Der israelische TV-Koch Tom Franz hält die Beschäftigung mit gutem Essen auch in Kriegs- und Krisensituationen für legitim. »Als ich mein letztes Kochbuch geschrieben und dafür neue Rezepte ausprobiert habe, war rings um uns herum Krieg«, sagte der in der Nähe von Tel Aviv lebende Franz der Deutschen Presse-Agentur. »Da habe ich mich manchmal schon gefragt: Was mache ich hier eigentlich? Ist das jetzt wirklich wichtig?«
Er sei aber zu dem Schluss gekommen, dass gute Küche auch unter solchen Umständen ihre Berechtigung habe. »Zum einen vermittelt Kochen ein Gefühl von Struktur, von Kontrolle, von Normalität. Und dann hat es - sobald man nicht nur für sich selbst kocht, sondern auch für andere, für Familie oder Freunde - etwas mit Fürsorge zu tun. Ein gutes Essen ist ja auch eine Art, Liebe mitzuteilen.«
Im Krieg empfinde der oder die Einzelne ein Gefühl der Machtlosigkeit, weil es keine Möglichkeit gebe, das Geschehen zu beeinflussen und Leid zu verhindern. »Das ist eine sehr schmerzhafte und belastende Erfahrung. Dennoch geht das Leben weiter. Feste, Geburtstage werden weiter gefeiert. Und das ist auch wichtig, würde ich sagen. Niemand muss deshalb ein schlechtes Gewissen haben, im Gegenteil: Sich für eine Stunde auszuklinken, um ein gutes Essen zuzubereiten, ist ein wohltuender Gegenpol, eine Insel im täglichen Chaos.«
Tom Franz (52), geboren in Köln, lebt seit mehr als 20 Jahren in Israel. Er ist mit einer Israelin verheiratet und hat fünf Kinder. 2013 gewann er die israelische Ausgabe der TV-Kochshow »Master Chef« und ist in dem Land seitdem bekannt. Franz ist Autor mehrerer Kochbücher über die israelische Küche, zuletzt erschien im vergangenen Jahr »Meine liebste Mahlzeit - Israelisch frühstücken zu jeder Stunde des Tages«. dpa