Cannes

Von Präsidenten und Müttern

Jurychefs: Ethan und Joel Coen Foto: imago

Cannes

Von Präsidenten und Müttern

Natalie Portman, Woody Allen, Jake Gyllenhaal: Jüdisches und Israelisches bei den Filmfestspielen

von Jörg Taszman  04.05.2015 20:32 Uhr

Wow, wir waren noch nie Präsidenten von irgendetwas!» Joel und Ethan Coen, besser bekannt als die «Coen-Brüder», gaben sich überrascht und geehrt, als sie vor Kurzem offiziell auf die Einladung reagierten, Präsidenten der Wettbewerbsjury in Cannes zu werden.

Dabei lädt das nach wie vor wichtigste Filmfestival der Welt traditionell berühmte jüdische Filmstars wie Natalie Portman und Tim Roth als Juroren ein. Und auch in diesem Jahr werden die Coen-Brüder nicht die einzigen jüdischen Jurymitglieder sein: Hollywoodstar Jake Gyllenhaal wird ebenfalls über die Goldene Palme mitentscheiden.

Ausnahmejahr Darüber hinaus sind auf dem Festival, das am Mittwoch beginnt, regelmäßig auch Filme aus Israel und bedeutende Werke zu jüdischen Themen vertreten. An das Ausnahmejahr 2014 mit fünf israelischen Filmen in den diversen Sektionen kommt das Programm jedoch diesmal nicht heran. Mit dabei im Vorjahr war unter anderem Ronit Elkabetz mit ihrem Film Get – Der Prozess der Viviane Amsalem, der auch in deutschen Kinos zu sehen war und die Schwierigkeit für israelische Frauen thematisiert, sich scheiden zu lassen. In diesem Jahr ist Ronit Elkabetz nun Jurypräsidentin der Nebensektion «Semaine de la Critique».

Gleich zwei bedeutende «Jewish-Americans» zeigen ihre neuen Filme in Spezial-Vorstellungen außerhalb des Wettbewerbs. Da ist zum einen der fast 80-jährige Woody Allen, der in Cannes mit Irrational Man seinen 47. Spielfilm präsentiert. Joaquin Phoenix spielt darin einen Philosophieprofessor, der sich in eine seiner Studentinnen verliebt, die von Emma Stone verkörpert wird.

Die 26-jährige Amerikanerin wirkte bereits 2014 in Allens Magic in the Moonlight mit, der an der Côte d’Azur angesiedelt war.
Frankreich gehört so mit Sicherheit zu den Ländern, in denen die Filme des New Yorker Regisseurs am meisten geliebt werden. Wohl auch deshalb hat der sonst so publikumsscheue Woody Allen bereits angekündigt, wieder nach Cannes zu reisen und mit seinem «durchaus vorhandenen Französisch in der Pressekonferenz zu brillieren».

romanverfilmung Noch gespannter darf man jedoch auf das Regiedebüt von Natalie Portman sein, die kein geringeres Werk als Eine Geschichte von Liebe und Finsternis von Amos Oz verfilmt hat. Portman, 1981 in Jerusalem als Natalie Hershlag geboren, drehte nicht nur in ihrer Geburtsstadt, sondern schrieb auch das Drehbuch und spielt in ihrem Film die Mutter des berühmten Schriftstellers.

Um die Goldene Palme konkurriert ein ungewöhnlicher Debütfilm aus Ungarn. Regisseur László Nemes zeigt zwei Tage aus dem Leben des fiktiven ungarischen Häftlings Saul Ausländer, der als Mitglied eines Sonderkommandos im Konzentrationslager Auschwitz glaubt, die Überreste seines eigenen Sohns gefunden zu haben. Es ist der einzige Film im Wettbewerb, der noch analog mit 35mm-Kamera gedreht worden ist und in Cannes auch so vorgeführt wird.

Aus Israel wird in diesem Jahr nur ein Film gezeigt, der zudem ausschließlich als «Special Screening» läuft. In Afterthought, einer existenziellen Komödie, porträtiert der Filmemacher Elad Keidan zwei neurotische Männer, die sich – dies wird bis zum Ende offengelassen – eventuell sogar einmal begegnen werden. Moshe läuft wie jeden Tag den Carmel-Berg in Haifa hinauf und fürchtet, dieses Mal könne er nun vollends zusammenbrechen. Uri dagegen läuft den Berg hinunter und kümmert sich nicht um seinen Einberufungsbefehl. Der Streifen wurde noch vor dem Festival von einem bekannten Filmverleih übernommen und von der Kritik gefeiert. Noch in diesem Jahr soll er auch in deutschen Kinos zu sehen sein.

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