EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Sport

90 Minuten lang das Wichtigste der Welt

Fans von FC Union im Stadion an der Alten Försterei Foto: dpa

Im Schatten des Stadions an der Alten Försterei, in dem die Heimspiele des Berliner Fußballzweitligisten FC Union stattfinden, diskutierten am Donnerstagabend der Fußballkommentator Marcel Reif, der ehemalige Fußballtrainer Hans Meyer und der Pfarrer Gregor Hohberg vom Vorstand des Bet- und Lehrhauses Petriplatz Berlin e. V über »Fußball und Religion«.

Reif, Meyer und Hohberg waren nicht nur auf Einladung des FC-Union-Wirtschaftsrates, sondern auch des Vereins »Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin« gekommen. Der Verein will ein gemeinsames Haus für die drei monotheistischen Religionen, Judentum, Islam und Christentum, in Berlins Mitte errichten.

»Die Idee gefällt mir«, sagte Marcel Reif und begründete es mit seiner Familiengeschichte. »Ich bin weder katholisch noch evangelisch noch jüdisch. Aber mein Vater war Jude, meine Mutter war eine schlesische Katholikin.« Religionen, die sich etwas zu sagen hätten, unter einem Dach versammelt, das sei ein gutes Projekt. »Deswegen gefällt mir die Idee des Bethauses so.«

Religionsgemeinschaft Einen Vergleich des geplanten Bet- und Lehrhauses mit einem gemeinsamen Stadion der untereinander verhassten Berliner Fußballclubs Hertha, Union und Dynamo, den Gregor Hohberg bemühte, lehnte Reif ab. »Ich wäre dankbar, wenn man die Kirche im Dorf ließe. Das ist nach meinem Verständnis etwas anderes als das Lehrhaus.« Anders als Mitglieder einer Religionsgemeinschaft hätten Fußballfans das Recht, die anderen rigoros abzulehnen. »Fans dürfen so etwas.«

Fußball ist für Reif eine eigene Welt, nicht rational erklärbar und höchst magisch. Der 64-jährige Journalist berichtete, dass derzeit ein Film über sein Leben gedreht wird. 1949 in Polen geboren, ging die Familie 1956 nach Israel, kurze Zeit später zog sie nach Kaiserslautern.

»Mein Vater hatte mich in Warschau zum ersten Mal zum Fußball mitgenommen, zu Legia Warschau. Da war ich vier Jahre alt. Ich erinnere mich noch, dass zwei Nationalspieler dort spielten, und sie gingen direkt an mir vorbei, an einem Weg, der zum Stadion führte.« Vor drei Wochen war Reif mit einem Fernsehteam zu den Dreharbeiten in Polen. »Ich sah mich um und sagte: Das ist der Weg.. Ich habe diesen Weg gesehen, es war wie vor 57 Jahren. Das ist nicht zu erklären, nicht rational. Da ist so viel Emotion, tiefstes Unterbewusstsein.«

Schaltstelle Die Gesprächspartner in der Alten Försterei fanden viele Gemeinsamkeiten, die Fußball mit Religion habe. »Religion ist wie auch Fußball eine persönliche, eine individuelle Geschichte«, führte ein nachdenklicher Reif aus. »Es geht um die Frage: Was stiftet Sinn? Das Sinnstiftende ist die Schaltstelle von Fußball und Religion.« Dieser Frage ginge doch jeder Mensch nach. »Es gibt Menschen, die keinen Zugang zu Religion finden und die sich dann stattdessen fanatisch, damit meine ich nicht gewalttätig, dem Fußball zuwenden – eben, weil sie zur Religion nicht finden.«

