Meinung

Demütigende Vorwände

Außenministerin Annalena Baerbock und Wirtschaftsminister Robert Habeck (beide Grüne) blockieren persönlich Rüstungsexporte an Israel. Foto: picture alliance/dpa

Monatelang hat Wirtschaftsminister Robert Habeck die Öffentlichkeit getäuscht. Es gebe kein Waffenembargo gegen Israel, beteuerte der Grünen-Politiker immer wieder. Dabei soll er, zusammen mit Partei-Kollegin und Außenministerin Annalena Baerbock, im Bundessicherheitsrat jegliche Genehmigung für Waffenlieferungen an Israel blockiert haben.

Genügend Anträge liegen vor: Der jüdische Staat, der sich zurzeit an beinahe allen Fronten gegen genozidale Islamisten wehrt, braucht dringend deutsche Panzer- und Artilleriegranaten sowie Ersatzteile, etwa für Hubschrauber. Doch statt schnell zu liefern, sollen Baerbock und Habeck darauf gepocht haben, dass die israelische Regierung zusichert, die Rüstungsgüter nicht für einen Völkermord einzusetzen. Ein sehr ungewöhnlicher Vorgang.

Lesen Sie auch

Angeblich will sich die Bundesregierung mit dieser Völkermord-Klausel gegen Klagen – wie der Nicaraguas gegen deutsche Waffenexporte – vor dem Internationalen Gerichtshof absichern. Doch das ändert nichts an ihrer demütigenden Absurdität, die einige aus einem anderen Kontext kennen: Wer sich für ein Touristen-Visum in den USA bewirbt, muss auch versichern, dass er dort keinen Terroranschlag verüben wird. Solche Klauseln taugen eher als Idiotentest denn als wirksame Verbrechensprävention, und ein Gericht, dass sie als entlastende Umstände bewerten würde, sollte seine Maßstäbe noch einmal prüfen.

Viel schlimmer ist aber die Unterstellung, die in der Völkermord-Klausel mitschwingt. Bei aller berechtigten Kritik an der Kriegsführung im Gazastreifen: Die israelische Armee begeht keinen Genozid an den Palästinensern. Vielmehr verteidigt sie Israel gegen Terroristen, die am 7. Oktober 2023 das größte Massaker an Jüdinnen und Juden seit der Schoa begangen haben.

Dass ausgerechnet Deutschland nun mithilfe fadenscheiniger Vorwände den jüdischen Staat demütigt und ihm dringend benötigte Hilfe verweigern wollte, ist beschämend.

kottmann@juedische-allgemeine.de

Nahost

Darüber sprachen Merz und Netanjahu heute

Kurz vor direkten Gesprächen von israelischen und libanesischen Vertretern greifen zwei deutsche Regierungsmitglieder zum Telefonhörer. Wer mit wem spricht und wie Berlin auf die Gespräche blickt

 13.04.2026

Ungarn

Netanjahu gratuliert Wahlsieger Magyar – und lobt Orban

Israels Premier: »Orban ist ein wahrer Freund Israels, der fest an der Seite Israels stand angesichts ungerechter internationaler Verleumdungen«

 13.04.2026

Diplomatie

Israel und Libanon verhandeln in Washington

Streben nach einem Friedensabkommen, Waffenruhe und Normalisierung: In Washington treffen sich Israel und Libanon zu direkten Gesprächen. Aber wie realistisch sind die Ziele?

 13.04.2026

Waffenruhe

Mangel an Flügen könnte für teuren Sommer sorgen

Reisexperten warnen, dass die Rückkehr der ausländischen Airlines ein langsamer Prozess sein könnte

von Sabine Brandes  13.04.2026

Budapest

Nach Wahlsieg: Magyar äußert sich erstmals zu Israel

Ungarns designerter Ministerpräsident will künftig wieder mit dem Internationalen Strafgerichtshof kooperieren. Auch zu möglichen EU-Sanktionen gegen Israel bezog Péter Magyar Stellung

 13.04.2026

Nahost

US-Militär will ab sofort Straße von Hormus blockieren

Donald Trump möchte verhindern, dass der Iran Gebühren von Schiffen durch die Meerenge verlangt. Jetzt will das US-Militär die Kontrolle der Straße von Hormus übernehmen

 13.04.2026

Nahost

Hinrichtungen im Iran auf 35-Jahres-Rekordhoch

Im Iran wurden 2025 laut Iran Human Rights mindestens 1.639 Menschen hingerichtet – ein Höchststand seit 35 Jahren. Menschenrechtsorganisationen fordern Konsequenzen

 13.04.2026

Libanon

Israels Armee umstellt Hisbollah-Hochburg

In dem Ort in der Nähe der israelischen Grenze sollen Dutzende Kämpfer der Terror-Miliz eingeschlossen sein

 13.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026