Leah Frey-Rabine

Limmud: Lebenslanges Lernen

Am vergangenen Wochenende trafen sich Jüdinnen und Juden aus aller Welt in Berlin zu Limmud: jung, alt, generationen- und kulturübergreifend, polyglott, quirlig und kreativ – ein großartiges Austauschfestival der jüdischen Vielfalt im Zeichen des Von- und-Miteinander-Lernens. Die Bandbreite der Programmpunkte war, wie immer, enorm, ebenso die Qual der Wahl.

Das Prinzip des lebenslangen Lernens ist im Judentum fest verankert, dank der radikalen Innovation, die zum Erhalt des jüdischen Volkes nach der Zerstörung des Zweiten Tempels die Tora weitgehend neu und fortwährend interpretieren lässt. Aus der Opferkultur wurde eine Kultur der Deutungskunst, die bis heute praktiziert wird und die ein lebenslanges Lernen voraussetzt.

ideal Ich bin mit Büchern groß geworden. Lernen war das höchste Ideal, und Neugier wurde rege unterstützt. Mein Vater, der oft mehrere Bücher auf einmal las, fragte mich nie, was ich in der Schule lernte, sondern, ob ich gute Fragen zu stellen wusste. Ja, und ob! Ich bin bis heute ein wandelndes Fragezeichen, mit breit gefächerten Interessen, die mich von der Opernbühne zur Bima schleuderten, mit Abstechern über Medizin, Sprachwissenschaften, Kampfsport.

Ich liebe das Konzept von Limmud, weil es der ganzen Palette jüdischer Kreativität ein pluralistisches, politisch unabhängiges Forum bietet

Und immer wieder vernehme ich eine recht komische Frage: Wann bist du fertig? Wann hast du ausgelernt? Wie bitte? Ausgelernt? Ich hoffe inbrünstig, nie! Meine Antwort: Vielleicht, wenn man die Kiste in die Erde gibt. Aber fängt dann das Lernen nicht erst richtig an?

Ich liebe das Konzept von Limmud, weil es der ganzen Palette jüdischer Kreativität ein pluralistisches, politisch unabhängiges Forum bietet: in einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts – in der heutigen Zeit ein leider rar gewordenes Gut. Ein gegenseitiges Geben und Nehmen im Sinne von »Tora lischma« (Tora um ihrer selbst willen).

Lernen, um zu lernen, ist die Quintessenz von Limmud. In dem Wort Tora ist (nicht nur) ein wegweisendes Wort versteckt: »tar« (kundschaften). Der Gelehrte Ben Bag Bag sagte: Drehe sie und drehe sie herum, denn alles ist in ihr. Und gerade das tun Limmudniks, mit Begeisterung. Es lebe Limmud!

Die Autorin ist Kantorin, Opernsängerin und Gesangslehrerin in Frankfurt.

Meinung

Droht in Sachsen-Anhalt eine Allianz der Antisemiten?

In Sachsen-Anhalt könnte es zu einer Zusammenarbeit zwischen AfD und BSW, die potenziell gravierende Folgen hat für die jüdische Gemeinschaft

von Igor Matviyets  11.09.2026

Meinung

Wahlkampf in Israel: Schluss mit der Schlammschlacht!

Niemand erwartet, dass Politiker einander mit Samthandschuhen anfassen. Aber eine Wahl in einer Demokratie ist keine Realityshow voller Gekreische

von Sabine Brandes  10.09.2026

Meinung

Gesundheitswesen: Was Deutschland von Israel lernen könnte

Israels Erfolg bei der Digitalisierung des Gesundheitssektors ist kein Hightech-Geheimnis, sondern das Ergebnis klarer politischer Führung

von Jacques Abramowicz  10.09.2026

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  09.09.2026 Aktualisiert

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  08.09.2026

Meinung

Die Wähler sind selbst schuld

Die AfD macht die etablierten Parteien verächtlich und höhlt so die Demokratie aus. Doch die eigentliche Verantwortung für die Misere trägt der Souverän

von Michael Thaidigsmann  08.09.2026

Kommentar

Und nun?

Bloße Empörung über den Wahlsieg der rechtsextremen AfD ist billig und wohlfeil. Es sollte vielmehr über die Gründe ihrer Popularität gesprochen werden. Die Parteien der Mitte müssen endlich aufwachen

von Philipp Peyman Engel  07.09.2026

Kommentar

Warum es eine Brandmauer gegen die Linkspartei braucht

Wenn eine Brandmauer nur auf einer Seite steht, brennt es von der anderen rein. Über diese offene Seite müssen wir reden

von Nelly Eliasberg  06.09.2026

Kommentar

Wladimir Putin setzt auf unsere Langsamkeit

Konsulatsschließungen fangen keine Drohnen ab, Sanktionen schützen keinen Flughafen. Deutschland muss gegenüber Russland endlich eine härtere Gangart einschlagen

von Sergey Lagodinsky  04.09.2026