Meinung

Warum hasst mich die ganze Welt?

Avi Albers Ben Chamo ist Künstler und Mitglied des israelisch-iranischen Quintetts Sistanagila Foto: Cynthia Berger

Manchmal frage ich mich, warum die ganze Welt mich töten will. Was ist die Quelle dieses brennenden Hasses, und insbesondere des Hasses auf mich als Jude? Mein ganzes Leben lang habe ich diese Frage gestellt und versucht, sie zu erforschen.

Als ich vor zwölf Jahren aus Israel in Berlin angekommen bin, habe ich am Abend meine Frau gefragt:

»Hast du die Tür abgeschlossen?«

»Warum?«, fragte sie zurück.

»Weil sie kommen werden, um uns zu töten?«

»Wer sind sie?«

»Die ganze Welt!«

Da drehte sie sich zu mir um, wie im Film in Zeitlupe, und sagte: »Avi, ich weiß, in Israel hat man dir gesagt, du seist das Zentrum der Welt, aber das bist du nicht! Nicht jeder sitzt zu Hause und denkt darüber nach, wie man dich umbringen kann.«

Ich sagte ihr, dass ich sehr enttäuscht sei, dass ich nicht der Mittelpunkt der Welt sein soll, und dann fragte ich: »Hast du die Tür abgeschlossen?«

Seit diesem Tag hat sich meine Frage langsam verändert. Nun frage ich mich, ob wirklich alle planen, mich zu töten, ob sie tatsächlich nur auf den richtigen Moment warten, um mir ein Messer in den Rücken zu stechen, oder ob es die Angst ist, die Umgebung, die Geschichte, mit der ich aufgewachsen bin, die mir eine andere Möglichkeit verheimlicht. Nämlich, dass nicht alle Muslime und der Rest der Welt mich hassen, und dass andererseits auch nicht alle von ihnen mich lieben müssen.

Vielleicht sollte ich mich weniger darauf konzentrieren, wie viele Menschen auf dieser Welt mich hassen, und mehr Raum schaffen für diejenigen, die mich lieben?

Meinung

Orden für den Botschafter: Wie Leo XIV. Irans Regime aufwertet

Mit seinem Orden für den iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl verpasst der Papst den Menschen im Iran symbolisch einen Tritt in die Magengrube

von Michael Thaidigsmann  13.05.2026

Meinung

Was Sachsen-Anhalt im Herbst droht

Nach den aktuellen Umfragen ist eine Alleinregierung für die AfD zum Greifen nah. Was das allein für die Erinnerungspolitik bedeuten würde, konnte man zuletzt an der Reaktion der Landespartei auf den 8. Mai beobachten

von Mascha Malburg  13.05.2026

Kommentar

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Kommentar

Wenn »schwarz auf weiß« nicht mehr genügt

Eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien – aber vor allem glaubwürdige

von Roman Haller  10.05.2026

Meinung

»Boykottlisten« gegen »Zionisten«? Die 30er-Jahre lassen grüßen

Streit um eine Palästina-Halskette: Was wirklich im Berliner Café »The Barn« passierte, was das Café »Acid« damit zu tun hat und welche Rolle die Lokalpresse spielt

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Essay

Wenn meine Töchter mich fragen

Am 8. Mai 1945 wurde der NS-Staat besiegt, aber nicht das Denken, das ihn ermöglicht hat. Der Hass wächst heute wieder. Werde ich meinen Kindern einmal sagen können, dass ich nicht geschwiegen, sondern widersprochen habe?

von Andreas Albrecht  08.05.2026