Kolumne

»Un-fucking-believable«

Noga Erez am 18. April auf dem Coachella Valley Music and Arts Festival in Kalifornien Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Von der Teilnahme am Coachella Valley Music and Arts Festival, einem der größten Musikfestivals der Welt, träumen internationale Künstlerinnen und Künstler. Die Bühne ist klein, kein begehrter Nachtslot, sondern ein Auftritt in der brütenden Mittagssonne. Noga Erez ist hier, und es wirkt surreal, dass sie als erste weibliche israelische Künstlerin auf dem renommierten Line-up vertreten ist. Dass sie und ihre Crew es trotz Drohungen, Boykottaufrufen und Krieg geschafft haben, rechtzeitig in Kalifornien auf der Bühne zu stehen.

»I just want to say one thing. You don’t get to play a stage like this every day. I come from a very, very, very complex part of this planet, and to get us all here doing this … took kind of like forces that I didn’t know that I had. I’m so, so grateful to be here«, sagt Noga Erez ins Mikrofon, während sie ihr erstes von zwei Sets performt. (Ihre Heimat Israel nennt sie »einen sehr, sehr, sehr komplexen Teil dieses Planeten«. Sie sei sehr dankbar, hier zu sein.) »At the same time, I’m just heartbroken and sad because of things that are happening at home and around it. (…) We’re doing this, this is Coachella — un-fucking-believable.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Hindernisse, die Noga Erez und ihrem Partner Ori Rousso im Laufe ihrer Karriere begegnet sind, waren seit dem internationalen Durchbruch der Sängerin und Songwriterin konstante Begleiter.

Ihre Musik lässt sich auf kein Genre reduzieren

Ihre Musik lässt sich auf kein Genre reduzieren. Superstars wie Missy Elliott waren bereits als Features auf ihren Songs vertreten, und sie trat als Vorband für Pink auf. Erez und Rousso ist es von Anfang an gelungen, einen internationalen Sound zu erzeugen und dabei trotzdem unmissverständlich israelisch zu bleiben. Auf dem jüngsten Album The Vandalist finden sich neben einem Titel mit Robbie Williams auch Eden Ben Zaken und Ravid Plotnik. Roussos Gitarre klingt nach Red Hot Chili Peppers und Süd-Tel Aviv, und es funktioniert.

Auf Social Media reagiert Noga Erez auf Hassnachrichten und Cancel-Forderungen weiterhin mit Humor, Coolness und manchmal auch einem Mittelfinger.

Die Texte sind auf Englisch – und politisch. Auf Social Media reagiert Noga Erez auf Hassnachrichten und Cancel-Forderungen weiterhin mit Humor, Coolness und manchmal auch einem Mittelfinger, einer Haltung, die vielen ihrer Landsleute in der internationalen Kreativszene abhandengekommen ist, weil sie um ihre Existenz kämpfen müssen.
Vermutlich ist ihr in Wahrheit auch nicht mehr danach. Denn bei den antiisraelischen Boykottkampagnen geht es bekanntlich nicht um die politischen Haltungen von Individuen.

Und auch nicht um die »fite kites« (fliegende Brandsätze) der Hamas aus Gaza. »We don’t need bombs we got fire kites. Don’t need nobody, we don’t need your money, na-ah« rappt sie. Und obwohl der Track lange vor dem 7. Oktober 2023 erschienen ist, kommt er heute mit einer ganz anderen Wucht an. So wie die meisten der Songs, die durch den Kontext der Bühne, auf der Erez sie performt, an diesen beiden Wochenenden im April anders klingen als sonst.

Mit blutiger Nase, als hätte sie sich in einem Boxkampf eine Faust abgeholt, um dann doch zu gewinnen, steht Noga Erez am Ende ihres Sets mit ihrem Partner, ihrer Crew und ihrer kleinen Tochter als erste Musikerin aus Israel auf der Bühne eines der größten Musikfestivals der Welt. Das israelische Nachrichtenportal ynet hat es so auf den Punkt gebracht: »Wer sagt, dass es keine Siegesbilder mehr in Kriegszeiten gibt?«

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  25.06.2026

Essay

Licht und Schatten

Unser Autor hat vor 38 Jahren die Videoskulptur »Menora/Inventur« geschaffen. Warum sein Kunstwerk demnächst in Prag zu sehen ist – nicht aber in einer Ausstellung in Karlsruhe

von Michael Bielický  25.06.2026

Kulturkolumne

Jenseits der Schlagzeilen – mit Davidstern in der U8

Wie mein Anhänger und ich in der berüchtigten Berliner U-Bahn-Linie auf dem Weg zur Arbeit ignoriert wurden

von Ayala Goldmann  25.06.2026

Welttournee

Ein Jahr nach seinem Tod: Lalo Schifrins letztes Werk geht auf Welttournee

In Erfüllung von Schifrins letztem Wunsch bringt der Komponist und Pianist Rod Schejtman eine Welttournee auf den Weg. Auch im deutschsprachigen Raum soll die Sinfonie »Long Live Freedom« live erklingen

 25.06.2026

Zwickau

Ausstellung zu jüdischen Lebensgeschichten

Im Jahr 2022 ist in Zwickau eine alte Torarolle wiederentdeckt worden. Die Schrift der früheren jüdischen Ortsgemeinde bildet nun das Herzstück einer Ausstellung

 24.06.2026

Programm

Erinnerung, Entwurzelung, Erläuterung: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 25. Juni bis zum 2. Juli

 24.06.2026

Abschied

Musiker betrauern Clive Davis

Von Barbra Streisand über Carole King bis hin zu Billy Joel und von Earth, Wind & Fire bis Santana: Alle verabschieden sich von dem legendären Produzenten in Trauer und Dankbarkeit

von Imanuel Marcus  24.06.2026

Länger leben

Forscher drehen die biologische Uhr zurück

Israelischen Wissenschaftlern gelingt es, Alterungsprozesse in Lebern alter Mäuse umzukehren. Der Traum von der Verjüngung erscheint damit zumindest auf molekularer Ebene denkbar

von Sabine Brandes  23.06.2026

Social Media

Von Saftpäckchen und Zahlencodes

Auf der Online-Plattform TikTok versteckt sich Judenhass häufig hinter Zahlencodes, Emojis und Hashtags. Eine neue Studie untersucht die Besonderheiten des digitalen Antisemitismus

von Leon Stork  23.06.2026