Meinung

Warum hasst mich die ganze Welt?

Avi Albers Ben Chamo ist Künstler und Mitglied des israelisch-iranischen Quintetts Sistanagila Foto: Cynthia Berger

Manchmal frage ich mich, warum die ganze Welt mich töten will. Was ist die Quelle dieses brennenden Hasses, und insbesondere des Hasses auf mich als Jude? Mein ganzes Leben lang habe ich diese Frage gestellt und versucht, sie zu erforschen.

Als ich vor zwölf Jahren aus Israel in Berlin angekommen bin, habe ich am Abend meine Frau gefragt:

»Hast du die Tür abgeschlossen?«

»Warum?«, fragte sie zurück.

»Weil sie kommen werden, um uns zu töten?«

»Wer sind sie?«

»Die ganze Welt!«

Da drehte sie sich zu mir um, wie im Film in Zeitlupe, und sagte: »Avi, ich weiß, in Israel hat man dir gesagt, du seist das Zentrum der Welt, aber das bist du nicht! Nicht jeder sitzt zu Hause und denkt darüber nach, wie man dich umbringen kann.«

Ich sagte ihr, dass ich sehr enttäuscht sei, dass ich nicht der Mittelpunkt der Welt sein soll, und dann fragte ich: »Hast du die Tür abgeschlossen?«

Seit diesem Tag hat sich meine Frage langsam verändert. Nun frage ich mich, ob wirklich alle planen, mich zu töten, ob sie tatsächlich nur auf den richtigen Moment warten, um mir ein Messer in den Rücken zu stechen, oder ob es die Angst ist, die Umgebung, die Geschichte, mit der ich aufgewachsen bin, die mir eine andere Möglichkeit verheimlicht. Nämlich, dass nicht alle Muslime und der Rest der Welt mich hassen, und dass andererseits auch nicht alle von ihnen mich lieben müssen.

Vielleicht sollte ich mich weniger darauf konzentrieren, wie viele Menschen auf dieser Welt mich hassen, und mehr Raum schaffen für diejenigen, die mich lieben?

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  18.07.2026 Aktualisiert

Kommentar

Warum ich mit der SPD fertig bin

Eine späte Einsicht ist besser als gar keine, oder?

von Imanuel Marcus  18.07.2026

WM-Nachlese mit Marcel Reif

»Man muss Infantino zum Teufel jagen und die FIFA auflösen«

Der Moderator und Fußballexperte spricht im Interview über seine persönlichen Highlights und Enttäuschungen der WM, über surreale Argentinier und die Sinnhaftigkeit der Trinkpausen

von Michael Thaidigsmann  17.07.2026

Essay

Der Flüchtlingsstatus der Palästinenser muss endlich enden

Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  16.07.2026

Meinung

So markiert man Feinde

Die sogenannte Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zur UNRWA enthält entlarvende Widersprüche. Sie konstruiert eine angebliche Kampagne gegen das Palästinenserhilfswerk und stellt dessen Kritiker in die rechte Ecke

von Rebecca Schönenbach  16.07.2026

Meinung

Die Fußball-WM war ein voller Erfolg

Schon jetzt steht fest, dass die Weltmeisterschaft 2026 unvergesslich bleiben wird. Zumindest, wenn man die Kriterien des Fußballphilosophen Nick Hornby zugrunde legt

von Elke Wittich  15.07.2026

Kommentar

Sichere Hochschule auch für Jüdinnen und Juden!

Sicherheit ist zentral, aber auch Respekt vor Arbeitsruhegeboten. Wer Prüfungen auf hohe jüdische Feiertage legt, verlangt von Juden, für ihre Religionsausübung Nachteile beim Studienfortschritt in Kauf zu nehmen

von Volker Beck  15.07.2026

Analyse

Das iranische Regime hat sich verkalkuliert

In Teheran glaubte man, dass US-Präsident Trump den Konflikt bis zu den Midterm-Wahlen nicht mehr eskalieren lassen würde. Doch in der amerikanischen Außenpolitik hat offenbar ein Lernprozess eingesetzt

von Michael Spaney  15.07.2026 Aktualisiert

Kommentar

Wenn Studenten wieder anfangen, Juden auszugrenzen

Es sind Beschlüsse wie der Boykott-Beschluss des Studierendenparlaments der Humboldt-Uni, bei denen man sich unwillkürlich fragt, ob die zukünftige sogenannte deutsche Bildungselite noch zu retten ist

von Leeor Engländer  14.07.2026