TV

Was der Dschungel mit den Primaries zu tun hat

(Archivfoto) Foto: picture alliance / abaca

In Australien wird gewählt. Ich muss mich korrigieren: Nicht in dem Land down under wird gewählt, sondern im Dschungelcamp. Hm, das stimmt leider auch nicht so ganz: Im Dschungelcamp findet keine Wahl statt, sondern in Deutschland. Ähm, also: Gewählt wird hier eigentlich auch nicht, sondern abgestimmt. Und zwar entscheiden die RTL-Zuschauer per Telefonvoting, welche ihrer Lieblinge bleiben sollen. Wer die wenigsten Fans hinter sich versammelt hat, muss die Sachen packen.

Das waren am Freitag die Schauspielerin Nicole Belstler-Boettcher und am Samstag der Reality-TV-Darsteller Umut Tekin. »Ich habe halt seeehr wenig Follower«, sagte Nicole. Vermutlich nicht ganz zu unrecht vermutet sie, dass die Marktmacht der Kandidaten, die in diese Show einrücken, von Bedeutung ist.

Das Dschungelcamp, das uns schon so viel darüber gelehrt hat, wie gesellschaftliche Konflikte verhandelt werden, serviert uns in seinem doch sehr ungewöhnlichem Rahmen auch einiges zum Thema Demokratietheorie.

Wer Dschungelkönig werden will, sollte nicht naiv sein

Keine Sorge, es geht nicht um die Vorstellung, RTL würde seine Abstimmung manipulieren. Diese verschwörerische Vermutung ist aus mehrerlei Gründen abwegig. Schon weil Einschaltquoten und Zuschauerbindung für einen Privatsender zu den höchsten Gütern zählt, verstößt RTL nicht gegen den geäußerten Wunsch seiner Zielgruppe.

Es geht hier vielmehr um die Frage, wie sich Zuschauerinteresse in Form einer Wahl oder Abstimmung abbilden lässt. Wie gesagt: Die B-Promis müssen ihre Anhänger motivieren, für sie zu voten. Es geht nicht darum, wer gehen muss, sondern wer bleiben darf.

Lesen Sie auch

Ein wenig erinnert das an die Primaries in den USA: Wenn es etwa um die US-Präsidentenwahlen geht, kämpfen Kandidaten darum, in einem Bundesstaat möglichst viele Stimmen zu bekommen, um irgendwann übrig zu bleiben und für ihre Partei ganz offiziell antreten zu dürfen. Wer stets zu wenig Stimmen erhält, scheidet bald wegen Chancenlosigkeit aus. Und wer schon mit einem ohnehin sehr kleinen Anhang antritt, wird’s als erster merken. US-Präsident wird Umut Tekin also eher nicht mehr in diesem Leben.

Oder umgekehrt: Wer Dschungelkönig werden will, sollte nicht naiv darauf vertrauen, dass hier sympathisches Auftreten oder die bessere Magenverträglichkeit honoriert werden. Nein, es geht darum, von Beginn an viele Anhänger zu haben und diese durch gute Performance im Camp fürs teure Televoting zu motivieren. Die sollen einen ja nicht nur gut finden, sondern x-mal anrufen. Das heißt auch: Wer als Favorit mit ganz vielen Followern ins Camp geht, kann drinnen immer noch ganz viel versaubeuteln.

Wer hat die meisten Follower?

Die Reality-TV-Stars mögen nicht so gut schauspielern können wie die Schauspieler, aber sie haben die meisten Follower. Allein auf Instagram hat Samira mit knapp 400.000 Followern die Nase vorn. Die überall angefeindete Eva liegt mit etwa 270.000 auch nicht schlecht im Rennen. Nicole, die gerade das Camp verlassen musste, hat hingegen nur 7.000.

Und Gil Ofarim? Einerseits als Musiker schon seit Jahrzehnten im Geschäft, andererseits als etwas älter gewordener Mädchenschwarm durchaus noch Social-Media-affin, kann mit 100.000 Followern gut mithalten.

Schauen wir gebannt auf die heutige Primary: Hat Ariel mit ihrem gestern geäußerten interessanten Bekenntnis zur Theorie, dass die Erde flach ist, viele ihrer 220.00 Follower mobilisieren können? Oder motiviert gerade Gils zuletzt zurückhaltendes und freundliches Auftreten seine Anhänger, ganz oft die Wahlwiederholung zu drücken?

Wir warten auf die ersten Hochrechnungen.

Philosophie

Habermas, Israel und die Juden

Eine kritische Würdigung

von Frederek Musall  18.03.2026

Interview

»Die Toleranz gegenüber kontroversen Filmen ist seit dem 7. Oktober gesunken«

Die 11. Ausgabe des jüdischen Filmfestival Yesh! will das Judentum in seiner ganzen Vielfalt und Widersprüchlichkeit zeigen

von Nicole Dreyfus  18.03.2026

Nachruf

Jürgen Habermas – die jüdische Gemeinschaft verliert einen großen Freund

Der große Soziologe war zeitlebens mit Israel verbunden

von Michael Brenner  16.03.2026

Oscars 2026

Timothée Chalamet muss warten

»Marty Supreme« war der überraschende Verlierer des Abends. Aber nach dem großen Mischpoche-Fest im Vorjahr gab es einen großen und viele kleine Erfolge für die jüdischen Filmfans

von Sophie Albers Ben Chamo  16.03.2026

Serie

Sarah Michelle Gellar: »Buffy«-Neuauflage abgesagt

Die Schauspielerin wendet sich in einem Video an ihre Fans, um sie über den Stopp des Projektes zu informieren

 15.03.2026

TV-Tipp

Fast rundes Alterswerk

Der rbb zeigt »Ein Glücksfall«, den 50. Film von Woody Allen

von Kira Taszman  15.03.2026

Philosophie

Ende einer Epoche und Auftrag

Jürgen Habermas ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Zum Tod des renommierten Denkers ein Nachruf aus jüdischer Sicht

von Johannes Heil  15.03.2026

Zahl der Woche

615,5 Kilo

Fun Facts und Wissenswertes

von Katrin Richter  15.03.2026

Geheimnisse und Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

 15.03.2026