Meinung

Afghanistan und der tödliche Offenbarungseid

»Oh Gott, schütze mich vor dem Gift der Kobra, den Zähnen des Tigers und der Rache der Afghanen.« Dieses Zitat wird Alexander dem Großen zugeschrieben und spiegelt die Lehren seines Feldzugs in Baktria, dem heutigen Afghanistan, vor 2350 Jahren wider. 1919 war es die Lektion für das British Empire, als es aus dem Land vertrieben wurde. 1989 bekam es die Sowjetunion zu spüren.

Heute, nach 20 Jahren Krieg mit geschätzten 130.000 Todesopfern, ist es die Lektion für den gesamten Westen: Die Taliban übernehmen widerstandslos die Macht. Der Westen flieht in Panik und spricht von »Überraschung«, »Schock« und »Demütigung«. Ich nenne es einen K.-o.-Schlag gegen das Ego und die globalpolitische Zurechnungsfähigkeit des Westens.

todesurteil Was nun droht: Wir stehen hilflos vor dem Todesurteil für all jene Afghanen, die hofften und vertrauten: als Helfer der Alliierten und als Pioniere für Demokratie und Menschenrechte in ihrem Land. Es bleiben nur Tränen, wenn wir an die Zukunft all dieser mutigen Männer und Jungen und vor allem Frauen und Mädchen denken. Moskau profitiert von der Schwächung des Westens und wird sich mit einem neuen Kalifat in Afghanistan arrangieren. Peking sucht gar »freundliche Beziehungen«. Hisbollah und Hamas fühlen sich schon jetzt beflügelt.

All das ist ein Albtraum für Israel. Die Lunte brennt an einer Bombe, die keiner der Verantwortlichen im Westen sehen wollte.

Der Sieg der Taliban stärkt auch Al-Qaida. Das Verhältnis Teherans zu den Taliban ist zwar komplex. Doch das Regime feiert die Niederlage der USA und kann gleichzeitig eine neue Flüchtlingswelle aus Afghanistan als willkommenen Hebel in Verhandlungen mit den Europäern und gegen Israel einsetzen. Europa hat seine Glaubwürdigkeit im Nahen und Mittleren Osten endgültig verspielt. Es dürfte für Teheran daher einfach werden: Erfüllt unsere Forderungen, oder wir leiten die Flüchtlinge weiter.

All das ist ein Albtraum für Israel. Die Lunte brennt an einer Bombe, die keiner der Verantwortlichen im Westen sehen wollte. Deren kognitive Dissonanz ist ein tödlicher Offenbarungseid. Wer übernimmt jetzt die Verantwortung für die Zukunft?

Der Autor ist Jurist und Experte für Krisen- und Konfliktmanagement in Nahost.

Ramallah

Palästinensische Parlamentswahl könnte verschoben werden

Die für den 28. November geplante Abstimmung steht auf der Kippe. Sie wird möglicherweise auf unbestimmte Zeit vertagt

 30.09.2026

New York

Rebeca Grynspan baut Vorsprung im Rennen um UN-Spitze aus

In einer vierten informellen Abstimmung des Sicherheitsrats erhielt sie zehn Stimmen. Was das bedeutet

 30.09.2026

Moskau

In Putins Falle: US-Reporter Evan Gershkovich erzählt seine Story

Vor gut zwei Jahren kam der als »Spion« gefasste jüdische US-Journalist bei einem großen Gefangenen-Austausch frei. Nun erzählt er in einem Buch, wie er Putins Agenten in die Falle ging

von Ulf Mauder  30.09.2026

New York

Mamdani legt Antisemitismus-Plan vor, jüdische Organisationen üben scharfe Kritik

Das Konzept des Bürgermeisters blende den Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Juden in New York und antiisraelischer Propaganda bewusst aus, sagt einer der Kritiker

 30.09.2026

Berlin

Linke geht rechtlich gegen weitere Politiker vor

Die Berliner Linkspartei sieht sich nach der gewonnenen Wahl mit Vorwürfen des Antisemitismus und der Nähe zu kriminellen Clans konfrontiert. Sie wehrt sich politisch - und auch juristisch

 30.09.2026

Kiew

85. Jahrestag: Selenskyj gedenkt ermordeter Kyjiwer Juden

Vor 85 Jahren besetzten deutsche Truppen die heutige ukrainische Hauptstadt. Sie ermordeten zehntausende Menschen. Präsident Selenskyj stellt bei einer Gedenkfeier den Bezug zur Gegenwart her

 30.09.2026

Erfurt

Kerkeling und Maaßen bei erster Anhörung zu AfD-Verbot dabei

Thüringens AfD mit Björn Höcke an der Spitze gilt als besonders radikal. Ist das der Grund, warum erstmals ein Landesparlament Juristen und einen Promi zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren anhört?

von Simone Rothe  30.09.2026

Luftfahrt

Passagierflugzeug setzt auf Weg nach Tel Aviv Notrufsignal ab: Was geschah an Bord?

Der Notfallcode »7500« wurde registriert, der auch bei Flugzeugentführungen gesendet wird. Der Vorfall löste einen israelischen Abfangalarm aus

von Imanuel Marcus  30.09.2026 Aktualisiert

Berlin

Antisemitische Vorfälle mit islamistischem Hintergrund oft mit Gewalt

Eine neue Analyse von RIAS zeichnet ein alarmierendes Bild

 30.09.2026