Interview

»Wir entwickeln uns weiter«

Michael Blumenthal Foto: Marco Limberg

Herr Blumenthal, das Jüdische Museum Berlin (JMB), dessen Direktor Sie seit seiner Gründung sind, feiert demnächst sein zehnjähriges Jubiläum. Ihre Bilanz dieser Zeit?
Viele, viele Besucher und ein ungebrochenes Interesse an der deutsch-jüdischen Geschichte! Mit diesem enormen Erfolg hatte ja 1997 – als ich meine Arbeit begann – niemand gerechnet.

Für die nächste Dekade haben Sie wieder Großes vor. Das Museum soll eine eigene Akademie bekommen. Was werden deren Aufgaben sein?
Toleranz, Integration und interkulturelle Verständigung, das sind Themen, zu denen wir unseren Beitrag leisten wollen. Wir werden pädagogische Programme entwickeln, die sich mit den Erfahrungen von Migranten in Deutschland befassen. Wir möchten Stipendiaten und Fellows hierherbringen, renommierte Forscher, die in der Akademie ihre Projekte zu diesen Themen verfolgen. Ein dritter Aspekt wird die Gründung eines Jüdisch-Islamischen Forums sein, ein Ort für den Austausch von Gedanken, für Diskussionen und gemeinsame Forschung.

Wird es auch im eigentlichen Museumsbereich Änderungen geben?
Nach zehn Jahren werden wir uns die Dauerausstellung genau anschauen und teilweise überarbeiten. Auch die ständig wachsende Sammlung des Museums reagiert auf die Gegenwart, und das Museum sammelt in Zukunft verstärkt Objekte und Dokumente aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie etwa Artefakte, die von der Einwanderung der russischen Juden in Deutschland erzählen.

Die Eröffnungsgala des Museums 2001 war damals das gesellschaftliche Ereignis nicht nur Berlins, sondern Deutschlands. Planen Sie zum Zehnjährigen ein ähnlich großes Event?
Ja, am 24. Oktober soll es eine große Jubiläumsfeier geben, bei der die Bundeskanzlerin mit unserem »Preis für Verständigung und Toleranz« ausgezeichnet wird. Wir erwarten dazu 800 bis 1.000 Gäste aus aller Welt, mit denen wir in der zukünftigen Akademie die letzten zehn Jahre feiern wollen. Ich freue mich besonders, dass Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin diesen Abend mit einem Festkonzert in der Berliner Philharmonie eröffnen werden.

Bei aller Feierstimmung: Sind nicht auch für ein Erfolgsprojekt wie das JMB irgendwann einmal die Grenzen des Wachstums erreicht?
Was das Wachstum der Besucherzahlen an-geht, gibt es natürlich auch im Jüdischen Museum Grenzen. Mit über 760.000 Interessierten pro Jahr sind wir sehr glücklich! Aber programmatisch entwickeln wir uns ständig weiter, mit den Bildungs- und Wissenschaftsprogrammen in der geplanten Akademie genauso wie mit jeder neuen Sonderausstellung. Wichtig ist uns dabei, dass diese Erweiterungen mit Bedacht passieren und wir aus den eigenen Erfahrungen lernen.

Mit dem Direktor des Jüdischen Museums Berlin sprach Michael Wuliger.

Lettland

Deutsche Städte gedenken der nach Riga deportierten Juden

1941/42 wurden mehr als 25.000 Juden aus Deutschland und Österreich zur Vernichtung in die lettische Hauptstadt deportiert. Daran gedachten nun Vertreter aus 30 deutschen Städten

 03.07.2026

Gesellschaft

Filmproduzentin Brauner: Die Erinnerungskultur ist gescheitert

Die Hintergründe

von Hannah Krewer  03.07.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Auf dem Weg zum »Mustard Belt«: Am 4. Juli gehtʼs um die Wurst

von Katrin Richter  03.07.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  02.07.2026 Aktualisiert

Fußball

Länderspiel verlegt: Irland verzichtet auf Israel-Boykott

Irlands Fußballverband FAI will das UEFA-Nations-League-Spiel gegen Israel nun in Serbien austragen - auch, um einen Abstieg zu vermeiden

 02.07.2026

Großbritannien

London ehrt Stefan Zweig

84 Jahre nach seinem Tod wird der berühmte österreichische Schriftsteller Stefan Zweig in London geehrt. Dorthin war er 1936 vor den Nazis geflohen

 02.07.2026

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Kulturkolumne

In der Hitze des Sommers

Zwischen Deutschland und Israel: Wenn die Luft sich nicht bewegt und die Zeit stillsteht

von Laura Cazés  02.07.2026

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026