Meinung

Die Columbia und der Antisemitismus

Sarah Thalia Pines lebt in New York. Foto: © Elena Mudd

Meinung

Die Columbia und der Antisemitismus

Ein neuer Bericht offenbart: An der US-Eliteuniversität sind die Nahoststudien ideologisch einseitig und jüdische Studenten nicht sicher. Es ist ein Befund, der ratlos macht

von Sarah Thalia Pines  22.12.2025 17:02 Uhr

In dem Text »Selbstemanzipation« aus dem Jahr 1882 beschrieb Leon Pinsker den Antisemitismus als unbegreifliche Pathologie. »Als Psychose ist sie hereditär, und als eine seit zweitausend Jahren vererbte Krankheit ist sie unheilbar«, schrieb der zionistische Soziologe. Ähnlich ratlos macht der Abschlussbericht der Antisemitismus-Taskforce der Columbia University – es ist der letzte von vieren.

Letztendlich ist hier nichts überraschend. Doch nur die wenigsten wollten es glauben, tun es wahrscheinlich immer noch nicht: An der Columbia ist die Situation für zionistische Juden und Israelis seit dem 7. Oktober 2023 bedrohlich, die Nahoststudien sind ideologisch einseitig und Professoren durch die Bank explizit anti-zionistisch eingestellt. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel war es ausgehend von der Universität in New York landesweit zu anti-israelischen und antisemitischen Protesten gekommen, an denen Studenten und Lehrende beteiligt waren.

Die Columbia University ist ein Spiegel der politischen Spaltung der amerikanischen Gesellschaft.

Der Befund der Taskforce: Jüdische Studenten werden und wurden diskriminiert und gemobbt, weil sie jüdisch sind, ob sie nun aus Israel kommen oder nicht. Sie werden – oft mitten im Unterricht – als Mörder bezeichnet, als Genozid-Befürworter, als Kolonialisten.

Die Columbia University ist ein Spiegel der politischen Spaltung der amerikanischen Gesellschaft. Wer als konservativ oder reaktionär gilt, liebt Trump und damit Israel. Wer progressiv ist, ist anti-zionistisch und leider auch antisemitisch.

Lesen Sie auch

Der Angriff auf Juden an amerikanischen Universitäten steht nicht nur für Antisemitismus, sondern auch für den Hass auf westliche Werte – eine Ideologie, die als Ausgeburt unterdrückerischer weißer Vorherrschaft interpretiert werden kann und endlich bekämpft werden muss. Irrerweise gibt es in den USA nicht wenige Juden, die den Bericht der Taskforce für korrupt halten – ohne ihn überhaupt gelesen zu haben – und behaupten, er sei von der Trump-Regierung gekauft. Das ist so unbegreiflich wie der Antisemitismus selbst.

Die Autorin ist Literaturwissenschaftlerin und freie Journalistin in New York.

Meinung

Hoffentlich wird Viktor Orbán abgewählt

Am 12. April stehen in Ungarn Wahlen an. Unter seinem langjährigen Ministerpräsidenten ist das Land zu einem russischen U-Boot in der Europäischen Union geworden

von Joshua Schultheis  12.04.2026 Aktualisiert

Auszeichnung

Olaf Scholz bekommt die Leo-Baeck-Medaille

Das in New York ansässige Leo-Baeck-Institut würdigt den Altbundeskanzler. Laudator soll der frühere US-Außenminister Antony Blinken sein

 10.04.2026

Ukraine

Selenskyj: »Pessach handelt vom Sieg der Freiheit«

Der ukrainische Präsident empfängt zu Pessach Rabbiner in Kyjv und wendet sich mit einer Grußbotschaft an Juden in der gesamten Welt

von Eugen El  07.04.2026

Netflix-Dokumentation

Der Mann, der die Chili Peppers Red Hot machte

Man kann ohne weiteres behaupten, dass die Rockwelt ohne Hillel Slovak weniger bunt wäre. Eine Streaming-Doku hat dem in Israel geborenen ersten Gitarristen der Chili Peppers ein Denkmal gesetzt

von Richard Blättel  07.04.2026

Großbritannien

Brandanschlag in London: Untersuchungshaft für Verdächtige

Mehrere Krankenwagen eines jüdischen Rettungsdienstes in Golders Green werden in Brand gesetzt. Vor Gericht erschienen nun drei Verdächtige

 04.04.2026

USA

So wild wie Doja Cat

Sie ist der einzige weibliche jüdische R&B-Superstar – und eine der erfolgreichsten Rapperinnen unserer Zeit

von Sarah Thalia Pines  04.04.2026

London

Jüdische Londoner fühlen sich von Aktivisten eingeschüchtert

Rund 40 Personen seien in ein jüdisch geprägtes Wohngebiet gezogen, hätten Parolen wie »Völkermord« skandiert und gefordert, der Staat Israel müsse verschwinden, sagen Augenzeugen

 01.04.2026

Nepal

Sederabend auf Rekordniveau

Wie Kathmandu zur Bühne einer der größten Pessachfeiern der Welt wurde

von Matthias Messmer  31.03.2026

Winnipeg

Jüdischer Anti-Zionist wird Chef der sozialdemokratischen NDP

Avi Lewis delegitimiere einen wesentlichen Teil jüdischer Identität, sagen jüdische Organisationen in Kanada

 31.03.2026