9. November

»Zeichen des Muts, der Zuversicht und des Zusammenhalts«

Virtuelle Rekonstruktion der Siegener Synagoge 2021 Foto: imago images/Rene Traut

Wie schon im vergangenen Jahr wird der Jüdische Weltkongress (WJC) anlässlich des 85. Jahrestags des November-Pogrome von 1938 einige der damals von den Nationalsozialisten zerstörten Synagogen »neu erstrahlen« lassen. Bildprojektionen der digital rekonstruierten Synagogen, die von der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Wien entwickelt wurden, sollen diese Woche auf Haus- und Leinwänden zu sehen sein, an denen einst die Synagogen standen.

Das WJC-Projekt wird von den jüdischen Dachverbänden in Deutschland und Österreich unterstützt und steht unter der Schirmherrschaft der Präsidenten des Deutschen Bundestags, Bärbel Bas, und des österreichischen Nationalrats, Wolfgang Sobotka. Mit »Virtual Reality-Brillen« soll zudem an einigen Standorten auch ein virtueller Rundgang durch die ehemaligen Synagogen möglich sein.

TERROR WJC-Präsident Ronald S. Lauder erwähnte in einer Pressemitteilung auch die jüngsten Terroranschläge der Hamas auf Israel. »Dieser Anschlag, der mehr als 1400 jüdische Menschenleben forderte, ist der verheerendste seit dem Holocaust und mahnt, wie wichtig es ist, zu erinnern und aufzuklären. Mit Initiativen wie den digitalen Rekonstruktionen von Synagogen ehren wir nicht nur die Erinnerung an das, was verloren wurde. Wir bekräftigen auch unsere Entschlossenheit, der Flut des Hasses und der Bigotterie etwas entgegenzusetzen. So wollen wir dafür sorgen, dass der Satz ‚Nie wieder‘ über bloße Worte hinausgeht und zu einer unerschütterlichen Verpflichtung wird, das Leben und die Würde der Juden überall und immer zu schützen.«

»Synagogen sind Orte der Zusammenkunft. Mit ihrer systematischen Zerstörung am 9. Novembervor 85 Jahren haben die Nationalsozialisten gezielt mit der Vernichtung jüdischen Lebens begonnen. Das Projekt des WJC zeigt auf, welch große Bedeutung Synagogen auch im Stadtbild hatten und damit die Selbstverständlichkeit jüdischen Lebens in Deutschland symbolisierten. Gerade in Zeiten von Judenhass und Israelfeindlichkeit, in denen auch Synagogen und jüdische Geschäfte Ziel von Attacken seien, brauche es «Zeichen des Muts, der Zuversicht und des Zusammenhalts», so Schuster. Hierfür stünden die in diesem Jahr fertiggestellten Synagogenneubauten in Dessau und Magdeburg, so der Zentralratspräsident.

Zum Gedenktag am 9. November wird der Zentralrat in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz eine Gedenkveranstaltung in der Berliner Synagoge Kahal Adass Jisroel abhalten, die kürzlich Ziel eines antisemitischen Angriffs wurde. Auch dieses Gotteshaus wurde in der Reichspogromnacht von 1938 schwer beschädigt und erst lange nach dem Krieg wiederaufgebaut. ja

Meinung

Die Juden waren’s!

Claudia Roth und die jüdische Lobby: Eine kleine Chronik der Unschuld

von Andreas Büttner  06.11.2026

Nachruf

Eine Welt voller Wärme

Die jüdische Kinderbuchautorin Myriam Halberstam nimmt Abschied von Janosch, dem Vater von Tiger, Bär und Tigerente

von Myriam Halberstam  06.11.2026

Fernsehen

Biedere Bürgerlichkeit und organisierter Massenmord

Das ZDF zeigt den Oscar-prämierten Spielfilm »The Zone of Interest« über den KZ-Kommandanten Rudolf Höß, der mit seiner Familie unmittelbar neben dem Vernichtungslager Auschwitz lebte

von Josef Lederle  06.11.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  06.11.2026

TV-Tipp

Viele Jahre bis zum großen »Hallelujah«: Arte zeigt Porträt von Leonard Cohen zum zehnten Todestag

Es ist wohl das bekannteste Lied des kanadischen Sängers Leonard Cohen. Und so steht »Hallelujah« auch im Zentrum eines so unterhaltsamen wie inspirierenden Porträts über den legendären Sänger

von Jan Lehr  06.11.2026

Hintergrund

Claudia Roth und der »unfassbare Druck vom Zentralrat«

Die Ex-Kulturstaatsministerin bezeichnet es als »totalen Fehler«, auf der Berlinale Regisseure wegen ihrer israelfeindlichen Aussagen kritisiert zu haben und sucht dafür die Schuld beim Zentralrat der Juden

von Michael Thaidigsmann  05.11.2026

Interview

»Ich bin von Natur aus kein glücklicher Mensch«

Die Schriftstellerin Nele Pollatschek verrät im Gespräch zu ihrem neuen Buch, wie sie gelernt hat, das Leben bewusster und positiver wahrzunehmen – ohne die Augen vor dem Leid der Welt zu verschließen

von Katrin Richter  05.11.2026

Kulturkolumnne

Bis 120 oder Wie wir doch noch zu Muskeljuden werden

In der heutigen Zeit ziehen körperliche Optimierungstrends nicht spurlos an uns vorbei. Sollen wir uns davon beherrschen lassen?

von Laura Cazés  05.11.2026

Kino

Im Angesicht der Schmerzen, der Angst und Scham

»Block 10« beleuchtet die medizinischen Experimente an Frauen in Auschwitz – und versteht sich auch als eine Antwort auf die Gegenwart

von Chris Schinke  05.11.2026