Kommentar

Martin Hikel, Neukölln und die Kapitulation der Berliner SPD vor dem antisemitischen Zeitgeist

Renée Röske Foto: Privat

Die Verweigerung der Unterstützung für den SPD-Landesvorsitzenden durch seinen eigenen Kreisverband kann man nicht mehr nur als Trauerspiel bezeichnen. Denn es ist nicht der übliche Denkzettel der Basis an »die da oben«, dass etwas schief läuft. Ein Denkzettel ist es sicher, aber nicht wegen der miesen Umfragewerte der Partei.

Denn Martin Hikel ist abgestraft worden, weil er die Grundwerte der sozialdemokratischen Partei vertreten hat. Zur Erinnerung: Es war die SPD, die in den 30er Jahren bereit war, alles aufzugeben und nicht mit Antisemiten mitzulaufen. Viele Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten haben für ihre Überzeugung ihr Leben gelassen.

Heute kommt der Antisemitismus nicht mehr nur von rechts. Viele linke Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten scheinen nur zu gerne auszublenden, durch wen Jüdinnen und Juden bedroht werden. Und beim linken und/oder islamistischen Antisemitismus scheinen für einige die sozialdemokratischen Werte dann nicht mehr so wichtig zu sein oder – noch schlimmer – umgedeutet zu werden.

Der Landesparteivorsitzende wird demontiert und Solidarität kommt ausschließlich von denjenigen, die wie er in Neukölln dafür kämpfen, dass Hass nicht um sich schlägt. Das sagt viel mehr über »die da oben« in der Partei aus als ihnen lieb sein dürfte.

Solidarisch sind vor allem moderate Muslime und Musliminnen, die genauso unter dem islamistischen Druck und Hass leiden. Sie warnen, werden aber eher demontiert, statt sie anzuhören. Wenn es nicht zur Ideologie passt, wird halt die Expertise infrage gestellt. So wie bei der Neuköllner Integrationsbeauftragten Güner Balci, die genau wie Martin Hikel vor dem radikalen Islam warnt.

Statt über das leidige Thema Antisemitismus zu sprechen, will man lieber den antimuslimischen Rassismus in der Verfassung verankern. Guckt man sich hier die Protagonisten an, ist man ein Schelm, wenn man Böses denkt. Denn seitdem ein offener Antisemit der Linkspartei das Bundestagsmandat in Neukölln direkt gewonnen hat, weht ein noch rauerer Wind aus Neukölln.

Aber denjenigen, die glauben, dass mit der neuen Haltung neue Wählerstimmen gewonnen werden können, rufe ich zu: Die alte Tante SPD ist immer für ihre klare Haltung gewählt worden. Verliert sie ihren Wertekompass, verliert sie sich selber. Und dafür wählt die Partei niemand.

Denjenigen, die meinen, dass Menschen wie Martin Hikel nur Unfrieden säen, empfehle ich, mit einer Kippa durch Neukölln zu laufen. Ich glaube nicht, dass dann noch die Warnungen von Martin Hikel und seinen Mitstreitern infrage gestellt werden. Für unsere Partei hoffe ich, dass Martin Hikel nur eine kleine Pause macht und weiter für unsere demokratischen Werte kämpft. 

Die Autorin ist Vorsitzende des Arbeitskreises jüdischer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten Berlin-Brandenburg.

Meinung

Wie die Kirche beim Thema Iran die Orientierung verliert

Wenn im Nahen Osten die Raketen einschlagen, schlagen in Deutschland zuverlässig die Liturgien an. Dann ertönt immer der gleiche Dreiklang: Deeskalation, Dialog, Gebet. Das ist eine beunruhigende Blindheit gegenüber der Realität des iranischen Regimes, findet unser Autor.

von Daniel Neumann  02.03.2026

Analyse

Geduld ist das Gebot der Stunde

Das iranische Regime hat in der Vergangenheit einen zermürbend langen Atem bewiesen. Auch nach der Tötung seines obersten Führers ist daher Demut und Weitsicht gefragt.

von Nathan Peres  02.03.2026

Kommentar

Die Kotel ist für alle da

Die Klagemauer könnte in Zukunft einzig vom orthodoxen Rabbinat verwaltet werden. Was als Schutz der Heiligkeit verkauft wird, wäre ein Angriff auf religiöse Vielfalt

von Sophie Goldblum  27.02.2026

Meinung

Was Layout verraten kann

Holger Friedrich hat die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung auf den Markt gebracht. Bei der Gestaltung drängen sich merkwürdige Bilder auf. Welche Zielgruppe will er wohl erreichen?

von Marco Limberg  25.02.2026

Meinung

Xavier Naidoo hat allen etwas vorgemacht

Der Popstar hat gerade erst sein Comeback gegeben, da verbreitet er wieder antisemitisch konnotierte Verschwörungsmythen. Spätestens jetzt ist seine angebliche Läuterung ganz und gar unglaubwürdig geworden

von Ralf Fischer  23.02.2026

Kommentar

Eure Masche zieht nicht mehr!

Mittlerweile hat es sich selbst im Kulturbetrieb herumgesprochen, dass die Bigotterie der sogenannten pro-palästinensischen Aktivisten allzu durchschaubar ist, wenn Menschenrechte gepredigt und im gleichen Atemzug »Genozid« und »Boykott« geschrien wird

von Sophie Albers Ben Chamo  22.02.2026

Meinung

Endlich kehrt Ehrlichkeit in die Debatte über die UNRWA ein!

Der CDU-Antrag bringt auf den Punkt, was seit Jahren verdrängt wurde: Palästinensische Gewalt darf natürlich nicht als politisches Instrument akzeptiert werden

von Daniel Neumann  21.02.2026

Essay

Iran ist nicht das islamistische Regime. Iran, das seid ihr!

Eine Verneigung vor dem Mut der freiheitsliebenden Menschen im Iran und in der iranischen Diaspora

von Sarah Maria Sander  19.02.2026

Meinung

Königliches Versagen im Kulturbetrieb

Das renommierte Reina-Sofía-Museum in Madrid setzt eine Schoa-Überlebende vor die Tür. Die Existenz des Juden wird zur Provokation, die Befindlichkeit des Antisemiten zum schützenswerten Gut. Spanien ist verloren!

von Louis Lewitan  19.02.2026