Rückblende

1979: Gründung der Hochschule für Jüdische Studien

Inzwischen fest etabliert: Die Heidelberger Hochschule Foto: Philipp Rothe

Der Kölner Psychoanalytiker Yizhak Ahren sagte einmal, dass die jüdische Bildung der meisten, auch akademisch gebildeten Juden im Nachkriegsdeutschland auf Kindergartenniveau stehen geblieben sei. In den 70er-Jahren wurde das Problem der Vermittlung jüdischen Wissens, insbesondere aber auch religiöser Praxis vom Zentralrat erkannt.

Die alte, noch in Deutschland aufgewachsene und ausgebildete Generation von Rabbinern und Religionslehrern starb langsam aus, eine neue deutschsprachige Generation von religiösen Leitfiguren gab es nicht. Rabbiner, Kantoren und Religionslehrer wurden zunehmend aus dem Ausland, vor allem aus Israel importiert. Deutsch sprachen nur wenige von ihnen. Mit der speziellen Situation der deutschen jüdischen Gemeinden waren sie nicht vertraut.

Der Zentralrat beschloss in dieser Situation die Gründung einer jüdisch-theologischen Hochschule, der die Ausbildung des neuen dringend benötigten religiösen Personals obliegen sollte. Der Landesrabbiner von Baden, Nathan Peter Levinson, trug dazu bei, diese Hochschule nach Heidelberg zu bringen. Erster Gründungsrektor wurde der in Berlin geborene Prof. Leon Feldman von der Rutgers University in New Jersey.

magister Bald wurde klar, dass die Hochschule für Jüdische Studien (HfJS), wie sich die neue Institution nannte, keine jüdisch-theologische Ausbildungsstätte, sondern ein umfassenderes Judaistik-Institut sein würde, das Studierenden aller Konfessionen für einen Magisterabschluss offenstehen sollte. Am 17. Oktober 1979 nahmen die ersten 16 Studierenden ihr Studium auf. Die Dozenten waren zumeist Gastprofessoren aus Israel, Nordamerika und England, darunter große Namen wie der Philosophieprofessor Alexander Guttmann aus Cincinnati und der Literatur- und Sprachwissenschaftler Chaim Rabin aus Jerusalem.

Die HfJS etablierte sich akademisch sehr schnell, dem ursprünglichen Ziel, das dringend benötigte Personal für die Gemeinden auszubilden, näherte man sich allerdings nur langsam. Die meisten jüdischen Jugendlichen studierten lieber Jura, Medizin oder Wirtschaft oder gingen ins Ausland. Es sollte fast zwei Jahrzehnte dauern, bis der Lehrkörper verstetigt war, neue Programme aufgebaut wurden und vor allem durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion auch mehr jüdische Studierende nach Heidelberg kamen.

Heute sind zahlreiche in Deutschland amtierende Religionslehrer und Kantoren, auch manche Rabbiner an der Hochschule ausgebildet worden. Sie ist aus dem jüdischen Leben Deutschlands nicht mehr wegzudenken.

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Hamburg

Wie ein iranischer Jude auf Israel und den Iran blickt

Armin Levy ist Jude, Perser und Hamburger. Bei den aktuellen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran glaubt er nicht an echten Frieden. Warum er jedes Abkommen mit dem Mullah-Regime ablehnt

von Christiane Tauer  25.06.2026

Berlin-Neukölln

Martin Hikel rügt Bildungsstadträtin

Janine Wolter hatte auf Instagram die Story eines israelfeindlichen Aktivisten gepostet

 25.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  25.06.2026

Handel

Schiffsverkehr in Straße von Hormus normalisiert sich

Seit Monaten stecken Schiffe in der wichtigen Meerenge am Persischen Golf fest. Jetzt zeigen erste Auswertungen, dass sich der Verkehr normalisiert. Aber was war mit der Gefahr vor Seeminen?

 25.06.2026

Nahost

Oman: Keine Gebühren an der Straße von Hormus geplant

Aus Sicht der USA kann der Iran für die Passage der Straße von Hormus keine See-Maut verlangen – weder in den Verhandlungen über 60 Tage noch danach. Auch Maskat äußert sich in diese Richtung

 25.06.2026

Gutachten

Chancen für AfD-Verbotsantrag stehen gut

Eine Gruppe von Experten hat das Grundsatzprogramm der AfD, ihre Wahlprogramme und die Parlamentsanträge analysiert. Auch Äußerungen von Funktionären wurden für das Gutachten ausgewertet

 25.06.2026

New York

Hamas-Unterstützerin Aber Kawas gewinnt Vorwahlen in New York

Die palästinensisch-amerikanische Demokratin machte den Nahost-Konflikt und soziale Fragen zum Kernthema ihres Wahlkampfes

von Imanuel Marcus  25.06.2026

Brüssel

EU legt Mitgliedstaaten Konzept für Libanon-Einsatz vor

Die Mission soll die libanesische Polizei und Armee stärken. Stimmen Deutschland und die anderen Mitgliedstaaten zu?

 25.06.2026