Meinung

Solidarität mit Israel ist links

Selin Gören ist Co-Sprecherin der antisemitismuskritischen Bundesarbeitsgemeinschaft »Shalom« innerhalb der Partei Die Linke. Foto: Ben Gross

Meinung

Solidarität mit Israel ist links

Das Bekenntnis zum jüdischen Staat ist die Voraussetzung glaubwürdiger progressiver Politik. Doch in der Linkspartei werden Genossen für diese Haltung immer öfter angefeindet

von Selin Gören  15.01.2026 17:02 Uhr

Die aggressiven Anfeindungen gegen als »antideutsch« markierte Mitglieder der Linkspartei wie Juliane Nagel, Bodo Ramelow und Andreas Büttner sind Symptome eines tiefer liegenden Problems. Solidarität mit Israel als Schutzraum jüdischen Lebens wird in Teilen der Linken diffamiert oder zu Solidarität mit der israelischen Regierung verdreht, während Antisemitismus relativiert und politisch umetikettiert wird.

Wer diesen benennt, gilt schnell als Störfaktor; eine ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung bleibt aus. Wer Israel nicht delegitimiert, wird aus dem moralischen Kollektiv ausgeschlossen. Diese Dynamik untergräbt grundlegende Prinzipien linker Politik.

Wer Antisemitismus weder erkennt noch beim Namen nennt, wird ihn niemals bekämpfen können.

Dabei ist das Parteiprogramm eindeutig: Die deutsche Verantwortung aus den Verbrechen an Jüdinnen und Juden verpflichtet, für das Existenzrecht Israels einzutreten. Wer dieses Bekenntnis zum Zionismus infrage stellt oder israelsolidarische Genossinnen und Genossen angreift, handelt nicht radikal, sondern gegen das eigene Parteiprogramm. Nicht diejenigen, die das Existenzrecht Israels als Ausdruck jüdischen Selbstbestimmungsrechts verteidigen, sind die Störenfriede.

Antisemitismus ist kein Nebenschauplatz internationaler Politik, sondern eine eigenständige Ideologie mit tödlichen Konsequenzen. Die Abwertung jüdischer Perspektiven dient vor allem der Abwehr unbequemer Wahrheiten.

Lesen Sie auch

Vom Vorstand der Linkspartei erwarten wir mehr als beschwichtigende Worte. Er muss den Angriffen auf israelsolidarische Genossinnen und Genossen entschieden entgegentreten und antisemitische Relativierungen klar benennen. Die bisherigen Stellungnahmen der Parteivorsitzenden sind dem Ausmaß der Aggression nicht angemessen; der zugrunde liegende Antisemitismus wird nicht einmal klar benannt.

Solidarität mit Israel ist keine Option, sondern Voraussetzung glaubwürdiger linker Politik. Wer Antisemitismus weder erkennt noch beim Namen nennt, wird ihn niemals bekämpfen können.

Die Autorin ist Co-Sprecherin der antisemitismuskritischen Bundesarbeitsgemeinschaft »Shalom« innerhalb der Partei Die Linke.

Kommentar

Landtagswahlkampf mit Israelfeindlichkeit

Mit einem vielleicht auf den ersten Blick unschuldigen Satz macht das BSW Stimmung. Gegen den einzigen jüdischen Staat, die »Zionisten« und damit die Juden

von Imanuel Marcus  06.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  06.08.2026

Meinung

»Blaue Moschee« als Gedenkstätte für die Opfer des Islamismus?

Nach der Schließung des eng mit dem iranischen Regime verflochtenen »Islamischen Zentrums Hamburg« wird über die künftige Nutzung des Ortes diskutiert

von Ulrike Becker  06.08.2026

Vorurteile

Können wir mal reden?

Warum persönliche Begegnungen und Gespräche heute wichtiger sind denn je – insbesondere beim Thema Israel

von Sabine Brandes  06.08.2026

Meinung

Danke, Boy George!

Wie die 80er-Jahre-Ikone gegen alle Widerstände für Israel eintritt, verdient unseren Dank

von Sophie Albers Ben Chamo  05.08.2026

Kommentar

Politische Pünktchensammler

Ewig bewegte Palästina-Aktivisten wie Javier Bardem und israelische Politiker nutzen den Massenansturm auf Ceuta für politisch unwürdige Spielchen

von Nils Kottmann  04.08.2026

Kommentar

Sánchez’ alter, antisemitischer Trick

Wer trägt die Verantwortung für die jüngste Katastrophe in Ceuta? Ausnahmsweise wohl nicht »die Zionisten«

von Rafael Seligmann  02.08.2026

Meinung

Die Vereinten Nationen und ihre obsessive Fixierung auf den jüdischen Staat

Warum der Staatengemeinschaft ihre Heuchelei und Doppelmoral eher früher als später zum Verhängnis werden wird

von Daniel Neumann  01.08.2026

Kommentar

Die Hinrichtungen gehen weiter

Nach der brutalen Niederschlagung der Protestbewegung im Januar setzt das iranische Regime die Exekutionen vor den Augen der Welt fort

von Nila Mozafari  30.07.2026