Jerusalem Quartet

»Victory«: Concertgebouw erlaubt doch Konzert

Das königliche Konzerthaus in der niederländischen Hauptstadt Foto: IMAGO/Zoonar

Der Protest hat Wirkung gezeigt: Eines der beiden Konzerte des israelischen Streichensembles »Jerusalem Quartet« im Amsterdamer Concertgebouw, die wegen Sicherheitsbedenken Mitte der Woche kurzfristig abgesagt worden waren, kann nun doch stattfinden. Das teilte das Konzerthaus am Donnerstag mit.

Dem vorangegangen war ein Protest von Tausenden von Menschen im Internet. Darunter waren auch Größen der klassischen Musikszene wie Martha Argerich, Evgeny Kissin und Mischa Maisky. In einem offenen Brief hatten sie die Leitung des Concertgebouw aufgefordert, die Absage rückgängig zu machen. Das erste der beiden Konzerte des Jerusalem Quartet war am Donnerstagabend geplant und fiel aus, das zweite ist für Samstag geplant.

Ursprünglich hatte das Konzerthaus zum Missfallen der israelischen Musiker selbst und vieler anderer Künstler angekündigt, dass wegen der aktuellen antiisraelischen Proteste in Amsterdam die Sicherheit der mehr als 2000 Konzertteilnehmer nicht gewährleistet werden könne und die Auftritte daher verschoben würden.

Auch die deutsche Geigerin Anne-Sophie Mutter, der ungarische Dirigent und Pianist András Schiff sowie der israelische Bratschist Pinchas Zukerman hatten den Protest unterschrieben.

Die Pianistin Martha Argerich hatte die Petition ebenfalls unterschriebenFoto: imago images/Eventpress

Der Cellist des 1996 gegründeten Jerusalem Quartets, Kyril Zlotnikov, hatte die Entscheidung scharf kritisiert und das Concertgebouw beschuldigt, vor »Terrorismus« zu kapitulieren. Mehr als 13.000 Menschen hatte eine auf der Webseite Change.org gestartete Petition unterschrieben.

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Darin hieß es: »Die Bedrohung der Sicherheit von Musikern, Mitarbeitern des Konzertsaals und der Öffentlichkeit steht im Widerspruch zu den hart erkämpften demokratischen Werten und der Meinungsfreiheit und sollte in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.« Mit der Absage der Konzerte habe die Leitung des Concertgebouw einer lautstarken Minderheit nachgegeben, welche durch Einschüchterungsversuche und Drohungen mit Gewalt auf sich aufmerksam mache.

»Wir brauchen nicht weit in die europäische Geschichte zurückzublicken, um zu sehen, was passiert, wenn Menschen solche Verhaltensweisen dulden«, so der offene Brief weiter, der die Entscheidung des Concertgebouw als »moralische Feigheit« bezeichnete und forderte, »Charakterstärke zu zeigen«.

Am Freitag hieß es auf der Seite nun »Victory«. Die Petition sei erfolgreich beendet worden. Zu ihren Unterzeichnern gehörten neben der Pianistin Argerich und dem Cellisten Maisky zahlreiche weitere jüdische und nichtjüdische Künstler. Das 1996 gegründete Jerusalem Quartet ist ein preisgekröntes Kammermusikensemble. Bereits im Februar war es während eines Konzerts in Den Haag zu Protesten gegen das Quartett gekommen.

Am Samstag wird das Ensemble nun in Amsterdam zwei Streichquartette von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Claude Debussy zum Besten geben. Die Sicherheitsmaßnahmen für das Konzert seien verschärft worden, teilte das Concertgebouw mit. mth

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