Redezeit

»Alle Optionen liegen auf den Tisch«

Ehud Olmert, ehemaliger Ministerpräsident Israels, über Irans Atomprogramm, die Wirksamkeit von Sanktionen und eine militärische Lösung als Ultima Ratio

von Philipp Peyman Engel  28.11.2011 11:39 Uhr

Herr Olmert, die USA, Großbritannien und Kanada haben die Sanktionen gegen den Iran dieser Tage erneut verschärft, um Teheran zu bewegen, sein Atomprogramm offenzulegen. Wie realistisch ist es, dass härtere Sanktionen das Programm noch stoppen können?
Meiner Einschätzung nach stehen die Chancen dafür besser denn je. Spätestens seit der Veröffentlichung des IAEA-Berichts Anfang des Monats ist nun jedem klar, dass die iranische Regierung im Geheimen am Bau von Atomwaffen arbeitet. Das wird die internationale Gemeinschaft unter keinen Umständen zulassen. Einen atomar bewaffneten Iran wird es nicht geben.

Was macht Sie so sicher?
Der Iran ist stark, die Weltgemeinschaft aber ist noch stärker. Die Vereinigten Staaten, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Australien, Kanada und auch China oder Russland – in jedem dieser Staaten gibt es den politischen Willen, Irans Atomprogramm zu stoppen. Wir sind uns mehr denn je darin einig, dass ein Iran mit Atomwaffen äußerst gefährlich wäre – für Israel, den gesamten Nahen Osten, und auch für den Westen. Wenn die Sanktionen hart genug sind, und das werden sie sein, wird es kein iranisches Atomprogramm geben.

Sollte der Iran trotz härtester politischer Maßnahmen dennoch Atommacht werden, was würde das für Israel konkret bedeuten?
Gott behüte, für Israel wäre das – mehr noch als für jeden anderen Staat dieser Welt – eine Katastrophe. Wenn eine Regierung wie die in Teheran auf der einen Seite Atomwaffen anstrebt und auf der anderen Seite immer wieder Israels Auslöschung fordert, muss der jüdische Staat, aber auch die internationale Gemeinschaft entschieden handeln. Und aus meiner Erfahrung als ehemaliger Premierminister Israels versichere ich Ihnen, dass es effektive Wege gibt, Ahmadinedschad und Chamenei zu stoppen.

Seit der Veröffentlichung des IAEA-Berichts sprechen führende israelische Politiker ungewohnt offen über einen Präventivschlag gegen iranische Atomanlagen. Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?
Zunächst einmal ist es legitim, dass Israel alles dafür tut, den Iran zu stoppen. Zu diesem Zeitpunkt wären, wie gesagt, nicht-militärische Wege durchaus noch wirksam – vorausgesetzt, die Völkergemeinschaft handelt entschlossen genug. In jedem Fall kann Teheran sich gewiss sein, dass wir und auch die Völkergemeinschaft nicht untätig sein werden. Es liegen nach wie vor alle Optionen auf dem Tisch. Man wird sehen, welche davon Israel ergreifen muss. Klar ist, dass eine militärische Konfrontation immer nur Ultima Ratio sein kann, wenn alle anderen Strategien nicht mehr greifen.

Wie würde die iranische Regierung Ihrer Ansicht nach auf einen Präventivschlag Israels reagieren?
Nun, ich bin zuversichtlich, dass Irans Atomprogramm ohne militärische Intervention gestoppt werden kann. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Israel in der Lage ist, die Bemühungen des brutalen, verbrecherischen Regimes immer wieder entscheidend zu behindern.

Das Gespräch führte Philipp Engel.


Ehud Olmert wurde am 30. September 1945 geboren. Er studierte an der Hebräischen Universität von Jerusalem Philosophie, Psychologie und Jura, anschließend praktizierte er als Anwalt in einer Kanzlei in Jerusalem. Seine politische Karriere begann er im Alter von 28 Jahren und wurde als Parlamentsabgeordneter sieben Mal nacheinander wiedergewählt. Spätestens seit seiner Wahl zum Bürgermeister von Jerusalem im Jahr 1993 wurde Olmert auch über die Grenzen Israels hinaus bekannt. Seine Amtszeit als Bürgermeister endete im Jahr 2003. Im selben Jahr wurde er stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Handel, Industrie und Arbeit. 2005 wurde er Vorsitzender der neu gegründeten Kadima-Partei sowie Finanzminister im Kabinett von Premierminister Ariel Scharon. Nach der plötzlichen Erkrankung Scharons wurde er 2006 zum 12. Ministerpräsidenten des Staates Israel gewählt. Von diesem Amt trat er im Jahr 2009 zurück. Seitdem ist er in der privaten Wirtschaft tätig und verfolgt die aktuelle Situation im Nahen Osten, zu der er sich regelmäßig äußert.

Sachsen-Anhalt

BSW sucht Nähe zur AfD

Bei der Wahl des Regierungschefs in Sachsen-Anhalt könnte das BSW das Zünglein an der Waage werden. Von einer Brandmauer zur AfD will dessen Spitzenkandidat nichts wissen

 06.09.2026

Sachsen-Anhalt

AfD: Und plötzlich spricht Ulrich Siegmund von möglichen Neuwahlen ...

 06.09.2026

Berlin

Wie gefährlich wird der AfD-Wahlsieg für Friedrich Merz?

Die CDU halbiert ihr Ergebnis, die AfD verdoppelt ihres - und könnte erstmals in einem Bundesland an die Macht kommen. Kanzler Merz stehen schwierige Wochen bevor

von Theresa Münch  06.09.2026

Magdeburg

AfD-Parteichef: Wir sind zu Kompromissen bereit

Man biete allen Parteien Gespräche an - Zugeständnisse seien nicht ausgeschlossen

 06.09.2026

Washington

Trump postet Hochrechnung zur Sachsen-Anhalt-Wahl

Auch der US-Präsident hat Kenntnis bekommen vom AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt. Gesagt hat er aber noch nichts dazu

 06.09.2026

Landtagswahl

AfD strebt nach Wahl-Triumph an die Macht in Sachsen-Anhalt

Die AfD will in Sachsen-Anhalt regieren. Sollte es dazu kommen, wäre das historisch. Für eine Alleinregierung der als rechtsextremistisch eingestuften Partei reicht es laut Hochrechnungen nicht

 06.09.2026

Landtagswahl

Charlotte Knobloch: »Das macht mir Angst«

Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt schickt Charlotte Knoblauch einen Appell an Demokraten. Denn was nun passiert ist, hätte sie sich in ihren »schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können«

 06.09.2026 Aktualisiert

Landtagswahl Sachsen-Anhalt

Schulze: »Habe nicht vor, mit AfD zusammenzuarbeiten«

Hält die CDU in Sachsen-Anhalt an der »Brandmauer« im Umgang mit der AfD fest? Spitzenkandidat Schulze vermeidet nach der Wahlniederlage eine klare Antwort

 06.09.2026

Landtagswahl Sachsen-Anhalt

Analyse: AfD punktet mit Unzufriedenheit und Polarisierung

Der AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war seit langem erwartet worden. Nun ist er da. Doch was sind die Gründe dafür? Eine Analyse der Forschungsgruppe Wahlen gibt Aufklärung

 06.09.2026