Literatur

Trauer um Philip Roth

Philip Roth (1933–2018) Foto: dpa

Der amerikanisch-jüdische Schriftsteller Philip Roth ist am Dienstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Umgeben von »Freunden, die ihn so liebten«, wie sein Biograf Blake Bailey twitterte.

Philip Roth ist vielfach ausgezeichnet worden, hat für Sabbath’s Theater 1995 den renommierten »National Book Award« ein zweites Mal erhalten, nach 1960, als er für sein Debüt Goodbye, Columbus geehrt wurde. Er galt als ewiger Anwärter auf den Literaturnobelpreis.

Roth kam 1933 in Newark als Sohn jüdischer Eltern zur Welt. Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte er fast 30 Romane, Sachbücher, Novellen, Kurzgeschichten, Essays und Interviews. Viele seiner Bücher spielen im Newark seiner Jugend.

Zyniker Er hat sich stets dagegen gewehrt, mit seinen Romanfiguren identifiziert zu werden. In den Augen des Publikums war er immer auch Alexander Portnoy aus Portnoys Beschwerden, aber auch Nathan Zuckerman aus den acht Zuckerman-Romanen, und natürlich auch David Kepesh, der Lüstling und Narziss, der die Frauen benutzt und verachtet, der sich selbst zuwider ist, ein Zyniker und ein bisschen auch ein Feigling.

Viele Juden in Amerika warfen ihm jüdischen Selbsthass vor. In seinen früheren Romanen versuchten die Protagonisten verzweifelt, dem jüdischen Dasein zu entkommen. Roths Eltern waren, wie die Masse der amerikanischen Juden, Kleinbürger, deren Vorfahren aus Osteuropa eingewandert waren. Die vielen »typischen« Eigenarten dieses jüdischen Kleinbürgertums tauchten in den verschiedensten Variationen in seinen Büchern auf. Roth war der Jude, der das eigene Nest beschmutzte.

2004 schilderte er in Verschwörung gegen Amerika einen alternativen Geschichtsverlauf, bei dem 1940 Franklin D. Roosevelt nicht wiedergewählt, sondern der erste Atlantik-Überflieger, Charles Lindbergh, US-Präsident wird, ein erklärter Judenhasser, der einen Friedensvertrag mit Hitler schließt. Amerikas Juden werden Opfer von Repressionen – wirklichen, nicht neurotisch eingebildeten. Nicht alle haben diese Provokation verstanden.

Privatleben Philip Roth hat sich immer wieder zu der Notwendigkeit bekannt, das Verhältnis von Privatleben und fiktionaler Doppelexistenz ständig neu zu überdenken.

Deswegen all diese Selbstbesessenheit, diese Selbstaustreibung als »Suche nach Befreiung vom Selbst«. Roth inszenierte sich in seinen Büchern selbst, schrieb mit und ohne Maske und wehrte sich mit kühner Intelligenz und großer Leidenschaft gegen Alter und Krankheit.

Für seinen Roman Amerikanisches Idyll erhielt er den Pulitzer-Preis. Sein letztes Werk Nemesis erschien 2010 auf Englisch. Zwei Jahre später kündigte Roth an, keine Literatur mehr schreiben zu wollen. (ja mit Wolf Scheller)

Lesen Sie mehr dazu in der kommenden Ausgabe.

Berlin

»Die Zukunft interessiert mich nicht mehr so furchtbar dolle«

Ein Chor von über 90-jährigen Menschen probt erstmals im Jüdischen Museum

von Nina Schmedding  04.09.2026

Kino

»Zur Not machen wir es in einem Badezimmer«

Zum elften Mal findet in Berlin das israelische Filmfestival »Seret« statt. Trotz schwieriger Zeiten denken die Veranstalter nicht daran aufzugeben

von Leon Stork  04.09.2026

Israel-Hasserin El Hissy

Jüdische Gemeinde Frankfurt übt scharfe Kritik am Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Hintergründe

 04.09.2026

Musik

»Ein Tribut an David Bowie«

Daniel Donskoy über das gefeierte neue Musical »Rebel Rebel« und das Erbe des legendären britischen Sängers

von Ralf Balke  04.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  04.09.2026

Junge Israelis, die von Beta Israel, äthiopischen Juden, abstammen

Hamburg

2,5 Millionen Euro für Erforschung religiöser jüdischer Handschriften

Sophia Dege-Müller, Expertin für äthiopische Handschriften, erforscht religiöse Handschriften der äthiopischen Juden, der sogenannten Beta Israel. Ihre bis zu 500 Jahre alten Schriften seien bislang kaum wissenschaftlich untersucht worden

 03.09.2026

Medien

Wie »Die Zeit« den fanatischen Israelhasser Zohran Mamdani zur politischen Lichtgestalt umdeutet

von Regula Stämpfli  03.09.2026

Debatte

Öffentlich-Rechtliche Medien: Macht euren Job, aber macht ihn besser!

Ein Appell von Esther Schapira

von Esther Schapira  03.09.2026

Medien

Stephan-Andreas Casdorff ist wieder für den »Tagesspiegel« tätig

Die KI-generierten Meinungstexte von Stephan-Andreas Casdorff im »Tagesspiegel« hatten in der Branche für viel Aufruhr gesorgt. Seit Juni hatte der Ex-Chefredakteur seine Tätigkeit ruhen lassen. Nun kehrt er zurück

von Jana Ballweber  03.09.2026