Reaktionen

Abschied von Scharon

US-Vizepräsident Joe Biden am Grab von Ariel Scharon Foto: Flash 90

Reaktionen

Abschied von Scharon

Ex-Premier starb hochgeachtet – aber auch gehasst

von Martin Krauss  14.01.2014 15:12 Uhr

Das Wort »Held« fiel oft, als es darum ging, Ariel Scharon zu würdigen. Der frühere israelische Ministerpräsident war am Samstagmittag im Krankenhaus Tel Haschomer bei Ramat Gan, in dem er zuletzt acht Jahre lang im Koma gelegen hatte, gestorben. Am Montag wurde er auf seiner Farm im Süden Israels beigesetzt.

Staatspräsident Schimon Peres nannte Scharon einen »tapferen Soldaten und kühnen Führer, der seine Nation liebte, und seine Nation liebte ihn«. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der 2005 den Rückzug aus dem Gazastreifen bekämpft hatte, lobte gleichwohl Scharons Leistung für die Sicherheit Israels. Er sei einer »der größten Kämpfer des Volkes Israel«.

held Einen »Helden Israels« nannte Dieter Graumann, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Scharon und erinnerte an dessen Wirken im Sechstagekrieg 1967 und im Jom-Kippur-Krieg 1973. Und auch an die Leistung des – stets heftig umstrittenen – Politikers Scharon, 2005 den Gazastreifen zu räumen, erinnerte Graumann. »Er bleibt unvergessen und in Erinnerung als einer der großen Führer im modernen Israel.«

Der World Jewish Congress (WJC) bezeichnete Scharon als einen »Helden auf dem und außerhalb des Schlachtfeldes«. Als General sei er einer der »größten militärischen Strategen des 20. Jahrhunderts« gewesen. WJC-Präsident Ronald Lauder berichtete, dass er viele Stunden mit Scharon auf dessen Farm zusammengesessen hatte: »Ich habe da gelernt, welch wahrer Patriot er war.«

Niemand habe Israel besser verstanden als Scharon. »Er wusste, dass es, wenn die Sicherheit Israels auf dem Spiel stand, keine Kompromisse geben darf.« Lauder rief auch an Scharons Anstrengungen, nach 1990 etwa eine Million Juden aus der früheren Sowjetunion zu integrieren in Erinnerung. Moshe Kantor, Präsident des European Jewish Congress (EJC), erinnerte an Scharon als einen »Kämpfer für sein Land in Kriegszeiten und für den Frieden«.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon benutzte den Begriff »Held«, um Scharons zu gedenken. Er trauere über den Tod eines Politikers, der für ihn wegen seines »politischen Mutes und seiner Entschlossenheit« in Erinnerung bleibe. Mit Hilfe dieser Eigenschaften habe er israelische Siedler aus dem Gazastreifen herausgeholt.

Kanzlerin Im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte Regierungssprecher Steffen Seibert Scharon »einen israelischen Patrioten, der sich große Verdienste um sein Land erworben« habe. Die Kanzlerin würdigte die Evakuierung von Siedlern aus dem Gazastreifen als einen »historischen Schritt auf dem Weg zu einem Ausgleich mit den Palästinensern und zu einer Zweistaatenlösung«. Auch der neue Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der die Bundesregierung bei Scharons Beerdigung am Montag repräsentierte, nannte Scharon einen »unermüdlichen Verteidiger seines geliebten Heimatlandes Israel«.

US-Präsident Barack Obama gedachte Scharons als einer Persönlichkeit, »die ihr Leben dem Staat Israel gewidmet hatte«. Obama bekräftigte das »unerschütterliche Engagement« der USA für Israels Sicherheit. An der Beerdigung nahm Obama nicht teil. Für ihn hielt US-Vizepräsident Joe Biden, der den Verstorbenen über Jahrzehnte kannte, eine persönlich gehaltene Rede: »Es ist, als ob ein Familienmitglied gestorben wäre.«

Militärisch und politisch habe Scharon stets großen Mut bewiesen. Der amerikanische Außenminister John Kerry sagte, es sei kein Geheimnis, dass es politische Differenzen gegeben habe, aber man habe Scharon immer dafür bewundern müssen, dass er entschlossen war, »die Sicherheit und das Überleben des jüdischen Staates zu gewährleisten«.

hass Auch die Hamas, die islamistische Organisation, die den Gazastreifen beherrscht, äußerte sich zum Tod Scharons. Ein »Krimineller« sei er gewesen, der »Unglück über das palästinensische Volk gebracht hat«, so ein Hamas-Sprecher. »Wir beten zu Allah, dass Scharon und all die zionistischen Führer, die Massaker gegen unser Volk verübt haben, zur Hölle fahren.«

Viele gleichfalls von Hass geprägte Reaktionen fanden sich auch in den sozialen Netzwerken des Internets, vor allem auf Facebook. Selbst seriösen Medien gelang es kaum, Einträge von Usern zu löschen, die offen ihre Freude über den Tod des Mannes ausdrückten, der ihnen als »Kriegsverbrecher« gilt.

Terror

Berlin am Tag zwei nach dem CSD-Anschlag

Nach dem CSD-Anschlag: Kanzler Merz kündigt Konsequenzen an, Herkunft des Todesopfers bekannt, verletzten Opfern geht es besser

 27.07.2026

Berlin

Neuköllns Integrationsbeauftragte: Härter gegen Islamismus vorgehen

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag am Rande des CSD in Berlin erklärt Güner Yasemin Balci, dass es in ihrem Bezirk sowohl mit Homophobie als auch mit Islamismus ein massives Problem gebe

 27.07.2026

New York

Angehörige von Opfern des 11. September wollen Mamdani von Gedenkfeier ausschließen

Die Betroffenen werfen dem Politiker vor, sich in der Vergangenheit nicht ausreichend von Terrorismus distanziert zu haben

 27.07.2026

Teheran

Chamenei bekräftigt Unterstützung für Hisbollah

Es gebe »keinen anderen Weg als Dschihad und Widerstand« gegen Israel, sagt der Oberste Führer

 27.07.2026

Toronto

Schüsse auf jüdische Bäckerei – Polizei ermittelt wegen möglicher Hasskriminalität

Innerhalb von 20 Minuten werden in der kanadischen Metropole zwei Anschläge auf die Bäckereikette Kiva’s Bagel verübt

 27.07.2026

Jerusalem

Netanjahu wirft Mamdani Hetze gegen Juden vor

Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters über Israel schürten Hass, spalteten die Stadt spalten und trügen dazu bei, dass sich viele jüdische Einwohner nicht mehr sicher fühlten

 27.07.2026

Berlin

Felix Klein: »Brandmauer muss aufrechterhalten werden«

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung wendet sich gegen eine Öffnung der CDU zur AfD. Zur Begründung nennt er das AfD-Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt

 27.07.2026

Seattle

Drei Tote und mehrere Verletzte bei Schießerei auf Foodfestival

Unter den Verletzten ist ein zweijähriges Kind. Bürgermeisterin Katie Wilson: »Betroffene Familien erleben den schlimmsten Moment ihres Lebens.«

 27.07.2026

Nahost

USA setzen Angriffe auf Iran vorerst aus – Raum für neue Verhandlungen

Der amerikanische UN-Botschafter Mike Waltz sagt, Washington schließe eine erneute militärische Eskalation keineswegs aus

 27.07.2026