Heidelberg

Zwei Wirklichkeiten

Salomon Korn (l.), Hubert Burda (M.), Johannes Heil (r.) Foto: Philipp Rothe

Er sei ein »Ehrenjude« – dies sagte Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, an Hubert Burda gewandt. Dem Münchner Medienunternehmer nämlich wurde am Montagabend dieser Woche die Ehrensenatorenwürde der Hochschule für Jüdische Studien (HfJS) in Heidelberg verliehen. Jene ungewöhnliche Bezeichnung, so Korn in seinem Grußwort, habe Burda sich durch seine »Affinität zum Judentum« mehr als verdient.

In der Tat hat der 1940 geborene Burda, Verleger von mehr als 250 Zeitschriften, sich nicht erst seit 2007 um das jüdische Leben in Deutschland verdient gemacht, als er gemeinsam mit Salomon Korn das Aktionskomitee gründete, welches den Neubau der HfJS möglich machte. Darauf wies auch Johannes Heil, Erster Prorektor der Hochschule, in seiner Laudatio hin. Vielmehr habe Burda unter anderem auch den Bau des Jüdischen Zentrums in München gefördert sowie Steven Spielbergs »Shoah Foundation« unterstützt.

Nun aber überreichte Heil im Hannah-Arendt-Hörsaal der HfJS die Ehrensenatorenurkunde an Burda »in Anerkennung herausragender Förderung und Unterstützung des europäischen Kompetenzzentrums für Jüdische Studien in Heidelberg«, wie es in der Begründung heißt.

Digital Burda sprach in seiner Dankesrede über die »digitale Revolution« – über Facebook und Kindle, über Xing und LinkedIn, über Apps und Google Streetview. Herausforderungen nicht nur für die Wissenschaft, so Burda, sondern auch für Verlage und Redaktionen. Immer wichtiger würden zum Beispiel die Online-Auftritte von Zeitungen und Zeitschriften. Doch trotz elektronischer Lesegeräte wie dem Kindle, glaubte Burda, werde das Buch nicht aussterben: »Es wird in Zukunft eben zwei Wirklichkeiten geben.« Werke von Goethe, Stifter oder Handke wolle er jedenfalls nicht auf dem Kindle lesen, bekannte der technikaffine Verleger.

So behält denn die Bibliothek der Hochschule für Jüdische Studien, die im vielgerühmten Neubau untergebracht ist, auch im Online-Zeitalter ihre Berechtigung. Gut so. Denn, darauf wies Burda hin: »Der Semantic Turn« – die Hinwendung zur Schrift und zur Sprache – »war immer das Wesen des Judentums.«

Amulette

Erfurter Ausstellung zeigt israelische Kunst

Die Galerie Waidspeicher zeigt Werke israelischer Künstlerinnen und 555 Hamsa-Amulette aus Jerusalem. Das Motiv der Hamsa in Form einer geöffneten Hand ist im Judentum, im Islam und im Christentum gebräuchlich

von Matthias Thüsing  10.03.2026

München

Ermittlungen zu Nazi-Parole gegen Fleischhauer eingestellt

Der Kolumnist bedient sich bei einem Podcast eines Slogans der Nationalsozialisten, um damit den AfD-Nachwuchs zu kritisieren. Deshalb wird gegen ihn ermittelt - jedoch nicht besonders lang

 10.03.2026

TV-Tipp

Die Puppe mit dem Hitlergruß: Das turbulente Leben der Unternehmerin Käthe Kruse

»Ich kauf‘ Euch keine Puppen - macht Euch selber welche!« Max Kruses junge Geliebte nahm diese brüske Absage wortwörtlich und wurde berühmt. Arte zeichnet die bewegte Biografie von Käthe Kruse nach

von Manfred Riepe  10.03.2026

New York

Ben Stiller: »Krieg ist kein Film«

Immer wieder nutzt die US-Regierung bekanntes Film- oder Musikmaterial für eigene Videoclips - wohl ohne zu fragen. Jetzt beschwert sich deswegen Schauspieler Ben Stiller

 10.03.2026

Comedy

Streichelzoo mit Fischen

Die Serie »JoJo & Simha: Exploring Berlin3000« erzählt auf Social Media von drei tollpatschigen jüdischen Handwerkern der Zukunft

von Pascal Beck  09.03.2026

Women’s Asian Cup

Trump fordert von Australien Asyl für iranische Fußballerinnen

Die Spielerinnen hatten sich vor dem Anstoß im Robina Stadium geweigert, die iranische Nationalhymne zu singen

 09.03.2026

Magdeburg

Auftakt für jüdische Kultur in Sachsen-Anhalt

Ministerpräsident Sven Schulze betonte als Schirmherr die Bedeutung der Kulturtage als klares Signal der Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Sachsen-Anhalt

 09.03.2026

Sprache

»Wat willste?«

Die Autorin Lea Streisand hat ein Buch über den vielleicht schönsten Dialekt des Deutschen geschrieben, das Berlinerische. Ein Besuch zwischen »ick«, »icke« und »dufte«

von Katrin Richter  08.03.2026

Berlin/Los Angeles

Weimer lädt Chalamet in die Oper ein: »Kann mal daneben liegen«

Interessiert sich wirklich niemand mehr für Oper und Ballett? So findet es zumindest »Marty Supreme«-Star Timothée Chalamet. Wie der Kulturstaatsminister den Oscar-Anwärter umstimmen will

 08.03.2026