Michel Bergmann

An allem sind ...

Michel Bergmann, Regisseur und Bestsellerautor Foto: Stephan Pramme

Es ist auffällig: Egal ob Versorgungsnotstand in Venezuela, Chemtrails oder HIV – an allem sind die Juden schuld. Ritualmorde, Brunnenvergiftung und 9/11. Der Antisemitismus ist der Urknall aller Verschwörungstheorien. Denn alles muss finanziert werden, und diese klandestinen Machenschaften liegen in den Händen von ... – Sie ahnen es: dem internationalen Finanzjudentum! Den Weltkontrolleuren. Kapitalisten und Kommunisten. Es sind die perfiden jüdischen Strippenzieher, die ihr satanisches Treiben auf Kosten einer Gruppe, eines Volkes, ja der gesamten Menschheit ausleben.

Vor einigen Monaten las ich, dass Angela Merkel die Tochter Adolf Hitlers sei. Das mag so mancher gern glauben, gerade jetzt, wo die Erde wieder zur Scheibe geworden ist. Damit nicht genug. Inzwischen ist die Kanzlerin eine Jüdin. Wie jetzt? Kein Problem für den gelernten Verschwörungstheoretiker. Hitlers Sperma wurde eingefroren und einer Jüdin eingeflößt.

Auch Angela Merkel, Ayatollah Khomeini, der Papst und sogar Til Schweiger sind natürlich Juden.

Es gibt eine Website, auf der Sie erfahren können, wer in der Politik oder im Showbiz alles jüdisch ist. Sie werden staunen. Außer dem Papst und Ayatollah Khomeini finden sich dort fast alle Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens versammelt. Von Alexander Gauland über Emmanuel Macron bis Til Schweiger.

WELTHERRSCHAFT Wer Jude ist, bestimmt der Paranoiker. Selbst Widersprüche werden ignoriert, denn auch an den Widersprüchen sind die Juden beteiligt, es gehört zu ihrem perfiden Plan zur Übernahme der Weltherrschaft.

Keiner ist imstande, die Massen dermaßen zu manipulieren, wie der Jude, die bête noire des Menschengeschlechts.

https://twitter.com/Augstein/status/1151064973638082560

Auschwitz wurde inszeniert, um den Judenmord, der ja ein Mythos ist, den armen Deutschen in die Schuhe schieben zu können. So wie die Gaskammern, die es niemals gab, die man aber wieder für Flüchtlinge öffnen sollte.

Alles gehört zu einem Masterplan, dem jeder Jude a nativitate verpflichtet ist. Und wir haben heute noch nicht über Donald Trumpowitsch gesprochen. Und über Israel schon gar nicht!

Der Autor ist schweizerisch‐deutscher Journalist, Regisseur und Schriftsteller (»Machloikes«).

Kommentar

Landtagswahlkampf mit Israelfeindlichkeit

Mit einem vielleicht auf den ersten Blick unschuldigen Satz macht das BSW Stimmung. Gegen den einzigen jüdischen Staat, die »Zionisten« und damit die Juden

von Imanuel Marcus  06.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  06.08.2026

Meinung

»Blaue Moschee« als Gedenkstätte für die Opfer des Islamismus?

Nach der Schließung des eng mit dem iranischen Regime verflochtenen »Islamischen Zentrums Hamburg« wird über die künftige Nutzung des Ortes diskutiert

von Ulrike Becker  06.08.2026

Vorurteile

Können wir mal reden?

Warum persönliche Begegnungen und Gespräche heute wichtiger sind denn je – insbesondere beim Thema Israel

von Sabine Brandes  06.08.2026

Meinung

Danke, Boy George!

Wie die 80er-Jahre-Ikone gegen alle Widerstände für Israel eintritt, verdient unseren Dank

von Sophie Albers Ben Chamo  05.08.2026

Kommentar

Politische Pünktchensammler

Ewig bewegte Palästina-Aktivisten wie Javier Bardem und israelische Politiker nutzen den Massenansturm auf Ceuta für politisch unwürdige Spielchen

von Nils Kottmann  04.08.2026

Kommentar

Sánchez’ alter, antisemitischer Trick

Wer trägt die Verantwortung für die jüngste Katastrophe in Ceuta? Ausnahmsweise wohl nicht »die Zionisten«

von Rafael Seligmann  02.08.2026

Meinung

Die Vereinten Nationen und ihre obsessive Fixierung auf den jüdischen Staat

Warum der Staatengemeinschaft ihre Heuchelei und Doppelmoral eher früher als später zum Verhängnis werden wird

von Daniel Neumann  01.08.2026

Kommentar

Die Hinrichtungen gehen weiter

Nach der brutalen Niederschlagung der Protestbewegung im Januar setzt das iranische Regime die Exekutionen vor den Augen der Welt fort

von Nila Mozafari  30.07.2026