Nachrufe

Zwei Zivilisten in Hollywood

Man könnte sagen, dass ohne Arthur Penn die Weltgeschichte anders verlaufen wäre. Denn bevor Penn, der vor Kurzem im Alter von 88 Jahren gestorben ist, Filmregisseur wurde, arbeitete er fürs Fernsehen. 1960 engagierte ihn der damalige Präsidentschaftskandidat John F. Kennedy als Berater für den Umgang mit dem neuen Medium.

Der TV-Schlagabtausch zwischen ihm und Richard Nixon wurde zu einem legendären Ereignis und gilt als entscheidend für Kennedys Sieg. Spekulieren wir nur kurz: Wäre Nixon als Sieger aus der Wahl hervorgegangen, hätte es dann einen Vietnamkrieg gegeben? Watergate jedenfalls vermutlich ebenso wenig wie die Morde an den Kennedybrüdern. So aber wurde Penn als Regisseur von Rebellen und Individualisten zu einem der großen Repräsentanten der »New-Hollywood«-Bewegung, die sich wesentlich aus jener kulturellen Revolte speiste, die wir uns heute ohne die Schocks der Kennedymorde und der

Spätzünder Penn, am 27.September 1922 in Philadelphia als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer geboren, war ein Scheidungskind. Mit drei Jahren zogen er und sein älterer Bruder Irving, der spätere berühmte Mode- und Kunstfotograf, mit der Mutter nach New York. Penn machte sich dort in der Theaterszene einen Namen. Als Filmregisseur war Penn ein Spätzünder. Dem Debüt mit The Left-Handed Gun (1958), der mit Billy the Kid Penns ersten Rebellenhelden hatte, folgte eine Dekade der Stagnation.

Erst der Zusammenbruch des Studiosystems ab Mitte der 60er-Jahre gab Penn den Freiraum, den er offenbar brauchte: Das Gangsterepos Bonnie & Clyde (1967) war zwar zunächst kein Liebling der Kritik, aber ein Kassenerfolg, der den Zeitgeist ins Herz traf und Penn an die Spitze des »neuen« US-Kinos katapultierte. Ein paar Jahre lang hatte er alle Möglichkeiten und nutzte sie leidlich für ebenso einzelgängerische wie exzentrische Projekte. Während die Hippiekomödie Alice’s Restaurant (1969) seinerzeit zwar Erfolg hatte, aber heute vergessen ist, wird der megalomane Little Big Man (1970) bleiben: ein Anti-Western, gezeichnet vom Schuldgefühl der Weißen gegenüber den Indianern. Dann aber wurden Penns Filme hermetisch, seine Karriere ebbte bereits ab, bevor es 1980 schlagartig mit »New Hollywood« vorbei war.

Drei Jahre jünger als Penn, stammte Tony Curtis aus ähnlichem Milieu: kleine Leute, in diesem Fall aus Ungarn stammende jüdische Einwanderer im Schmelztiegel von New York. Geboren am 3. Juni 1925 unter dem Namen Bernard Schwarz wuchs Curtis in der Bronx auf und betonte auch später gern seine Straßenerfahrungen –vielleicht auch, um zu sagen, dass hinter dem ebenso schönen wie weichen Antlitz doch ein »richtiger« Mann steckte. Denn die Zeit, in der er aufkam, war die der harten Männer: Kantige, körperbetonte Typen wie Kirk Douglas und Burt Lancaster waren die Helden der frühen 50er.

Neuer Männertyp Aber gerade, dass er sich von ihnen unterschied, einen Kontrast sichtbar machte, ermöglichte Curtis’ Aufstieg nach kurzem Anfang in der zweiten Reihe. Er war der zivile Held unter Barbaren. Etwa Mitte der 50er-Jahre gehörte Curtis für ein Jahrzehnt zur ersten Garde der Filmindustrie – er verkörperte einen neuen Männertyp: romantisch, gefühlvoll, aber nie unmännlich.

Curtis’ größtes Erfolgsgeheimnis waren aber Humor und eine Selbstironie, die ihn in die Lage versetzten, seinen eigenen Weg zu gehen und dabei auch Enttäuschungen zu ertragen. In seinen Memoiren klagt Curtis, er habe eigentlich nie die Rollen bekommen, die er sich gewünscht hatte. Aber manche private Schlagzeile, sechs Ehen, diverse Affären und viel Alkohol machten es in den letzten Jahren leicht, zu vergessen, dass Tony Curtis einer der größten Stars der letzten Dekade des alten Hollywood-Studiosystems gewesen ist. In seinen bekanntesten Filmen, Billy Wilders Manche mögen’s heiß (1959) und Spartacus (1960) von Stanley Kubrick stand er im Schatten anderer Kollegen.

Aber daneben gibt es zahlreiche, heute zu Unrecht vergessene Filme, die zeigen, dass Tony Curtis einer der charmantesten Verführer des US-Kinos war. Und einer seiner größten Komiker.

Archäologie

Rätsel um antikes Baby-Massengrab

Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben Knochenreste aus der Perserzeit gefunden, die in Tel Aseka bestattet wurden. Etwa 70 Prozent stammen von Kindern unter zwei Jahren

von Sabine Brandes  05.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert

Auszeichnung

Marion-Samuel-Preis geht an Susanne Siegert für NS-Aufklärung

Die Augsburger Stiftung Erinnerung fördert Menschen, die sich gegen das Vergessen, Verdrängen und Relativieren der Nazi-Verbrechen wenden. Sie verleiht einen Preis, der mit viel Geld dotiert ist

von Christopher Beschnitt  05.05.2026

Potsdam

Jüdisches Filmfestival zeigt Vielfalt Israels

Vereinfachte Narrative werden hinterfragt und unterschiedliche palästinensische und israelische Realitäten in den Blick genommen

 05.05.2026

New York

Zoë Kravitz sorgt mit Spitzenkleid für Aufsehen

Die frisch Verlobte Darstellerin erscheint in einem schwarzen, transparenten Spitzenkleid aus dem Haus Saint Laurent, über das alle US-Modeblätter schreiben. Aber wo ist der Verlobte?

 05.05.2026

Berlin/New York

»Der Teufel trägt Prada 2« startet mit starkem Kinoerfolg

Rund 625.000 Besucher am Startwochenende: Die Fortsetzung der Modewelt-Satire begeistert das Kinopublikum in Deutschland und sorgt für einen der besten Filmstarts des Jahres

 05.05.2026

Wien

Glanzauftritt mit »Diamant«: Noam Bettan überzeugt bei erster ESC-Probe

Zum Auftakt der Performance erscheint Bettan gemeinsam mit einer Tänzerin aus dem Inneren des Bühnenelements, das einem Edelstein nachempfunden ist

 05.05.2026 Aktualisiert

»Imanuels Interpreten« (20)

Progressive Rock-Pioniere: Die Shulman-Brüder und ihre Band Gentle Giant

Mit einer Überdosis Kreativität betrieben die drei schottischen Juden Phil, Derek und Ray Shulman eine Formation, die herausstach

von Imanuel Marcus  04.05.2026

Kunst

Iran nimmt nicht an Biennale in Venedig teil

Die wichtige Kunstveranstaltung Biennale in der Lagunenstadt Venedig hat mit heftigen Kontroversen zu tun. Nun scheidet ein Teilnehmerland aus

 04.05.2026