Daniel Killy

Trump: Gute Juden, böse Juden

Daniel Killy Foto: Weser Kurier, Volker Crone

Daniel Killy

Trump: Gute Juden, böse Juden

Ausgerechnet vor jüdischem Publikum gibt der US-Präsident antisemitische Stereotype zum Besten

von Daniel Killy  12.12.2019 12:27 Uhr

Was haben sie wieder gejubelt, die politisch eher schlichten Gemüter, nachdem sich Donald Trump beim Israeli American Council in Hollywood, Florida, scheinbar erneut so wuchtig für Israel starkgemacht hatte. Wer der 55-minütigen Selbstbeweihräucherung Trumps als bestem Freund Israels und der Juden jedoch etwas intensiver zugehört hat, wird bemerkt haben, dass der US-Präsident noch nicht einmal in einem jüdischen Umfeld in der Lage ist, auf antisemitische und rassistische Reflexe zu verzichten.

KILLER »Viele von euch machen in Immobilien, ich kenne euch ganz genau – ihr seid brutale Killer. Ihr seid überhaupt keine netten Leute, aber ihr müsst mich wählen«, schleuderte Trump dem Auditorium entgegen. Der reiche, berechnende Jude, der sein Geld mit windigen Geschäften macht – klassischer und plumper geht Antisemitismus kaum.

Der reiche, berechnende Jude, der sein Geld mit windigen Geschäften macht – klassischer und plumper geht Antisemitismus kaum.

Doch, geht er. Denn Mr. President setzte noch einen drauf. »Ihr werdet nicht Pocahontas wählen« – Pocahontas ist Trumps rassistische Bezeichnung für die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Elizabeth Warren, die indigene Verwandtschaft hat. »Ihr werdet nicht für sie stimmen, glaubt mir«, verkündete er, »denn ihr werdet nach 15 Minuten pleite sein, wenn die Demokraten an die Macht kommen.«

LOYALITÄT Das Wichtigste für »den Juden«, so Trumps Botschaft, ist und bleibt das Geld. Es ist die Perfidie Trumps, permanent mit Zuckerbrot und Peitsche zu arbeiten. Gute Juden, böse Juden, es kommt einzig darauf an, ob sie ihm nützen. Wer Demokraten wählt, ist eben kein guter Jude – und illoyal Trump und Israel gegenüber. Auch das, die doppelte Loyalität, die damit keine mehr sein kann, ist ja ein klassisches Instrument des Antisemitismus.

Solidarität und Zuwendung sieht jenseits wohlfeiler Symbolpolitik jedenfalls anders aus. Wie schnell der Präsident im Übrigen vermeintlich engste Freunde fallen lässt, zeigt sich daran, dass Benjamin Netanjahu nicht mit einer Silbe erwähnt wurde. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Der Autor ist freier Journalist in Hamburg.

Kommentar

Hätte er doch einfach geschwiegen

Michael Schulte ist der erfolgreichste deutsche Teilnehmer des ESC der letzten Jahre. Und Schulte ist ein geschichtsbewusster Künstler. Umso befremdlicher sind seine Einlassungen zu Israel

von Daniel Killy  18.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Wir Juden sollten uns nicht verstecken. Wir sollten offen, laut und stolz sein - auch und insbesondere auf den jüdischen Staat

von Daniel Neumann  17.04.2026

Meinung

Correctiv: Zu viel Theater, zu wenig Journalismus

Die Recherche zum »Potsdamer Geheimtreffen« hat deutschlandweit Proteste gegen die AfD ausgelöst. Doch die Kernaussage des Textes stimmt nicht, urteilt nun ein Gericht – und der Schaden ist groß

von Joshua Schultheis  16.04.2026

Meinung

Große Worte, leiser Rückzug – und Israel bleibt zurück

Für Israel war US-Präsident Trumps harte Linie gegen Iran eine sicherheitspolitische Rückendeckung. Jetzt, wo Trump den Rückzug angedeutet hat, entsteht ein strategisches und militärisches Vakuum

von Roman Haller  15.04.2026

Meinung

Wie die UN indirekt den Holocaust relativieren

Die kürzlich angenommene Resolution zur Aufarbeitung des transatlantischen Sklavenhandels ist ein Akt des geschichtspolitischen Revisionismus

von Jacques Abramowicz  15.04.2026

Meinung

Israel, Ungarn und die Abwahl Viktor Orbáns

Mit dem langjährigen Ministerpräsidenten hatte der jüdische Staat einen Verbündeten in der EU. Dennoch könnte dessen Abwahl eine Chance sein, das ungarisch-israelische Verhältnis auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen

von Domokos Szabó  14.04.2026

Essay

Schoa-Erinnerung ohne Juden

Gunda Trepp über ihren verstorbenen Ehemann Leo Trepp, die Vereinnahmung der Schoa und Wege jüdischen Erinnerns

von Gunda Trepp  14.04.2026

Meinung

Hoffentlich wird Viktor Orbán abgewählt

Am 12. April stehen in Ungarn Wahlen an. Unter seinem langjährigen Ministerpräsidenten ist das Land zu einem russischen U-Boot in der Europäischen Union geworden

von Joshua Schultheis  12.04.2026 Aktualisiert

Kommentar

Empathie für alle?

Dunja Hayali hat zu mehr Mitgefühl mit Betroffenen von Kriegen aufgerufen. Zu Recht. Was in den deutschen Medien jedoch kaum vorkommt: das Leid der Israelis, die unter dem ständigen Beschuss der Hisbollah stehen

von Jenny Havemann  10.04.2026