Bundestag

20 Millionen Euro extra für jüdische Einrichtungen

Die Grünen-Politikerin Marlene Schönberger beklagte in der Aussprache ein allgemeines »Desinteresse« am Thema Antisemitismus Foto: IMAGO/Future Image

Der Bundestag hat am Donnerstagabend den Haushaltsplan 06 für das Bundesinnenministerium mit der Mehrheit von SPD, Bündnis90/Die Grünen und FDP beschlossen. In diesem Einzelplan ist unter anderem die deutliche Erhöhung der Mittel für den Zentralrat der Juden in Deutschland und mehrere Projekte zur Förderung jüdischen Lebens in Deutschland enthalten.

Insgesamt sollen nächstes Jahr 20 Millionen Euro mehr fließen an finanzieller Unterstützung des Bundes für jüdische Einrichtungen sowie Projekte der Zivilgesellschaft. Darunter sind unter anderem Mittel für den Bau einer Synagoge in Berlin-Wilmersdorf, den Freundeskreis Yad Vashem und das Tikvah-Institut.

Der zuletzt 2018 erhöhte Bundeszuschuss für den Zentralrat wird 2023 von bislang 13 auf 22 Millionen Euro erhöht.

Vergangene Woche hatten die Haushälter der Ampelfraktionen im Zuge der sogenannten Haushaltsbereinigung vereinbart, deutlich mehr Geld für den Dachverband der jüdischen Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen.

SICHERHEIT Kommenden Mittwoch will zudem der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, seine Strategie für die Bekämpfung von Judenhass in der Gesellschaft vorlegen.

In der Aussprache dankte Innenministerin Nancy Faeser (SPD) den Koalitionspolitikern für die deutliche Aufstockung der Mittel im Kampf gegen Antisemitismus. Das sei eine der größten Aufgaben für uns», sagte sie. Faeser betonte, dass die Hälfte ihres Budgets, mehr als sechs Milliarden Euro, für die Verbesserung der Sicherheit in Deutschland vorgesehen sei.

Von den Koalitionspolitikern gab es erwartungsgemäß viel Lob für Faeser, doch auch die CDU/CSU-Fraktion lobte die «konstruktive Zusammenarbeit» mit der Ministerin.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der FDP-Abgeordnete Thorsten Lieb unterstrich die Bedeutung der Förderung: «Die Schüsse auf ein Nebengebäude der Alten Synagoge in Essen haben sicherlich nicht nur mich, sondern viele in diesem Land betroffen gemacht. Immer wieder müssen wir leider erleben, wie Antisemitismus in Krisenzeiten anscheinend Konjunktur bekommt. Deswegen sage ich nochmals an dieser Stelle: Solange irgendeine jüdische Einrichtung in diesem Land unter Polizeischutz stehen muss, so lange sind wir als Politik aufgefordert, alles dafür zu tun, dass Antisemitismus in diesem Land nachhaltig bekämpft wird.»

Die Grünen-Politikerin Marlene Schönberger widmete ihrem Redebeitrag ganz dem Thema Antisemitismus. «Anders als viele denken, finden die meisten antisemitischen Angriffe unterhalb der Strafbarkeitsgrenze statt, zum Beispiel, wenn behauptet wird, dass Israel Konzentrationslager bauen würde, wenn Schoa-Witze gerissen und von mächtigen Strippenziehern fabuliert wird, wenn von der ‚Auschwitzkeule‘ gesprochen wird, wenn ‚mit letzter Tinte‘ Gedichte geschrieben werden, wenn ein Theaterstück aufgeführt wird voll von antisemitischen Stereotypen und Schoa-Relativierungen. Die Liste ist endlos, und sie beschreibt den Alltag vieler Jüdinnen und Juden», sagte sie.

AUFARBEITUNG Schönberger lobte die Arbeit der Meldestelle RIAS, die antisemitische Vorfälle registriert, kritisierte aber ein «weit verbreitetes Desinteresse» in der Gesellschaft am Thema Antisemitismus. Die Ampel wolle mit der Budgeterhöhung ein Zeichen setzen. «Klares Handeln statt leerer Phrasen», sagte die Abgeordnete.

Nicht nur für die jüdische Gemeinschaft, sondern auch für die Aufarbeitung des Olympia-Attentats in München 1972, bei dem elf Israelis und ein Polizist getötet wurden, ist kommendes Geld im Haushalt vorgesehen. Eine Historikerkommission soll die Geiselnahme der israelischen Olympioniken und die gescheiterte Befreiungsaktion am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck am 5. September 1972 sowie den Umgang Deutschlands damit untersuchen. Das hatte die Bundesregierung im Zuge des Gedenkens an das Attentat im September zugesagt.

Leipzig

Dobrindt: Deutsche Drohnenabwehr mit Unterstützung Israels

Nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Leipziger Flughafen kündigte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verstärkte Anstrengungen gegen hybride Bedrohungen an. Helfen sollen dabei auch die Ukraine und Israel

 06.08.2026

Magdeburg/Halle

Schulze: Hallervorden-Auftritt steht für Meinungsfreiheit

Der Komiker verbreitet Verschwörungstheorien über Israel und relativiert Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine

 06.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  06.08.2026

Detroit (Michigan)

Israel-Kritiker El-Sayed gewinnt demokratische Vorwahl für Senat

Der Politiker wird im November gegen den republikanischen Kandidaten antreten. Trump nennt El-Sayed einen »kommunistischen Verlierer, der Juden und Israel hasst«

 06.08.2026

Meinung

»Blaue Moschee« als Gedenkstätte für die Opfer des Islamismus?

Nach der Schließung des eng mit dem iranischen Regime verflochtenen »Islamischen Zentrums Hamburg« wird über die künftige Nutzung des Ortes diskutiert

von Ulrike Becker  06.08.2026

Sachsen-Anhalt

Schoa-Relativierung als Programm

Im Falle eines Sieges der AfD bei der Landtagswahl droht in dem Bundesland eine geschichtspolitische Wende

von Stefan Laurin  06.08.2026

Vorurteile

Können wir mal reden?

Warum persönliche Begegnungen und Gespräche heute wichtiger sind denn je – insbesondere beim Thema Israel

von Sabine Brandes  06.08.2026

Washington D.C.

Vance widerspricht Bericht über Streit mit Netanjahu: »Angenehmes, aber direktes Gespräch«

Der US-Vizepräsident sagt, er betrachte Israel weiterhin als wichtigen Verbündeten der Vereinigten Staaten. Unterschiedliche Positionen gegenüber der israelischen Regierung seien kein außergewöhnlicher Vorgang

 06.08.2026

»Letzte Verteidigungswelle«

Haftstrafen gegen junge Neonazis

Seit März standen in Hamburg mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen Terrorgruppe »Letzte Verteidigungswelle« vor Gericht. Weil sie so jung sind, ohne Öffentlichkeit. Nun sind die Urteile gefallen.

 05.08.2026