Westjordanland

Siedlergewalt gegen Soldaten eskaliert

Von radikalen Siedlern verursachte Schäden in einer israelischen Militärbasis Foto: Israel Defense Forces

Westjordanland

Siedlergewalt gegen Soldaten eskaliert

Jüdische Extremisten greifen Armeebasis an und zünden millionenteure Sicherheitsanlage zur Terrorverhinderung an

von Sabine Brandes  30.06.2025 16:51 Uhr

Extremistische jüdische Siedler haben über Nacht eine Armeebasis im Westjordanland verwüstet und in Brand gesteckt. Im Hauptquartier der Benjamin-Regionalbrigade griffen die Randalierer Soldaten an und steckten eine millionenteure Sicherheitsanlage in Brand, wie die IDF am Montag mitteilte. Grenzpolizisten setzten Blendgranaten ein, um die Randalierer zu zerstreuen.

In einer Erklärung der IDF hieß es, die Siedler hätten während der Unruhen ein Sicherheitssystem zur Verhinderung von Terroranschlägen in Brand gesteckt. Die Anlage, deren Bau drei Millionen Schekel gekostet habe, wurde durch das Feuer beschädigt, dies »gefährde die Sicherheit der Zivilbevölkerung«. Festnahmen habe es nicht gegeben. Der Inlandsgeheimdienst Schin Bet hat eine Untersuchung der Brandstiftung in der Sicherheitseinrichtung eingeleitet.

»Die israelischen Streitkräfte verurteilen jegliche Gewalt gegen Sicherheitskräfte und erwarten von den Sicherheitskräften, dass sie israelische Zivilisten, die Sicherheitskräften Schaden zufügen, die ihrer Pflicht zum Schutz israelischer Bürger nachkommen, vor Gericht bringen«, so das Militär in einer Erklärung. Es fügte hinzu, dass es sich weiterhin auf den Schutz von Zivilisten konzentrieren werde, während es gleichzeitig das Gesetz durchsetzt und illegale Aktivitäten verhindert, wo immer sie auftreten.

Bereits am Freitag war es zu gewalttätigem Vorfall gekommen

Am Freitag war es zu einem anderen gewalttätigen Vorfall in der Nähe eines illegalen Außenpostens unweit von Ramallah gekommen. Nach Angaben der IDF erreichten etwa 70 Siedler das Gebiet, wo sie die Soldaten schlugen, würgten, mit Steinen bewarfen und die Reifen eines Polizeiwagens zerstochen. Sie hätten auch versucht, Soldaten zu überfahren.

Das Gebiet war aufgrund eines Siedlerangriffs am Mittwoch, bei dem drei Palästinenser durch IDF-Feuer getötet wurden, und wiederholter Versuche der Siedler, in der Nähe des Dorfes auf privatem palästinensischem Land einen illegalen Außenposten zu errichten, zum militärischen Sperrgebiet erklärt worden.

Die rechtsgerichtete Organisation Honenu behauptete, Soldaten hätten den 14-jährigen Israeli bei dem Vorfall erschossen. Der Junge aber lebt. Er wurde später in stabilem Zustand und bei Bewusstsein ins Krankenhaus gebracht. Der an dem Vorfall beteiligte Bataillonskommandeur gab an, Soldaten hätten zu keinem Zeitpunkt das Feuer eröffnet. Laut Polizei sei der Jugendliche wahrscheinlich bei einem anderen Vorfall in derselben Gegend verletzt worden. Der Vorfall wird untersucht.

Premier Netanjahu: »Kein zivilisiertes Land kann gewalttätige und anarchistische Taten wie das Niederbrennen einer Militäreinrichtung und den Angriff Sicherheitspersonal tolerieren.«

Siedlerangriffe auf Palästinenser im gesamten Westjordanland finden fast täglich statt und bleiben fast immer ungestraft. Verdächtige werden selten festgenommen, und Strafverfolgungen kommen so gut wie gar nicht vor. Die Situation in der Gegend hat zunehmende internationale Kritik und Sanktionen westlicher Regierungen ausgelöst.

