Jan Feldmann

Eine Revolution namens Schabbat

Jan Feldmann Foto: privat

Jan Feldmann

Eine Revolution namens Schabbat

Wir alle brauchen einen Schabbat. Selbst dann, wenn wir nicht religiös sind

von Jan Feldmann  19.11.2025 21:35 Uhr

Wir alle brauchen einen Schabbat. Selbst dann, wenn wir nicht religiös sind. Die Idee des bewussten Innehaltens, des Sich-Lösens aus dem permanenten Strom der Zeit, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Ich ertappe mich selbst immer wieder dabei, wie mich der Algorithmus der sozialen Netzwerke in einen digitalen Strudel zieht.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Dieser endlose Feed aus Antisemitismus, Krieg und Empörung – hin und wieder unterbrochen von saccharinsüßen Katzenvideos und aufmunternden Posts gegen Hass. Dazu eine Flut von Kommentaren, die längst zu einer eigenen, makabren Kunstform geworden ist. Man liest und regt sich auf. Fast reflexartig. Und manchmal klickt man auf die Profile und denkt: Diese Person könnte auch mein Nachbar sein. Der Algorithmus kennt mich längst besser als ich mich selbst. Er weiß, womit er mich triggert, womit beruhigt.

Kein Handy, kein Laptop, keine Nachrichtenflut

Und während ich scrolle, verliere ich genau das, was der Schabbat gibt: Gegenwart. An Jom Kippur, dem Versöhnungstag, habe ich 25 Stunden lang alles beiseitegelegt – kein Handy, kein Laptop, keine Nachrichtenflut. Ich dachte, es wäre unmöglich, doch es hat funktioniert. Mehr noch: Es tat gut. Es war, als würde ich den Kopf aus dem reißenden Strom heben, um endlich wieder Luft zu holen.

Im Judentum gilt der Schabbat als Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet wird. Doch es geht um weit mehr: Es ist ein Akt der Selbstbegrenzung, eine wöchentliche Erinnerung daran, dass Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen und am siebten geruht hat. Ein Symbol für das Recht des Menschen, nicht nur zu funktionieren, sondern zu sein. Wir alle – religiös oder nicht – sollten etwas von dieser Idee zurückerobern.

Einen Tag ohne Bildschirm. Einen Tag, an dem man nicht nur reagiert, sondern einfach ist. In einer Zeit, in der sich die Informationen in Sekundenschnelle ändern und Stille fast verdächtig wirkt, wäre der Schabbat eine kleine Revolution. Mein Appell an alle, die sich von der Informationsflut überrollt fühlen: Probiert es aus. Lasst für einen Tag die digitale Welt ruhen. Die Erde dreht sich auch ohne uns weiter – und vielleicht, für ein paar Stunden, auch wieder etwas leiser.

In diesem Sinne: Schabbat Schalom!

Analyse

Geduld ist das Gebot der Stunde

Das iranische Regime hat in der Vergangenheit einen zermürbend langen Atem bewiesen. Auch nach der Tötung seines obersten Führers ist daher Demut und Weitsicht gefragt.

von Nathan Peres  02.03.2026

Kommentar

Die Kotel ist für alle da

Die Klagemauer könnte in Zukunft einzig vom orthodoxen Rabbinat verwaltet werden. Was als Schutz der Heiligkeit verkauft wird, wäre ein Angriff auf religiöse Vielfalt

von Sophie Goldblum  27.02.2026

Meinung

Was Layout verraten kann

Holger Friedrich hat die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung auf den Markt gebracht. Bei der Gestaltung drängen sich merkwürdige Bilder auf. Welche Zielgruppe will er wohl erreichen?

von Marco Limberg  25.02.2026

Meinung

Xavier Naidoo hat allen etwas vorgemacht

Der Popstar hat gerade erst sein Comeback gegeben, da verbreitet er wieder antisemitisch konnotierte Verschwörungsmythen. Spätestens jetzt ist seine angebliche Läuterung ganz und gar unglaubwürdig geworden

von Ralf Fischer  23.02.2026

Kommentar

Eure Masche zieht nicht mehr!

Mittlerweile hat es sich selbst im Kulturbetrieb herumgesprochen, dass die Bigotterie der sogenannten pro-palästinensischen Aktivisten allzu durchschaubar ist, wenn Menschenrechte gepredigt und im gleichen Atemzug »Genozid« und »Boykott« geschrien wird

von Sophie Albers Ben Chamo  22.02.2026

Meinung

Endlich kehrt Ehrlichkeit in die Debatte über die UNRWA ein!

Der CDU-Antrag bringt auf den Punkt, was seit Jahren verdrängt wurde: Palästinensische Gewalt darf natürlich nicht als politisches Instrument akzeptiert werden

von Daniel Neumann  21.02.2026

Essay

Iran ist nicht das islamistische Regime. Iran, das seid ihr!

Eine Verneigung vor dem Mut der freiheitsliebenden Menschen im Iran und in der iranischen Diaspora

von Sarah Maria Sander  19.02.2026

Meinung

Königliches Versagen im Kulturbetrieb

Das renommierte Reina-Sofía-Museum in Madrid setzt eine Schoa-Überlebende vor die Tür. Die Existenz des Juden wird zur Provokation, die Befindlichkeit des Antisemiten zum schützenswerten Gut. Spanien ist verloren!

von Louis Lewitan  19.02.2026

Meinung

Ein Zufall kommt selten allein

Die AfD hat ihren Bundesparteitag auf den 100. Jahrestag eines historischen Treffens der NSDAP gelegt. Das Spiel mit historischen Parallelen ist Teil der Strategie der rechtsextremen Partei

von Ralf Balke  18.02.2026