Nachumi Rosenblatt

Integration braucht Zeit

Nachumi Rosenblatt Foto: Gregor Zielke

Nachumi Rosenblatt

Integration braucht Zeit

Wir können mit Stolz auf die vergangenen 30 Jahre zurückblicken, auch wenn Herausforderungen bleiben

von Nachumi Rosenblatt  07.01.2021 08:44 Uhr

Am 9. Januar 1991 beschloss die Ministerpräsidentenkonferenz, jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion aufzunehmen. Das bedeutete einen Zuwachs der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland um 550 Prozent.

Eine Minderheit stand vor der gigantischen Herausforderung, eine Mehrheit zu integrieren. Heute können wir mit Stolz auf die vergangenen 30 Jahre zurückblicken – wenngleich das Projekt Integration noch nicht ad acta gelegt werden kann.

erfolgskonzept Das Erfolgskonzept ist die aktive Einbindung in das Gemeindeleben: Betroffene wurden schnell zu Beteiligten. Sie übernahmen Verantwortung in ehrenamtlichen Initiativen wie Tanzgruppen, Chören oder Jugendzentren, aber auch in verschiedenen Projekten der Jugend- und Sozialarbeit.

Mittlerweile sind Zuwanderer in allen Gemeinde­abteilungen und nahezu allen Gemeindevorständen vertreten. Jüdische Gemeinden waren und sind dank ihres ehrenamtlichen Netzwerks der soziale Empfangsraum, den es braucht, damit Menschen ankommen können.

Der Umstand, dass sich die älteren Migranten trotz akademischer Abschlüsse im Aufnahmeland am Boden sozialer Hierarchie befinden, bleibt eine Daueraufgabe.

Die junge Generation ist als Leistungsträger in der Mitte der deutschen Gesellschaft und Arbeitswelt angekommen. Kinder, Jugendliche und Studierende, die heute unsere Ferienfreizeiten und Seminare besuchen, verstehen sich als jüdische Bürgerinnen und Bürger Deutschlands, werden aber bis heute nicht immer von der Mehrheitsgesellschaft als selbstverständlicher Teil gesehen.

PROFESSIONALISIERUNG Der Umstand, dass sich die älteren Migranten trotz akademischer Abschlüsse im Aufnahmeland am Boden sozialer Hierarchie befinden, bleibt eine Daueraufgabe. Ihre erworbenen Kompetenzen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen werden oft nicht anerkannt.

Auch hat die Zuwanderung in der Jugend- und Sozialarbeit einen Prozess der Professionalisierung bewirkt. Neue Angebote wurden geschaffen oder bestehende ausdifferenziert. Die vielfältigen Leistungen, die durch jüdische Gemeinden und Organisationen wie die Zentralwohlfahrtsstelle (ZWST) im Rahmen der Integration erbracht werden, sollten auch außerhalb der jüdischen Community mehr Beachtung finden und als Vorbild für die Integration anderer Zuwanderergruppen dienen.

Doch bei aller Euphorie sollten wir stets darauf verweisen: Integration braucht Zeit.

Der Autor ist Leiter des Kinder-, Jugend- und Familienreferats der ZWST.

Meinung

Diaspora-Schmerz

So sehr die Angst und Sorge um Familie und Freunde in Israel auch an einem zehren – haben wir überhaupt das Recht dazu, wo wir doch in Sicherheit sind?

von Sophie Albers Ben Chamo  30.03.2026

Meinung

Deutsche Nahostpolitik: Es ist Zeit für einen Kurswechsel

Die wirtschaftliche Dynamik der Abraham-Abkommen ist längst sichtbar. Deutschland sollte diese Initiative nicht begleiten, sondern anführen, fordert der CEO von ELNET

von Carsten Ovens  29.03.2026

Meinung

Das Gedenken schützen

Ein linksextremes Bündnis plant zum Jahrestag der Befreiung Buchenwalds eine antisemitische Kundgebung. Thüringens Juden wehren sich gegen die Provokation

von Reinhard Schramm, Marek Sierka  29.03.2026

Essay

Wahre Freiheit gibt es nicht geschenkt

Warum Sicherheit ohne Freiheit weder für Israel noch für den Iran eine Zukunft bietet. Gedanken zu Pessach von Rabbinerin Elisa Klapheck

 29.03.2026

Essay

Keine Empathie für Israel, nirgends

Was mich an der deutschen Reaktion auf den Iran-Krieg irritiert

von Ralf Fücks  27.03.2026

Essay

Wie mit dem Völkerrecht Israel delegitimiert wird

Der Angriff auf den Iran sei eindeutig völkerrechtswidrig, sagen zahlreiche Experten. Sie machen es sich zu einfach. Denn es spricht viel dafür, dass Israel ein Recht auf präventive Selbstverteidigung hat

von Monika Polzin  27.03.2026

Meinung

EU-Parlament: Fällt die Brandmauer?

Nach einem Medienbericht haben sich Vertreter der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament mit rechtsextremen Kräften zur Migrationspolitik abgestimmt. Diese Enthüllung wirft viele Fragen auf

von Michael Thaidigsmann  25.03.2026

Meinung

Rheinland-Pfalz: Ein Wahlergebnis, das beunruhigt

Bei den Landtagswahlen schnitten AfD und Linkspartei bei den unter 25-Jährigen am besten ab. Für viele junge Jüdinnen und Juden ist das eine besorgniserregende Entwicklung

von Sefora Rosenberg  25.03.2026

Gastkommentar

Wir stellen uns hinter Gregor Gysi

Der Politiker wird wegen Aussagen zur Israelfeindlichkeit in seiner Partei aus den eigenen Reihen angefeindet. Zwei Grünen-Bundestagsabgeordnete kritisieren das als Hetzkampagne autoritärer Strömungen in der Linken

von Marlene Schönberger, Max Lucks  25.03.2026