Meinung

Die Kirche schafft sich ab

Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), beim Eröffnungsgottesdienst des 39. Evangelischen Kirchentages im April Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Meinung

Die Kirche schafft sich ab

Jetzt soll ausgerechnet der Antizionismus helfen, den gesellschaftlichen Niedergang der Kirche zu stoppen

von Josias Terschüren  10.07.2025 22:38 Uhr

Ich gratuliere dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und ihrem Vorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm zu ihrer jüngsten »Erklärung zu Palästina und Israel«. Im Kampf um die eigenhändige Destruktion der Kirche ist man damit einen wichtigen Schritt vorangekommen. Besser hätte niemand auf dem Weg ins moralische Nirvana den Turbo zünden können.

Die Kirche schafft sich ab. Jetzt soll ausgerechnet der Antizionismus helfen, den gesellschaftlichen Niedergang der Kirche zu stoppen. Kommt ja auch gut an. Die Anbiederung an den Zeitgeist gebietet der auf Sand bauenden Kirche, auch auf den jüngsten woken Trend aufzuspringen: den antisemitischen Palästinenser-Kult. Das Jesus-Kind auf der Keffiyeh hatten wir schon. Jetzt wird sich munter in den Chor der Israelkritiker eingereiht.

Die Kirche folgt ihrem neuen Lieblingsgötzen, dem humanistischen Menschen- und Völkerrecht, willig in die Abgründe des modernen Judenhasses. Natürlich nicht, ohne den Antisemitismus von heute unterwegs noch flugs heiligzusprechen. Denn eines möchte man als Geistlicher von Rang natürlich nicht sein: ein Antisemit.

Teil der Christenlehre

So geißelt der ÖRK den im Überlebenskampf befindlichen jüdischen Staat mit Anschuldigungen von Apartheid und Völkermord und schreibt sich, wenn man schon dabei ist, sämtliche Forderungen der antisemitischen Israel-Boykott-Bewegung BDS auf die Fahnen. »Kauft nicht bei Juden!« wird wieder Teil der Christenlehre. Die 30er sind zurück, dieses Mal global. Wieder mit dem Segen der Kirche.

Doch nach erfolgter Geißelung reicht die internationale Ökumene barmherzig auch gleich noch das Pflaster: »Unbedingte Solidarität mit Jüdinnen und Juden in aller Welt« und die Differenzierung zwischen »dem jüdischen Volk, unseren Glaubensgeschwistern, und den Handlungen der Regierung Israels«.

Ich höre förmlich die Seufzer der Erleichterung aus jüdischen Kehlen weltweit. Endlich können sie wieder aufatmen und sich sicher fühlen: Denn das christliche Establishment spricht zwar die Sprache ihrer Feinde, liefert sie angesichts von globalem Judenhass wie in den 30ern ans Messer, aber ist qua Selbstauskunft Freund. Ach, welche Schizophrenie! Darauf hat die jüdische Welt gewartet. Tausende Jahre Qual, Verfolgung, Tod, Entrechtung und Leid unter christlichem Antisemitismus haben endlich christliche Antisemiten mit Anstand hervorgebracht. Splitterziehende Augenärzte mit Balken im Auge! Es ist die pure christliche Liebe, die aus diesem Judas-Kuss der Ökumene strömt.

Große Mehrheit

Wer erklärt Bedford-Strohm und seinem Weltkirchenrat, dass die israelische Regierung nicht zum Sündenbock taugt, weil sie allen Diskussionen und Demonstrationen zum Trotz vom Volk demokratisch gewählt wurde und in ihrem Vorgehen gegen die Hamas und den Iran von der großen Mehrheit der Israelis unterstützt wird?

Wer erklärt ihm, dass der Gaza-Krieg wegen des Massakers vom 7. Oktober 2023 begann, das der ÖRK zur besseren Nachvollziehbarkeit seiner Ausführungen direktemang unterschlagen hat und gegen das der jüdische Staat sich um des eigenen Überlebens willen zur Wehr setzen musste?

Wie kann man nur ausgerechnet Israel verübeln, das »Nie wieder« wehrhaft zu verteidigen? Das ist sein Gründungszweck. Wer klärt Bedford-Strohm über das Schicksal der israelischen Geiseln auf, für die die christliche Kirche kein Wort der Barmherzigkeit und Fürsprache übrig hat?

Begebenheit aus der Bibel

In einer Zeit, in der Christen in Syrien und Nigeria reihenweise von muslimischen Fanatikern abgeschlachtet werden und die Kirche in Europa im Rekordtempo schrumpft, kritisiert man den einzigen jüdischen Staat, der ums Überleben kämpft und dabei die westliche Welt und ihre ursprünglich jüdisch-christlichen Werte gegen islamischen Terror verteidigt. Es ist ein Kampf, den die Kirche noch nicht einmal aufgenommen hat.

Das erinnert mich an eine Begebenheit aus der Bibel, als die Genossen Simsons den Helden gefesselt in die Hand der Feinde auslieferten, obwohl er für sie kämpfte.

Die gleiche Feigheit, Verdorbenheit, Heuchelei und Schwäche sprechen heute aus der Erklärung des ÖRK. Nein, wir sind keine Antisemiten, nein, wir wollen nicht selbst über die Juden herfallen, wir sind natürlich unbedingt solidarisch, während wir sie fesseln, um sie ihren Feinden auszuliefern. Wer braucht noch Feinde, wenn er solche Freunde hat?

Der Autor ist Pastor und Leiter für Politik und Gesellschaft bei Christen an der Seite Israels e.V.

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Safed

Festgenommene Hisbollah-Terroristen in zivilem Krankenhaus in Nordisrael behandelt

Im Ziv Medical Center in Safed waren die libanesischen Patienten einem Zeitungsbericht zufolge gefesselt und wurden rund um die Uhr von Soldaten bewacht

 19.06.2026

Fußball

»Ich weiß, wer Weltmeister wird«

Uri Geller über die Weltmeisterschaft, den Gewinner des Turniers und seinen fatalen Einfluss auf einen verschossenen Elfmeter bei der EM 1996

von Detlef David Kauschke  19.06.2026

Jerusalem

Ehemalige Geisel berichtet von sexuellem Missbrauch durch Hamas-Terroristen

In einem Gespräch mit Israels First Lady Michal Herzog schildert der junge Israeli mehrere Übergriffe

 19.06.2026

Umfrage

Mehrheit der Israelis misstraut Trump bei Iran-Abkommen

Was denken Bürger über die Wahrung der Interessen des jüdischen Staates durch den amerikanischen Präsidenten? Wie sehen sie Ministerpräsident Netanjahus Rolle in Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt?

 19.06.2026

Berlin

Merz lehnt Apartheid-Vergleich entschieden ab

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat Israel mit einem Apartheid-System verglichen. Merz widerspricht sehr deutlich

 18.06.2026

Washington

US-Vize Vance verbittet sich israelische Kritik an Trump

Aus der israelischen Regierung wird Kritik laut – nicht nur am Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran, sondern auch an Präsident Trump. Dessen Vize kann mit damit allerdings gar nichts anfangen

 18.06.2026

Nachrichten

Quallen, Rauchen, Gesetz

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  18.06.2026

BDS

Boykottversuch gegen israelische Stadtbahn gescheitert

Eine spanische Gewerkschaft fordert von der Firma CAF, die Arbeiten an den Tel Aviver Wagen einzustellen. Doch die weigert sich standhaft

von Sabine Brandes  18.06.2026