Medien

»Weckruf für die Medienlandschaft«

Die Süddeutsche Zeitung Foto: dpa

Der Deutsche Presserat hat die Bebilderung einer Doppelrezension zweier Bücher über Israel in der Süddeutschen Zeitung als Verstoß gegen den Pressekodex eingestuft. Die Verwendung der Karikatur in diesem Kontext sei »diskriminierend und trägt dazu bei, Vorurteile gegenüber Juden und Israel hervorzurufen«, sagte der Vorsitzende des Beschwerdeausschusses, Peter Enno Tiarks. Dies verstoße gegen Ziffer 12 des Pressekodex, wonach niemand wegen seiner »Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden« dürfe.

»Wir erachten die Beschwerde über die Verwendung der Karikatur als begründet«, teilte Tiarks mit. »Aufgrund der selbstkritischen Auseinandersetzung und Entschuldigung der SZ-Redaktion« habe man jedoch davon abgesehen, der Zeitung eine öffentliche oder nicht-öffentliche Rüge zu erteilen.

antisemitische Stereotype Einer der Beschwerdeführer des Falles, das American Jewish Committee (AJC), begrüßte den Beschluss. »Die Entscheidung ist ein Weckruf für die Medienlandschaft, sensibler mit der Kritik an Israel umzugehen, die leicht die Grenze des Antisemitismus überschreiten kann – wie im Fall der Karikatur«, sagte Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin Ramer Institute.

»Die Zeichnung mit entsprechender Bildunterschrift hat mehrere Ebenen antisemitischer Stereotype bedient.« Der Presserat habe nun klargestellt, dass bei antisemitischen Darstellungen die Grenze der Pressefreiheit überschritten werde, betonte Berger.

In ihrer Ausgabe vom 2. Juli 2013 hatte die SZ Besprechungen von zwei Neuerscheinungen über den Nahostkonflikt mit einer Zeichnung illustriert, die ein fressendes Monster zeigte (http://bit.ly/17R7Bri). Darunter stand die Bildunterschrift: »Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde halten das Land für einen gefräßigen Moloch.«

Unmittelbar nach der Veröffentlichung der Karikatur hatte es massiven Protest gegen die Publikation gegeben. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, meinte, die Bebilderung habe »fast schon ›Stürmer‹-Niveau«. Beim Anblick der Karikatur und der Bildunterschrift sei er schockiert gewesen, »dass in einer so renommierten und seriösen Zeitung wie der SZ offenbar derart fahrlässig mit Ressentiments gespielt wird. Es wundert mich sehr, wie es möglich ist, dass antisemitische Assoziationen hier so leichtfertig zugelassen werden.«

Dämonisierung Auch Israels Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, hatte das Vorgehen der Zeitung scharf kritisiert. Er wandte sich mit einem Brief an SZ-Chefredakteur Kurt Kister. In einem Facebook-Post der Botschaft hieß es: »Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Süddeutsche Zeitung mittlerweile zustimmt, dass eine derartig dämonisierende Darstellung Israels als ›gefräßigen Moloch‹ in Bild und Text nicht mit Israelkritik in Zusammenhang gebracht werden darf.«

Das American Jewish Committee (AJC) hatte die Publikation als Beispiel für die Verwendung antisemitischer Ressentiments ebenfalls heftig kritisiert und den Deutschen Presserat dazu aufgefordert, die Süddeutsche Zeitung für die Kombination von Bild und Bildunterschrift zu rügen.

Unterdessen befasst sich der Deutsche Presserat mit einer neuerlichen Beschwerde gegen eine Bebilderung in der SZ. In ihrer Ausgabe vom 19. August hatte die Zeitung mit einem Foto eines Bahngleises des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau eine Leserbriefseite zum Bahnchaos am Mainzer Hauptbahnhof bebildert. »Bei uns sind gegen die Bebilderung Beschwerden eingegangen«, bestätigte Peter Enno Tiarks. Mit einer Entscheidung in dieser Sache sei im Dezember dieses Jahres zu rechnen, sagte der Vorsitzende des Beschwerdeausschusses.

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