Berlin

»Abscheuliche Verhöhnung der Opfer«

Josef Schuster Foto: ZR

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat den Karikaturen-Wettbewerb zum Thema Holocaust im Iran scharf kritisiert. Dieser Wettbewerb zeige wieder einmal, dass Holocaustleugnung und Judenhass im Iran an der Tagesordnung sind und vom Regime nicht nur gedeckt, sondern gefördert werden, sagte er am Donnerstag der Jüdischen Allgemeinen in Berlin. »Eine abscheuliche Verhöhnung der Opfer der Schoa wird durch den internationalen Appell aus dem Iran in die Welt hinausgetragen.«

Das sogenannte »Haus der Karikaturen« mache sich dadurch zum »Haus des puren Antisemitismus«, so Schuster weiter. »Ich bin froh, dass die Politik klare Worte gefunden und diesen widerlichen Wettbewerb aufs Schärfste verurteilt hat. Nun müssen auch Taten folgen, und jeder Zeichner, der sich hier in Deutschland daran beteiligt, muss die strafrechtlichen Konsequenzen tragen.«

Dieser »Wettstreit« habe nichts mit Satire und Meinungsfreiheit zu tun, hier handele es sich um primitivsten Judenhass, der dem wachsenden Antisemitismus in Europa nur noch mehr Auftrieb verleiht, sagte der Zentralratspräsident. »Und dass die Zeichnungen als Reaktion auf die Mohammed-Karikaturen des französischen Satiremagazins ›Charlie Hebdo‹ gelten sollen, ist eine Perversion der Meinungsfreiheit und eine Verunglimpfung der Opfer des schrecklichen Terroranschlags in Paris.«

Auswärtiges Amt Auch das Auswärtige Amt hat den Karikaturen-Wettbewerb im Iran bereits scharf verurteilt. Man sei zutiefst betroffen »von den Versuchen, den Mord an sechs Millionen Juden in Europa zum Gegenstand von Spott und Lächerlichkeit zu machen«, sagte Ministeriumssprecher Martin Schäfer am Mittwoch in Berlin. Gemeinsam mit Israel und anderen Partnern erwarte Deutschland eine angemessene und würdige Erinnerung an die Schoa.

Heftige Kritik äußerte auch Philipp Mißfelder, außenpolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion. Er bezeichnete den Aufruf als »geschmacklose Aktion«, die den »eklatanten Antisemitismus und Antizionismus im Iran« einmal mehr verdeutlichte.

Für große Empörung sorgt der Karikaturen-Wettbewerb ebenfalls beim Grünen-Politiker Volker Beck. »Der Wettbewerb des Iranischen Regimes ist ein Aufruf zum Judenhass und zu ihrer Vernichtung. Daher muss er auch als solcher mit aller Konsequenz behandelt werden«, sagte Beck, der zudem Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe im Bundestag ist.

Als »widerlich und abstoßend« bewertete der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, den Karikaturen-Wettbewerb. Er erwarte nun von der Bundesregierung und der Europäischen Union ich eine klare Distanzierung von antisemitischer Hetze, so Korte.

Urheber Medienberichten zufolge zeichnet das »Haus der Karikaturen« in Teheran aus Protest gegen die Mohammed-Zeichnungen des französischen Satire-Magazins »Charlie Hebdo« für den Wettbewerb mit dem Thema Holocaust-Leugnung verantwortlich. Angesprochen sind Karikaturisten weltweit. Die »beste« Karikatur wird mit einem Preis von 12.000 Dollar prämiert.

Es ist bereits der zweite Aufruf dieser Art. Der erste Schoa-Karikaturen-Wettbewerb fand im Jahr 2006 statt. Mehr als 750 Zeichnungen hatten iranische Künstler damals eingereicht. ja/epd

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