Meinung

Stolz und Bewunderung

Sophie Albers Ben Chamo Foto: privat

Seit 27 Wochen demonstrieren Israelis für die Demokratie in ihrem Land. Seit knapp sieben Monaten gehen Zehntausende Woche für Woche, wenn es sein muss Tag für Tag auf die Straße: für die Gewaltenteilung in einem Staat ohne Verfassung, dessen aktuelle Regierung die Grundrechte aushebeln will.

Ob Tel Aviv, Jerusalem oder Haifa, Sderot, Kfar Vitkin oder Beit Shemesh, Menschen beziehen Stellung, blockieren, streiken, machen sich stark, werden aktiv. Ohne zu zögern. Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft: Schoa-Überlebende und Schulkinder, Studierende und Gewerkschafter, Hausfrauen und Kampfpiloten, Sefardim und Aschkenasim, jung und alt, arm und reich, religiös und säkular. Das Einvernehmen ist, gelinde gesagt, untypisch für Israel und gibt der Bewegung eine atemberaubende Authentizität.

Und trotz der Länge des Protests ist, Gʼtt sei Dank, eine größere Eskalation der Gewalt vonseiten der Demonstranten bisher ausgeblieben.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich die Meldungen aus Israel und die WhatsApp-Nachrichten von Familie und Freunden lese, werde ich stolz, und in mir wachsen Bewunderung und Ehrfurcht. Jeden Tag mehr. Denn was dort passiert, rührt auch an die tief sitzende Frage: »Was würdest du tun?« All diese Menschen finden eine eindeutige Antwort darauf. Sogar meine zehnjährige Nichte.

Was in Israel besonders ist, ist es auch in der ganzen Welt. Ausmaß und Beständigkeit des Protests, die Vielfalt der Protestierenden, die Friedlichkeit, das gibt es in der Menschheitsgeschichte selten zu sehen. Only in Israel.

Und so schreibe ich der Familie: »Seid ihr unterwegs? Passt bitte auf euch auf!« Schwägerin und Schwager wechseln sich ab mit dem Demonstrieren. Heute ist er mit der Tochter daheim.

»Alles in Ordnung!«, schreibt er.

»Wie geht es der Kleinen?«, frage ich.

»Sie schaut mit mir Nachrichten und lernt, was Demokratie bedeutet.«

»Ihr seid großartig!«

»Es gibt keinen anderen Weg!«

Denn es gibt nur ein Israel.

Die Autorin ist Journalistin und lebt in Berlin.

Meinung

KI-Warnung: ehrlich oder eigennützig?

Wenn Künstliche Intelligenz wirklich so gefährlich zu werden droht, wäre nicht freiwillige Zurückhaltung, sondern internationale Kontrolle die richtige Antwort

von Elke Wittich  27.09.2026

Meinung

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismus-Leugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  25.09.2026

Kommentar

Sprecht mit uns. Nehmt uns ernst

Herr Ramelow, die jüdische Gemeinschaft, die vor Judenhass warnt, ist nicht das Problem. Antisemitismus ist das Problem - insbesondere in Ihrer Partei

von Avitall Gerstetter  24.09.2026

Glosse

Ein Clan-Chef als Antisemitismusbeauftragter!

Warum Issa Remmo der »Linken« offiziell Persilscheine ausstellen und Arafat Abou-Chaker neuer Polizeipräsident in Berlin werden sollte

von Ayala Goldmann  22.09.2026

Kommentar

Schwesigs Erfolg: Wie man die AfD im Zaum halten kann

Manuela Schwesig hat gezeigt, wie man dem Populismus der Rechtsextremen begegnen kann. Das ist nicht nur eine gute Nachricht für die SPD, sondern für alle Demokraten

von Michael Thaidigsmann  22.09.2026

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Essay

Wo ist mein Berlin, in dem es keinen Hass auf Juden mehr geben sollte?

Unsere Gastautorin Dorothea Schupelius warnt vor der unheiligen Allianz der Linkspartei mit radikalen Muslimen - und vermisst das Berlin, in dem sie aufgewachsen ist

von Dorothea Schupelius  20.09.2026

Es braucht eine Brandmauer gegen die Linkspartei

Wenn Rassismus von rechts für Regierungsverantwortung disqualifiziert – warum sollte Antisemitismus von links weniger schwer wiegen?

von Nelly Eliasberg  20.09.2026 Aktualisiert