Zionismus-Tagung

Vom Recht auf einen souveränen Staat

Gut besucht: die Konferenz in Berlin
Foto: Sylvia Gluska

»Zionismus. Von der Bewegung zum Staat«. Das ist der Titel einer dreitägigen Konferenz der Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden, die am Mittwochnachmittag in Berlin begonnen hat und noch bis Freitag dauert.

Es gelte, sich konstruktiv mit der Idee und dem Begriff des Zionismus auseinanderzusetzen, sagte Zentralratsgeschäftsführer Daniel Botmann bei der Eröffnung der Konferenz: »Zionismus bedeutet, die Existenz eines jüdischen Staates nicht nur stillschweigend hinzunehmen, sondern anzuerkennen und zu befürworten. Es muss eine Selbstverständlichkeit sein, dass Juden das Recht auf einen souveränen Staat haben, der nicht infrage gestellt wird.«

»Zionismus bedeutet, die Existenz eines jüdischen Staates nicht nur stillschweigend hinzunehmen, sondern anzuerkennen und zu befürworten«, sagte Daniel Botmann.

Zum Auftakt sprach der israelische Soziologe und Buchautor Natan Sznaider. Er berichtete, dass er vor 50 Jahren nach Israel ausgewandert sei »und sozusagen einen anderen jüdischen Weg eingeschlagen habe, den der jüdischen Selbstbestimmung, den man durchaus auch Zionismus nennen kann«. Er erzählte, dass er zu dieser Zeit keine einzige Zeile der zionistischen Theorie gelesen habe, weder von Theodor Herzl, noch von Aharon David Gordon oder Leo Pinsker.

Lesen Sie auch

»In Israel ist das nicht notwendig, weil Israel kein Produkt der zionistischen Theorie, sondern ein Produkt der zionistischen Praxis ist«, so Sznaider. »Und deswegen würde ich sagen, dass zionistische Theorie und israelische Praxis zwei völlig verschiedene Dinge sind.« Seit der Staatsgründung Israels 1948 sei Zionismus keine Idee mehr, sondern gelebte Praxis.

Seit der Staatsgründung Israels 1948 sei Zionismus keine Idee mehr, sondern gelebte Praxis, betonte Natan Sznaider.

Bei der Tagung geht es unter anderem um die Frage, was Zionismus ursprünglich im Europa des späten 19. Jahrhunderts bedeutete und welche Bedeutung der Zionismus heute für die jüdische Gesellschaft weltweit hat. Außerdem beschäftigt sich die Konferenz mit dem sozialistischen Zionismus und der israelischen Linken, dem religiösen Zionismus und der Siedlerbewegung.

Zu den Referenten und Diskutierenden gehören unter anderem Andreas Brämer, Rektor der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, Hannah Veiler von der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) und Yael Kupferberg, Vertretungsprofessorin an der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie an der Frankfurter Goethe-Universität.

Bei der Konferenz werde auch diskutiert, welche Auswirkungen der 7. Oktober auf die Wahrnehmung und Umsetzung zionistischer Ziele hat, erläuterte Doron Kiesel, der Direktor der Bildungsabteilung. Spätestens nach dem 7. Oktober sei klargeworden, dass der Begriff Zionismus als Projektionsfläche wirke und viel negative Zuschreibungen erfahre. Daher erschien es absolut notwendig, »diesen Begriff zu wenden, zu verstehen, ihn nachzuvollziehen und seine historischen Wurzeln auch aufzudecken«.

Lesen Sie mehr dazu in unserer kommenden Printausgabe.

Programm

Lesung, Erkundung, Abrechnung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. Februar bis zum 25. Februar

 19.02.2026

Essay

Losing My Religion?

Warum Selbstmitleid und Eskapismus im Kampf gegen die Feinde der Demokratie nicht helfen

von Ayala Goldmann  19.02.2026

Kulturkolumne

Späte Erkenntnis

Warum es Zeit wird, sich nicht alles gefallen zu lassen – schon gar nicht von sich selbst

von Maria Ossowski  19.02.2026

Berlinale

Der richtige Film

Nach der Freilassung der Hamas-Geisel David Cunio hat der israelische Regisseur Tom Shoval eine neue Version seiner Doku »A Letter to David« gedreht. Nun wird sie in Berlin gezeigt

von Katrin Richter  19.02.2026

Berlin

Israelischer Künstler verhüllt Altar

»Parochet«: Die Rauminstallation des Künstlers Benyamin Reich ist für 40 Tage in der Berliner St. Matthäus-Kirche zu sehen

 19.02.2026

Köln

Gil Ofarim belog seine Kinder wegen der Davidstern-Affäre

In einer neuen RTL-Dokumentation gibt der Sänger Auskunft darüber, wie er mit der Situation gegenüber seinen Kindern umgegangen ist

 19.02.2026

Leipzig

Nach Ofarims Dschungel-Triumph: Influencer sammelt Spenden für Markus W.

Der Mann, den der Musiker 2021 fälschlicherweise des Antisemitismus beschuldigt hatte, bedankt sich und plädiert für Transparenz

 19.02.2026

Theater

Buh-Rufe, »Halt die Fresse«-Schreie: Tumult bei Premiere - Zuschauer greifen Schauspieler an

Am Bochumer Schauspielhaus hat ein Stück einen Tumult ausgelöst

 19.02.2026

Zahl der Woche

3,71 Mitglieder

Fun Facts und Wissenswertes

 18.02.2026