Hans Meyer, der bereits in der DDR Fußball gespielt hatte und in beiden deutschen Staaten als Trainer Erfolge hatte, versuchte, die Faszination des Fußballs zu beschreiben. »Freude verbreiten – das ist das, was Fußball kann.« Er selbst sei immer schon vom Fußball »magisch angezogen« worden – »ohne dass ich sagen kann, warum«. Vielleicht daher: »Fußball bildet unter den Menschen eine richtige Gemeinschaft.« Das hat Meyer auch dort beobachtet, wo man nur Individualisten vermutet. Er hat nämlich eine Weile das Auswahlteam der deutschen Schriftsteller, die Autonama (Autorennationalmannschaft), betreut: »Die von der Autonama, die hingen alle einem Traum nach, sie wollten dazugehören.«

Doch übertreiben will Meyer, der mittlerweile nur noch im Präsidium den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach berät, nicht. »Die Sache mit ›Gott und Fußball‹ relativiert sich, wenn man, wie ich, mit so vielen Fußballgöttern zu tun hatte«, sagte der 71-Jährige, der schon mit 28 Jahren Trainer wurde.

Distanz Meyer plädierte für Distanz. Dass der Bayern-München-Trainer Pep Guardiola jüngst mit dem Ausspruch zitiert wurde, bei einem Champions-League-Spiel ginge es um »Tod oder Leben«, passte Meyer gar nicht. Er schätze Guardiola sehr, aber: »So ein Satz passt zu ihm gar nicht. Das ist ein dummer Satz.« Für Meyer selbst gelte: »So wichtig war Fußball für mich nie.«

Auch bei Jürgen Klopp, Cheftrainer des Bundesligisten Borussia Dortmund, erkannte Meyer eine gefährliche Entwicklung, dass alle Schranken fallen. »Eigentlich muss man das später seiner Frau, seinen Kindern, seinen Eltern zeigen«, kommentierte Meyer die jüngsten Ausraster Klopps. »Ich wünsche mir, dass klar wird, dass es so nicht geht.«

Marcel Reif hingegen verteidigte die Eigenwelt des Fußballs, in der so etwas möglich sei. »Für mich ist Fußball 90 Minuten lang das Wichtigste der Welt. Aber nach 90 Minuten ist wieder wirkliches Leben.« Wenn einer im Stadion, auf dem Platz oder auch in der Reporterkabine unendliche Hingabe zeige – »daran kann ich nichts Verwerfliches finden«. Ohne Leidenschaft werde der Fußball freudlos, so Reif. Und so einen Sport wolle doch keiner sehen.

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026

Magdeburg

CDU-Abgeordnete sollten eidesstattliche Erklärung unterschreiben

Seit der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten steht der Verdacht im Raum, Stimmen könnten aus der CDU gekommen sein. Wie die Fraktion damit umgeht

 28.10.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor linksextremen Einflüssen

Für Samstag hat die Initiative Gen Z regelt deutschlandweit zu Protesten für Bildung und soziale Gerechtigkeit aufgerufen. Aus Sorge vor Ausschreitungen beobachten die Behörden die Lage genau

 28.10.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragte: »Jude« darf kein Schimpfwort sein

Katharina von Schnurbein tritt heute die Nachfolge von Felix Klein in der Bundesregierung an. Ihr erklärtes Ziel klingt einfach

 28.10.2026

Belgrad

Serbien: Anschlag auf Polizisten vor israelischer Botschaft

Erneut wird ein Wachbeamter vor der israelischen Botschaft angegriffen. Der Vorfall weckt Erinnerungen - welche Sicherheitsmaßnahmen die Behörden jetzt ergreifen

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump reklamiert Anteil an Netanjahus überraschend starkem Wahlergebnis

»Als meine Unterstützung bekannt wurde, hat ihm das sehr geholfen«, sagt der amerikanische Präsident

 28.10.2026

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026

Debatte

Linke vertagt Entscheidung um Vanessa Emde

Die Berliner Linke ringt seit Wochen um den richtigen Umgang mit einer israelfeindlichen Abgeordneten. Nach einer Fraktionssitzung wurde wieder keine Lösung präsentiert

 27.10.2026