Meinung

Die Täter müssen sich schämen

Daniela Fabian Foto: Misha Mordinson

Meinung

Die Täter müssen sich schämen

Ein Missbrauchsskandal erschüttert derzeit die jüdische Gemeinschaft Deutschlands. Wer solche Taten besser verhindern will, muss Betroffene in die Lage versetzen, angstfrei über ihre schrecklichen Erfahrungen sprechen zu können

von Daniela Fabian  29.01.2026 12:28 Uhr

Ein ehemaliger Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ist wegen eines sexuellen Übergriffs verurteilt worden. Dass es immer wieder zu sexuellem Missbrauch kommt, ist leider nichts Neues. Dass dieser auch im religiösen Umfeld geschieht, oftmals gepaart mit der Ausnutzung der Vertrauensposition, die etwa ein Rabbiner innehat, leider auch nicht. Der Umgang damit ist beinahe derselbe, egal ob sich die Vorfälle in der großen weiten Welt oder in der kleineren jüdischen abspielen.

Lesen Sie auch

Auch im Umgang mit den Betroffenen, die in der Regel Frauen sind, gibt es nur geringfügige Unterschiede. Es dauert meist lange, bis sie sich melden und ihre Erlebnisse jemandem anvertrauen. Warum ist das so? Was hindert Betroffene daran, sich jemandem gegenüber zu öffnen, um die große Last, unter der sie leiden, zu lindern?

Wir sind alle aufgefordert, uns zu überlegen, was wir tun können.

Einer der Gründe für das lange Schweigen ist die Scham über das ihnen Angetane, die die Opfer sexuellen Missbrauchs oft für den Rest ihres Lebens mit sich tragen. Die große Frage, die sich mir hier stellt, ist: Warum schämen sich die Betroffenen, sich zu melden oder Anzeige zu erstatten? Sie haben sich nichts zuschulden kommen lassen.

Schämen müssten sich vielmehr die Täter. Sie haben Menschen gedemütigt, ihr Leben negativ geprägt. Es kann nicht sein, dass sie ihr bisheriges Leben weiterführen, während die Betroffenen unter ihren Taten leiden. Es muss sich etwas ändern.

Lesen Sie auch

Die Unterstützung der Opfer muss zunehmen, sie müssen Möglichkeiten bekommen, ihre Scham abzulegen und ihre negativen Erfahrungen teilen zu können – ohne sich schuldig zu fühlen, weil sie erzählt haben, was mit ihnen gemacht wurde, weil sie sich geöffnet haben. Wir sind alle aufgefordert, uns zu überlegen, was wir tun können, um dafür zu sorgen, dass sich diejenigen schämen, die es wirklich müssen: die Täter.

Die Autorin ist Sozialarbeiterin und Lehrerin an der Lauder Beth-Zion Schule in Berlin.

Meinung

Was würden Saba und Safta sagen?

Sie würden uns zurufen: »Wehrt euch gegen diesen Hass! Schließt euch mit denen zusammen, die in Deutschland bisher schweigen, aber dennoch die Mehrheit darstellen«

von Avitall Gerstetter  28.01.2026

Meinung

Ein Schmock kommt selten allein

Im »Dschungelcamp« scheint Gil Ofarim in bester Gesellschaft. Doch was hat er aus seiner Lüge in der »Davidstern-Affäre« gelernt?

von Ayala Goldmann  27.01.2026

Meinung

»Zeit Geschichte« stellt sich in eine unsägliche Tradition

Das Titelbild der neuen Ausgabe des Hefts reduziert den Nahostkonflikt auf ein simples Gut-gegen-Böse-Schema. Immer wieder nutzen renommierte Medien problematische Bildsprache, wenn es um Israel geht

von Nikolas Lelle  27.01.2026

Meinung

Israel hat seine Zukunft zurück

Ran Gvili, die letzte Geisel in Gaza, wurde geborgen und nach Israel überführt

von Sabine Brandes  26.01.2026

Menachem Z. Rosensaft

Deutsche Bahn auf Abwegen

Eine neue Bahntrasse soll in nur 400 Meter Abstand an der Verladerampe des ehemaligen Todeslagers Bergen-Belsen vorbeiführen. Der Umgang mit diesem historischen Ort ist skandalös

von Menachem Z. Rosensaft  22.01.2026

Meinung

Jugendwerk endlich gründen

Seit vielen Jahren wird immer wieder betont, wie wichtig die Institutionalisierung des deutsch-israelischen Jugendaustauschs wäre. Höchste Zeit, die Idee in die Tat umzusetzen

von Joshua Schultheis  21.01.2026

Meinung

Liebe Iraner, wir fühlen mit euch!

Unsere Autorin wünscht sich, dass das brutale Regime in Teheran fällt. Ein offener Brief an die mutigen Menschen im Iran

von Sabine Brandes  21.01.2026

Meinung

Friedensrat für Gaza oder Kriegsrat gegen Israel?

In Zukunft sollen ausgerechnet die Hamas-Unterstützerstaaten Katar und die Türkei im Friedensrat über den Gazastreifen mitbestimmen dürfen. Für Israel sollte das eine Warnung sein, sich unabhängiger von den USA zu machen

von Daniel Neumann  21.01.2026

Meinung

Einladung, Empörung, Ausladung

Dass der Iran am Weltwirtschaftsforum in Davos zunächst willkommen war und kurz darauf wieder ausgeladen wurde, ist ein Lehrstück darüber, wie Menschenrechte erst dann zählen, wenn sie zum Reputationsrisiko werden

von Nicole Dreyfus  19.01.2026