Michael Thaidigsmann

Das Europaparlament und die »Terror-Rente«

Michael Thaidigsmann Foto: privat

Der Europawahlkampf hat begonnen. Abgeordnete, die sonst recht gut zusammenarbeiten, liefern sich nun heftige Wortgefechte. Der Grund? Vergangene Woche lehnte das Europaparlament in Straßburg zwei Änderungsanträge zu den Finanzhilfen für die Palästinenser ab.

Die Europäische Kommission wurde darin aufgefordert, dafür zu sorgen, dass weder direkt noch indirekt EU-Gelder an Personen fließen, die in Terroranschläge verwickelt sind oder mit Terroristen Kontakte pflegen. Im Westjordanland und in Gaza erhalten Familien von inhaftierten oder getöteten Terroristen eine »Märtyrerrente« aus dem Haushalt der Autonomiebehörde (PA).

Zwar kommt dieses Geld nicht von der EU direkt. Aber da Brüssel für einen beträchtlichen Teil des Budgets der PA in Ramallah aufkommt, gibt es seit Langem Forderungen nach einer klaren Haltung. Der FDP-Abgeordnete Moritz Körner formulierte es so: »Entweder ist Schluss mit dem Märtyrerfonds der Palästinensischen Autonomiebehörde oder es ist Schluss mit EU-Geld!«

Warum es die EU nicht hinbekommt, die obszöne Politik der Terrorfinanzierung durch die PA zu beenden, ist eine berechtigte Frage.

Doch im Plenum fand der Antrag Körners und anderer Abgeordneter, Finanzhilfen an klare Bedingungen zu knüpfen, keine Mehrheit. Noch überraschender: Auch Abgeordnete aus den Reihen von SPD, Grünen und Linken stimmten mit Nein. Ein Antrag, in dem gefordert wurde, EU-Hilfen für Drittstaaten an eine Anerkennung des Existenzrechts Israels zu knüpfen, wurde abgeschmettert.

Stattdessen flogen anschließend rhetorisch die Fetzen: Purer »Wahlkampf« mit einem »schlecht formulierten Antrag« sei das, wetterte ein grüner Abgeordneter. Mag sein.

Warum es die EU aber nicht hinbekommt, die obszöne Politik der Terrorfinanzierung durch die PA zu beenden, ist eine berechtigte Frage. Und wer einen Antrag als schlecht formuliert betrachtet, könnte ja versuchen, einen besseren zu formulieren, Freiwillige vor! Obwohl: Eine Mehrheit im Parlament wäre selbst dann fraglich, denn die Palästinenser haben bei vielen in Brüssel einen Stein im Brett, Terror-Rente und Skandale beim Hilfswerk UNRWA hin oder her.

Der Autor ist Korrespondent in Brüssel.

Essay

Keine Empathie für Israel, nirgends

Was mich an der deutschen Reaktion auf den Iran-Krieg irritiert

von Ralf Fücks  27.03.2026

Kommentar

Wie mit dem Völkerrecht Israel delegitimiert wird

Der Angriff auf den Iran sei eindeutig völkerrechtswidrig, sagen zahlreiche Experten. Sie machen es sich zu einfach. Denn es spricht viel dafür, dass Israel ein Recht auf präventive Selbstverteidigung hat

von Monika Polzin  27.03.2026

Meinung

EU-Parlament: Fällt die Brandmauer?

Nach einem Medienbericht haben sich Vertreter der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament mit rechtsextremen Kräften zur Migrationspolitik abgestimmt. Diese Enthüllung wirft viele Fragen auf

von Michael Thaidigsmann  25.03.2026

Meinung

Rheinland-Pfalz: Ein Wahlergebnis, das beunruhigt

Bei den Landtagswahlen schnitten AfD und Linkspartei bei den unter 25-Jährigen am besten ab. Für viele junge Jüdinnen und Juden ist das eine besorgniserregende Entwicklung

von Sefora Rosenberg  25.03.2026

Gastkommentar

Wir stellen uns hinter Gregor Gysi

Der Politiker wird wegen Aussagen zur Israelfeindlichkeit in seiner Partei aus den eigenen Reihen angefeindet. Zwei Grünen-Bundestagsabgeordnete kritisieren das als Hetzkampagne autoritärer Strömungen in der Linken

von Marlene Schönberger, Max Lucks  25.03.2026

Meinung

Wie lange müssen wir noch so leben?

Seit Beginn des Iran-Kriegs werden jüdische Einrichtungen noch häufiger Ziel von Terrorattacken. Das Absurde ist: Dieser Zustand ist für Jüdinnen und Juden längst zur Norm geworden

von Laura Cazés  24.03.2026

Kommentar

Bedingt lernfähig

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übt harte Kritik am Vorgehen der USA gegen den Iran. Über den Terror der Mullahs verliert er dagegen kein Wort – wieder einmal

von Ralf Balke  24.03.2026

Kommentar

Merz und Wadephul riskieren Deutschlands Glaubwürdigkeit

Wer zu Südafrikas Genozid-Vorwurf gegen Israel schweigt, zieht sich aus der Verantwortung

von Stephan-Andreas Casdorff  22.03.2026

Meinung

Siedlergewalt: Eine Schande für Israel

Generalstabschef Zamir und Rabbi Lichtenstein haben recht: Die Exzesse gegen Palästinenser im Westjordanland müssen endlich gestoppt werden, bevor es zu spät ist

von Ayala Goldmann  25.03.2026 Aktualisiert