Meinung

Deutsches Know-how in Terrordrohnen

Sarah Cohen-Fantl Foto: privat

Meinung

Deutsches Know-how in Terrordrohnen

Die Hisbollah nutzt für ihre Angriffe auf Israel auch Bauteile »Made in Germany«. Ist das diese Staatsräson, von der immer alle reden?

von Sarah Cohen-Fantl  28.08.2024 14:29 Uhr

Seit dem 7. Oktober 2023 gibt es einige Wörter, die ich kaum mehr ertragen kann. Ganz weit vorne mit dabei: Staatsräson. Jetzt wird sich der eine oder andere ungläubig die Augen reiben, sind doch Wörter wie Intifada, Apartheid und Freiheitskampf noch deutlich schlimmer. Doch bei der Staatsräson – Deutschlands Verantwortung für die Sicherheit Israels – scheint es sich genau wie beim »Nie wieder« um eine gut gemeinte, aber leider oft hohle Phrase zu handeln.

Nicht nur, dass der deutsche Staat im April beim historisch ersten direkten Angriff des islamistischen Regimes im Iran auf Israel bei der Verteidigung nicht geholfen hat. Auch als vor ein paar Wochen die Lage im Nahen Osten unmittelbar vor einer totalen Eskalation stand, kam vom deutschen Verteidigungsminister die Aussage, dass die Entsendung von Bundeswehrsoldaten nach Israel »gerade völlig unvorstellbar« sei.

Es bleibt die Frage, wie man verhindern kann, dass Terrorgruppen in Zukunft weiterhin »deutsche Qualität« nutzen können.

Als schließlich am Sonntagmorgen ein Hisbollah-Großangriff auf Tel Aviv und Umgebung von der israelischen Armee vereitelt werden konnte, schoss die Terrororganisation aus dem Libanon heraus mehr als 300 Raketen und Drohnen in den Norden Israels. Ein Bewohner fand eine der Hisbollah-Drohnen und staunte nicht schlecht, als er statt Russisch, Arabisch oder Chinesisch das weltbekannte und weit respektierte Qualitätssiegel »Made in Germany« auf einem Bauteil sah. Ist das Teil dieser Staatsräson, von der immer alle reden?

Zugespitzt ließe sich sagen: Anstatt dass das einstige Täterland seiner Staatsräson vollumfänglich nachkommt, befähigt es indirekt Terroristen zu ihren Auslöschungsversuchen Israels. Der deutsche Hersteller des Drohnen-Bauteils beteuert zwar, dass er nichts von dessen Verwendung gewusst habe. Doch es bleibt die Frage, wie man verhindern kann, dass Terrorgruppen wie die Hisbollah in Zukunft weiterhin »deutsche Qualität« nutzen können, um Juden auszulöschen. Eine Antwort darauf sollten die Verantwortlichen in Deutschland so schnell wie möglich geben.

Die Autorin ist Journalistin und lebt in Israel.

Meinung

Digitale Gewalt: Gutes Gesetz mit Hürden

Die Bundesregierung plant ein Gesetz gegen Hass und Hetze im Internet. Damit es wirken kann, sollte aber von Anfang an die Finanzierung von Anlaufstellen für Betroffene mitgedacht werden

von Pawel Erenburg  03.06.2026

Meinung

Libanon: Zwischen Anschein und Wirklichkeit

Wer den aktuellen Konflikt verstehen will, darf den Zedernstaat nicht nur als tragisches Opfer Israels lesen

von Jacques Abramowicz  03.06.2026

Erwiderung

An allem sind ... oder, Herr Ahmetović?

Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetović macht keinen Hehl daraus, wen er zum Hauptverantwortlichen für nahezu sämtliche Probleme, Konflikte und Krisen in Nahost erklärt

von Sacha Stawski  02.06.2026

Meinung

Sauna der Toleranz - aber nur ohne Davidstern

Zwei Frauen werden in Barcelona wegen eines jüdischen Symbols verhört, als »Zionistinnen« aussortiert und schließlich hinausgeworfen – im Namen einer Offenheit, die sich selbst ad absurdum führt

von Sabine Brandes  02.06.2026

Kommentar

Tote Juden stören nicht

Unsere Erinnerungskultur liebt Stolpersteine, aber stolpert nicht über den Antisemitismus vor der eigenen Haustür. Wie der Kampf gegen Judenhass am Nekrosemitismus scheitert

von Nelly Eliasberg  31.05.2026

Meinung

Kein Boykott – nur Abscheu

Die irische Schriftstellerin Sally Rooney möchte ihren neuesten Roman doch auf Hebräisch übersetzen lassen. Zuvor sortiert sie aber Israelis aus - und das Mitgefühl gleich mit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Meinung

Fertig Idylle!

Am Mittwoch sticht in der Winterthurer Innenstadt ein Mann auf vorbeilaufende Passanten ein und schreit »Allahu Akbar« – ein Weckruf für die Schweiz

von Nicole Dreyfus  28.05.2026

Meinung

Die staatliche Förderung von »Islamic Relief« ist unentschuldbar

Die NGO ist eng mit der islamistischen Muslimbruderschaft verflochten. Es ist ein Skandal, dass das Auswärtige Amt die Organisation dennoch jahrelang mit Millionen Euro unterstützte – und nun zu den Vorwürfen schweigt

von Ralf Fischer  28.05.2026

Kommentar

Was hat Künstliche Intelligenz mit Antisemitismus zu tun?

Ein Zwischenruf von dem Holocaust-Überlebenden Roman Haller

von Roman Haller  27.05.2026