Während extremistische Siedler von einigen Mitgliedern der Hardliner-Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu unterstützt werden, wurde der jüngste Angriff von mehreren Koalitionsmitgliedern verurteilt.

Premierminister Benjamin Netanjahu sagte nach den Übergriffen: »Kein zivilisiertes Land kann gewalttätige und anarchistische Taten wie das Niederbrennen einer Militäreinrichtung, die Beschädigung von IDF-Eigentum und den Angriff von Staatsbürgern auf Sicherheitspersonal tolerieren.« Er forderte die Strafverfolgungsbehörden auf, die Verantwortlichen strafrechtlich zu verfolgen.

Sechs Verdächtige festgenommen - drei freigelassen

Verteidigungsminister Israel Katz habe ein dringendes Treffen mit allen Sicherheitsbehörden anberaumt, »um diese Gewalt an ihrer Quelle auszumerzen«. Im letzten Jahr beendete Verteidigungsminister Israel Katz die Praxis der Verwaltungshaft – die praktisch unbegrenzte Inhaftierung einer Person ohne Anklage – für extremistische Siedler, ließ sie aber für Palästinenser bestehen.

Auch der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich, selbst Siedler, bezeichnete die Angriffe israelischer Randalierer auf IDF-Soldaten als inakzeptabel. »Kriminelle sind Kriminelle und Kriminelle überall im Land.« Er fügte hinzu, dass Gewalt gegen Soldaten und Polizisten »eine rote Linie überschreitet«.

Sechs Extremisten wurden wegen des Verdachts der Beteiligung an dem Angriff auf den Bataillonskommandeur und seine Soldaten festgenommen. Am Wochenbeginn aber ordnete ein israelisches Gericht die Freilassung von drei der sechs an.

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die ebenso umstrittene wie vielfach kritisierte ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an

von Jana Ballweber  23.01.2026 Aktualisiert

Israel

Rischon Lezion wehrt sich gegen Bau eines Großgefängnisses

Die Stadtverwaltung kritisiert, dass die ausgewiesene Fläche inzwischen zu wertvoll sei, um sie für Haftanstalten zu nutzen

 23.01.2026

Tel Aviv

Frühere Hamas-Geisel Emily Damari macht Partnerin Heiratsantrag

In einem in sozialen Medien verbreiteten Video ist zu sehen, wie Damari in weißer Kleidung vor Amit niederkniet und ihr die Frage stellt

 23.01.2026

Davos

Kushner präsentiert 25-Milliarden-Dollar-Plan für Gaza

Laut dem Sondergesandten und Schwiegersohn des US-Präsidenten soll der Küstenstreifen bis 2035 ein Wirtschaftszentrum werden

 23.01.2026

Davos

Israels Präsident sieht iranische Führung als sehr fragil

Israels Präsident Herzog nimmt die iranische Führung nach den Massenprotesten als geschwächt wahr. Warum er trotzdem vor zu viel Optimismus warnt und internationale Unterstützung fordert

von Sara Lemel  22.01.2026

Davos

Trump gründet »Friedensrat«

US-Präsident Trump und weitere Staatenlenker unterzeichneten das Gründungsdokument des umstrittenen neuen Gremiums. Israel nahm an der Zeremonie nicht teil, will aber Mitglied des Rates werden

 22.01.2026

Diplomatie

Papst ernennt neuen Botschafter für Israel

Erst seit 1994 haben der Vatikan und Israel volle diplomatische Beziehungen. Der Botschafter des Papstes dort ist zugleich auch Delegat für Palästina. Nun hat der Papst einen Wechsel vorgenommen

 22.01.2026

Nahost

Israelis verwirrt wegen Trumps Iran-Reden

Das Verteidigungsministerium in Jerusalem erhöht die Alarmbereitschaft der Armee

von Sabine Brandes  22.01.2026

Gazastreifen

Hamas will angeblich die Waffen niederlegen

Berichten zufolge hat die Terrororganisation mit den USA eine Vereinbarung getroffen, dass sie eine »politische Partei« werden kann

von Sabine Brandes  22.01.2026